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Claus-Dieter Ulmer, Datenschutzbeauftragter der Deutschen Telekom.

Claus-Dieter Ulmer, Datenschutzbeauftragter der Deutschen Telekom.

27.10.2011

Die vermehrten Hackerangriffe der letzten Zeit zeigen: Datensicherheit braucht mehr als ein Antivirenprogramm. Die rasante Entwicklung der neuen Medien bringt immer neue Herausforderungen für die Sicherheit mit sich.

Claus-Dieter Ulmer, Konzerndatenschutzbeauftragter der Deutschen Telekom, beantwortet die wichtigsten Fragen und erklärt, wie man sich sicher im Netz bewegt.

Jeden Tag tauchen neue Meldungen über Bedrohungen aus dem Internet auf. Ist mein Computer auch gefährdet?

Claus-Dieter Ulmer: Mit der Verbreitung des Internets und der vermehrten Nutzung tauchen natürlich auch mehr Risiken auf. Es gibt allerdings eine ganze Reihe an Möglichkeiten, diesen Bedrohungen zu begegnen. Beispielsweise sollte Software nur aus vertrauenswürdigen Quellen heruntergeladen, bzw. installiert werden. Auch sollten Sie ihren Router verschlüsseln und darauf achten, welche persönliche Daten Sie im Netz weitergeben.

Wie kann ich mich sonst noch schützen?

Claus-Dieter Ulmer: Auf jeden Fall sollte ein Antiviren-Programm auf Ihrem Rechner installiert sein, dieses sucht das System nach Schadsoftware ab und schützt es nach außen. Ist Ihr Rechner nicht geschützt, kann es passieren, dass Ihr Anschluss zum Verschicken von Spam-Mails missbraucht wird. Schon jetzt sind 38 Prozent des täglichen E-Mail-Versands weltweit Spam-Mails. Außerdem sollten Sie ihr Betriebssystem immer auf dem neusten Stand halten. Softwarefirmen bieten hierfür regelmäßig Updates an, die Sicherheitslücken im System schließen.

Medien berichten immer wieder von gehackten W-LANs, wie kann ich mich davor schützen?

Claus-Dieter Ulmer: Bei der Nutzung von W-LAN gibt es zwei kritische Vorgänge. Erstens können Fremde von außen in den Rechner hineinkommen und gucken, was Sie so treiben. Zweitens können Angreifer von außen über Ihren Rechner illegal Daten wie Musik-Dateien oder Filme herunterladen oder unzulässige Inhalte ins Netz hoch laden. Sollte dies geschehen, sind Sie als Besitzer des Anschlusses für diese Vorgänge haftbar, wie ein Urteil des Bundesgerichtshofs gezeigt hat. Deshalb: W-LAN unbedingt mit einem sicheren Passwort verschlüsseln!

Wie sieht denn so ein sicheres Passwort aus, reicht da mein Geburtsdatum oder der Mädchenname meiner Mutter?

Claus-Dieter Ulmer: Nein, auf keinen Fall. Wenn Sie einfach ein reales Wort verwenden, ist dieses für Profis sehr leicht zu knacken. Dafür brauchen sie nur wenige Minuten. Auch einfache Zahlenkombinationen, wie Ihr Geburtstag, sind nicht sicher. Ich empfehle Passwörter, die für Außenstehende keinen Sinn ergeben. Nehmen Sie beispielsweise einen Satz, den Sie sich gut merken können und kombinieren Sie die Anfangsbuchstaben der Wörter mit Zahlen oder Sonderzeichen zu einem neuen "Wort". Dieses könnte dann so aussehen: Ich esse gern Pizza mit Schinken! - IegPmS! Das ist ein Passwort, das so schnell keiner knackt.

Muss ich mir denn für jeden Zugang ein neues Passwort merken? Das wird doch ganz schön kompliziert?

Claus-Dieter Ulmer: Wenn man ein wirklich gutes Passwort nutzt, kann man dieses auch mehrfach nutzen. Beispielsweise können Sie für alle sozialen Netzwerke eines und eines für Ihre Online-Shopping-Zugänge nutzen. Für Ihren Online-Banking-Zugang sollten Sie allerdings ein Passwort wählen, dass Sie sonst nicht benutzen, da diese Daten besonders sensibel sind.

Eine Reihe von Internetnutzern steht Online-Banking skeptisch gegenüber. Wie stehen Sie dazu?

Claus-Dieter Ulmer: Ich kann diese Bedenken teilen, habe persönlich aber bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Maßnahmen, mit denen die Banken Online-Banking sicherer gemacht haben. Trotz dieser Maßnahmen gab es allein im vergangenen Jahr einen Schaden von elf Millionen Euro. Häufig sind die Opfer dabei auf Phishing-Mails, also gefälschte Mails, hereingefallen. Um sich vor Phishing-Angriffen zu schützen, sollte man sich niemals über einen Link aus einer Mail zu seiner Bank-Seite führen lassen. Geben Sie die Browser-Adresse immer manuell ein.

Sie sagen, dass man darauf achten sollte, welche Daten man von sich im Internet veröffentlicht. Was aber, wenn Dienste wie Google Street View, mir diese Entscheidung abnehmen?

Claus-Dieter Ulmer: Unternehmen müssen den Bürgern die Chance geben, auf solche Dienste zu reagieren. Bei diesen heiklen Themen ist es besonders wichtig, transparent aufzutreten. Was in der Öffentlichkeit nicht gut ankommt, ist, einen umstrittenen Dienst erstmal auszuführen und mögliche Einwände zu ignorieren. Besonders kritisch finde ich an Google Street View, dass die Aufnahmehöhe der Kameras 2,90 Meter beträgt. Das ist nicht Augenhöhe, sondern geht über Zäune und Mauern hinweg in die Gärten und Privaträume der Bürger. Mittlerweile gibt es allerdings die Möglichkeit, der Veröffentlichung seines Hauses durch Bilder bei Google Streetview zu widersprechen.

Und wie stehen Sie zu sozialen Netzwerken wie Facebook, Google+ und Co.? Vor allem Jugendliche scheinen sich nicht immer bewusst zu sein, wem sie dort alles ihr Privatleben präsentieren?

Claus-Dieter Ulmer: Jugendliche sind vielleicht manchmal etwas zu offen in den Netzwerken. Das stimmt. Dafür wissen Erwachsene aber oft nicht um die technischen Möglichkeiten, wie sie sich schützen können. Beide Gruppen sind in dem Bereich gefährdet. User stellen mitunter Informationen ins Netz, die sie nach einiger Zeit lieber nie veröffentlicht hätten. Darauf haben sie dann aber kaum noch Einfluss, denn das Netz vergisst nichts, selbst wenn man Inhalte oberflächlich gelöscht hat. Leider sind viele soziale Netzwerke in dem Punkt nicht sonderlich transparent. Nutzer sollten deshalb stets die allgemeinen Geschäftsbedingungen lesen und auf die Privatsphäre-Einstellungen achten. Grundsätzlich finde ich soziale Netzwerke aber eine gute Entwicklung, diese sollte nicht von einzelnen unseriösen Anbietern konterkariert werden.

Wie können Eltern ihre Kinder vor zuviel Freizügigkeit im Internet schützen?

Claus-Dieter Ulmer: Vor allem kleinere Kinder sollten nicht alleine an den Rechner gelassen werden. So können Eltern ein Auge darauf haben, welche Informationen ihre Kinder ins Netz stellen. Wenn Kinder im Netz unterwegs sind, sollten sie dort ein Pseudonym nutzen, da man alleine über den richtigen Namen viel in Erfahrungen bringen kann. Ich schreibe meinen Namen manchmal ein wenig anders, um zu schauen, was passiert. Wenn ich dann unerwünschte Werbepost bekomme, in der dieser "Schreibfehler" übernommen wurde, weiß ich, woher der Wind weht. Dann habe ich die Quelle. Und als letztes: Sie können Suchmaschinen nutzen, die aus den Suchanfragen keine Profile bilden. Ein positives Beispiel ist ixquick.com.

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