"Das wäre ein Riesensprung für die Breitbandversorgung"

René Obermann

René Obermann

14.09.2012


Telekom-Chef René Obermann im Interview über die Breitband-Strategie des Unternehmens, über Investitionen ins Festnetz und die regulatorischen Rahmenbedingungen.

Herr Obermann, der Breitband-Markt in Deutschland ist in Bewegung, Kabelbetreiber und regionale Anbieter werben mit hohen Bandbreiten um Kunden. Überlässt die Telekom den Konkurrenten das Feld?

René Obermann: Nein, heute bieten wir beispielsweise zwölf Millionen Haushalten VDSL an und schalten zusätzlich Glasfaseranschlüsse, die bis in die Haushalte reichen. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, werden wir den Festnetzausbau gerne weiter verstärken. Unser Ziel ist es, in den kommenden vier Jahren circa 24 Millionen Haushalten superschnelle Anschlüsse zu bieten - das wäre ein Riesensprung für die Breitbandversorgung in Deutschland.

Geht der Ausbau dann zu Lasten des Mobilfunks?

René Obermann: Überhaupt nicht, im Gegenteil! Wir kombinieren beides nahtlos für unsere Kunden. Ziel ist das beste integrierte Netz. HSPA und LTE werden wir flächendeckend ausbauen - und zwar noch vor den Wettbewerbern. In der Kombination können wir unseren Kunden dann immer schnellere und überall verfügbare Internetverbindungen bereitstellen.

Wie soll der Festnetzausbau laufen?

René Obermann: Es geht darum, mit vertretbaren Mitteln möglichst vielen Haushalten höhere Bandbreiten zu ermöglichen. Glasfaser hat beim Ausbau bis zur Privatwohnung allerdings einen Pferdefuß, nämlich die sehr teuren Tiefbauarbeiten und die Inhouse-Verkabelung. Statt nur wenigen die Glasfaser bis ins Haus zu legen, wollen wir lieber auf breiter Basis den Ausbau bis zu den Kabelverzweigern in den Straßen vorantreiben. Von da ab geht es weiter mit bestehenden Kupferleitungen in die Wohnung, aber "aufgebohrt" mit Vectoring. Mit dieser neuen Technologie könnten wir Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde liefern - das ist doppelt so viel wie die bisherige Geschwindigkeit über VDSL. Und beim Hochladen, im Upload, bietet Vectoring mit bis zu 40 Megabit pro Sekunde deutlich mehr als die Anschlüsse der Kabelnetzbetreiber.

Will die Telekom wieder alleine ausbauen, bisher war doch immer die Rede von Kooperationen?

René Obermann: Auch bei diesem Ausbau würden wir uns die Chancen und Risiken gerne mit den Wettbewerbern teilen. Sie könnten beispielsweise Kontingente der neuen Anschlüsse buchen und damit für eine bessere Auslastung der Infrastruktur sorgen.

Von dem Ausbau profitieren aber wieder vor allem die Ballungszentren?

René Obermann: Nein, mit Vectoring könnten wir auch den ländlichen Raum mit deutlich höheren Geschwindigkeiten versorgen. Und dort, wo sich der Ausbau wirtschaftlich nicht rechtfertigen lässt, könnte der Staat die Finanzierungslücke schließen. Wir reden hier über eine deutschlandweite Chance auf superschnellen Internetzugang zu vertretbaren Kosten.

Sie sprechen viel im Konjunktiv. Welche sind die Rahmenbedingungen, die Sie erwähnt haben?

René Obermann: Bei der Regulierung gibt es endlich erfreuliche Signale von Seiten der zuständigen EU-Kommissarin Neelie Kroes, die vor allem wichtige Vorleistungsentgelte nicht weiter absenken will. Dass der nationale Regulierer diese Ankündigung nun auch konkret umsetzt, ist entscheidend, sonst werden uns wie bisher die nötigen Investitionsmittel entzogen. Hinzu kommt, dass wir von der Bundesnetzagentur grünes Licht für die Vectoring-Technologie brauchen. In Belgien hat der Regulierer das Vectoring bereits genehmigt. In Österreich gibt es ebenfalls vielversprechende Ansätze. Es wäre schön, wenn wir diese Technik auch in Deutschland einsetzen könnten - die Breitbandziele der Bundesregierung wären so viel schneller zu erreichen.

Nun verlegen sich Netze ja nicht von selbst? Was heißt das für die Telekom-Beschäftigten?

René Obermann: Ein solcher Netzausbau bedeutet zum einen Aufbauaufwand in der Startphase, zum anderen neue Produkt- und Servicemöglichkeiten, wenn es läuft. Für beides brauchen wir gute Mitarbeiter. Das würde sichere Beschäftigung für einige Tausend Mitarbeiter bedeuten, indirekt dürfte der Effekt noch höher sein. Wir wollen mit dem Sozialpartner gemeinsam überlegen, wie wir die nötige Flexibilität zur Nutzung dieser Chancen hinbekommen.

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