20 Jahre Mobilfunk: Die Meilensteine
D-Netz läutet Mobilfunkzeitalter ein
Viele können sich heutzutage ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen. Das kleine Technik-Wunder ist längst mehr als nur ein Telefon. Es erfüllt viele verschiedene Funktionen gleichzeitig und ist dadurch zu unserem ständigen Begleiter geworden. Kaum vorstellbar, dass vor 20 Jahren nur ein Bruchteil der deutschen Bevölkerung im Besitz eines Mobiltelefons war. Dies änderte sich mit der kommerziellen Einführung des D-Netzes am 1. Juli 1992. Das D-Netz löste seine Vorgänger A-, B- und C-Netz ab und läutete die zweite Generation der Mobiltelefonie ein. Das D-Netz machte die mobile Kommunikation massenmarktfähig. Die dazu benötigten Endgeräte kosteten damals jedoch noch ein kleines Vermögen. Rund 3.000 DM musste man für ein Mobiltelefon bezahlen. Zum Vergleich: Im Durchschnitt verdiente ein Arbeitnehmer 1992 in Deutschland im Jahr 46.820 DM. Dank der sich immer weiterentwickelnden Technik und der steigenden Nachfrage an Mobilfunkgeräten, wurden diese aber bereits Mitte der neunziger Jahre immer günstiger.
SMS, günstige Tarife und Prepaid-Karten
Der nächste Meilenstein in der mobilen Telefonie war der Short Message Service, kurz SMS. Die digitale Übertragung von Textbotschaften wurde in Deutschland 1994 eingeführt und entwickelte sich in kurzer Zeit zum meistgenutzten Handy-Dienst nach dem Telefonieren. Die Mobilfunkpreise sanken 1996 spürbar. Die Grundgebühr fiel von 50 DM auf knapp 30 DM. Im folgenden Jahr wurden die Guthabenkarten (Prepaid-Cards) eingeführt.
GPRS und UMTS
Nach der Sprache wurden die Daten mobil. Der General Packet Radio Service gleicht der Übertragungstechnik im Internet. Die Technik ist die Grundlage für alle über das Telefonieren hinausgehenden Nutzungsmöglichkeiten des Handys und wird nach wie vor für viele Anwendungen genutzt. 2004 wurde GPRS teilweise von UMTS abgelöst. Das Universal Mobile Telecommunications System ist der aktuelle Standard zur Übertragung von Daten über Mobilfunknetze und wird als dritte Mobilfunkgeneration (3G) bezeichnet. Die UMTS-Technik bietet neben der Telefonie auch die Möglichkeit, unterschiedlichste Multimedia- und Datendienste in Anspruch zu nehmen. Hierzu zählen neben der Benutzung des Internets auch Videostreaming oder Videotelefonie.
World Wide Web - das Internet revolutioniert den Mobilfunk
Im Jahr 1999 wurde das Internet mobil. Mit Hilfe der WAP-Technologie (Wireless Application Protocol) wurden die Inhalte des Internets für den Empfang auf Mobiltelefonen angepasst. Damals lief die Datenübertragung allerdings noch sehr langsam und die Inhalte mussten komprimiert werden. Der Nutzer fand auf dem Mobiltelefon also nur eine reduzierte Version des übertragenen Inhalts wieder. Das mobile Internet machte es 2002 möglich E-Mails auf dem Handy zu empfangen und bereits ein Jahr später konnten entsprechende Handys auch zum Empfang von Fernsehsendungen genutzt werden. 2008 besaßen laut der Studie "Mobile Web Watch" bereits 62 Prozent der Deutschen ein internetfähiges Handy.
Smartphones auf dem Vormarsch
1998 kamen mit der Modellserie Communicator von Nokia die ersten Smartphones auf den Markt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Mobiltelefonen sind Smartphones in Konstruktion und Bedienung nicht nur für das Telefonieren optimiert, sondern ermöglichen die komfortable Nutzung einer ganzen Reihe von Anwendungen. Typische Merkmale sind bis heute große und hochauflösende Bildschirme, alphanumerische Tastaturen und Touchscreens. Diese Eigenschaften der "intelligenten" Telefone dienen vor allem der Nutzung des mobilen Internets. Im Februar 2002 kam in Deutschland der Blackberry auf den Markt. Ein Mobiltelefon, das speziell zum Lesen und Schreiben von E-Mails entwickelt wurde. Schon bald wurde der Blackberry zum unverzichtbaren Accessoire für Geschäftsleute. Einen weiteren Meilenstein in der Smartphone-Technologie setzte Apple im Jahr 2007 mit dem iPhone. Das Gerät bestach durch seine unkomplizierte Bedienbarkeit - mobiles Surfen war kein Hexenwerk mehr. 2009 brachte der Suchmaschinen-Gigant Google mit dem "T-Mobile G1" sein erstes Handy mit dem Betriebssystem Android auf den Markt. Allen drei Geräten, Blackberry, iPhone und Android-Handy, war eines gemeinsam, sie wurden von der Telekom auf dem deutschen Markt eingeführt. Seither sind Smartphones auf dem Vormarsch: 2010 machten sie mit 7,4 Millionen abgesetzten Geräten bereits 37,8 Prozent des gesamten Handymarktes aus. 2011 besaß bereits jeder dritte Deutsche ein Smartphone.
Apps erobern den Mobilfunkmarkt
Apps gibt es eigentlich schon solange es Mobiltelefone gibt. Sie bezeichnen Anwendungen auf dem Handy wie beispielsweise Wecker, Kalender oder Spiele. Nach dem der iPhone App Store 2008 seine Pforten öffnete, erfuhren Apps einen nicht vorhergesehenen Boom. Apps geben dem Nutzer die Möglichkeit, das eigene Handy ganz nach seinen persönlichen Bedürfnissen zu erweitern. In Deutschland nutzen über 10 Millionen Bundesbürger Apps auf ihrem Handy. Handynutzer zwischen 14 und 29 Jahren haben im Schnitt 22 Anwendungen installiert.
LTE: noch schnelleres Internet für das Handy
Die Telekom hat im Sommer 2010 in Kyritz an der Knatter den ersten LTESendemasten in Europa in Betrieb genommen. LTE steht für Long Term Evolution, die vierte Mobilfunkgeneration. Mit Hilfe von LTE ist es gelungen schnelles Internet auch in solche Gebiete zu bringen, die mit Festnetzanschlüssen nicht ausreichend versorgt werden konnten. Darüber hinaus bietet LTE die Möglichkeit, Daten mit bis zu 100 Megabit pro Sekunden über die Luftschnittstelle zu versenden. Derzeit wird LTE auch in Flugzeugen getestet: in naher Zukunft sollen Fluggäste über Wlan auf das Bordnetz zugreifen und ganz normal surfen können. Zum Flugzeug gelangen die Daten aber nicht wie bislang über Satelliten, sondern über angepasste LTE-Bodenstationen.
Connected Car, Connected Home: Die Zukunft ist vernetzt
Elektronische Geräte, die wir im Haushalt, unterwegs oder im Büro nutzen, besitzen immer öfter eine Schnittstelle zum Internet. Deshalb können sie auf intelligente Weise miteinander verknüpft werden. Schon heute lassen sich Festplattenrekorder beispielsweise über ein Smartphone steuern und Aufnahmen programmieren, obwohl man vielleicht gerade hunderte Kilometer von Zuhause entfernt ist. In den nächsten Jahren werden Angebote dieser Art sprunghaft ansteigen und unser Leben bequemer und einfacher machen. Neben dem Haus wird in Zukunft auch das Auto vernetzt sein. So werden künftige Technologien, Apps und Services für die Weiterentwicklung von Sicherheit, Komfort, Kommunikation und Entertainment im Auto sorgen. Im Jahr 2016 sollen bereits 80 Prozent der global verkauften Autos vernetzt sein. Es werden dann weltweit 210 Millionen vernetzte Wagen auf den Straßen rollen.
Zukunftsvisionen
Die Zukunft des Mobilfunks wird noch einige Überraschungen bereithalten, denn eines steht fest: die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende. Mobile Services und Anwendungen für das Handy wie beispielsweise Mobile Payment (Bezahlung per Handy) oder Eye Control (das menschliche Auge steuert Handy-Funktionen) sind schon in den Startlöchern und bieten ganz neue Möglichkeiten in der Mobilfunk-Nutzung.