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Andreas Kadelke

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Von letzten Meilen und TV-Kabeln

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Zwei Kabelverzweiger bei der Arbeit

Wir wollen in diesem Blog vor allem aus unserem Unternehmen berichten. Doch viele Entscheidungen, die die Deutsche Telekom und ihr Geschäft betreffen, werden gar nicht hier getroffen. Zum Beispiel die, wie viel Miete die Telekom von ihren Wettbewerbern für die so genannte letzte Meile (im Branchendeutsch Teilnehmeranschlussleitung oder TAL) nehmen darf. Oder welche Bereiche des Telekommunikationsmarktes einer Regulierung unterworfen werden. Derlei wichtige Entscheidungen treffen die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde für die Telekombranche oder der Gesetzgeber. Ich will mal versuchen, hierzu zwei Aspekte etwas näher zu beleuchten.

Punkt eins: Die Miete für die letzte Meile. Dieses Thema ist in der Regel nicht sexy genug für die Titelseiten. Aber wer die Wirtschaftsnews verfolgt, ist vielleicht vor ein paar Wochen darüber gestolpert, dass die Telekom beim Regulierer einen neuen Entgeltantrag für die letzte Meile gestellt hat. Die aktuelle Regelung läuft Ende März aus, am Donnerstag will die Behörde ihre Entscheidung über das neue Entgelt bekannt geben.

Zum besseren Verständnis: Die TAL ist der Abschnitt der Leitung zwischen der örtlichen Vermittlungsstelle und dem Anschluss beim Kunden. Für Telekommunikationsunternehmen, die über keine eigenes Netz verfügen, ist das der direkte Zugang zum Kunden. Ohne die gemietete TAL kämen sie also gar nicht bei den Kunden ins Haus.

Die Telekom hat – wie beim letzten Antrag vor zwei Jahren auch – eine Miete von 12,90 Euro pro Monat beantragt, mit der sie ihre Kosten decken will. Derzeit liegt die Miete für die letzte Meile bei 10,20 Euro pro Monat. Die Wettbewerber sind über die TAL-Preise zerstritten: Auf der einen Seite fordern einige Wettbewerber, wenig überraschend, eine Absenkung der Miete – und zwar drastisch, um 30 Prozent. Andere Unternehmen, die selbst in Glasfaserinfrastruktur investieren, fordern dagegen stabile Preise und drohen sogar damit, ihre Investitionen massiv zurückzufahren, falls es zu einer drastischen Absenkung kommt. Darum muss auch die Regulierungsbehörde diese Entscheidung treffen: Einigen kann die letzte Meile gar nicht preiswert genug sein, anderen ist die Absenkung immer zu viel – daher versucht die Behörde für die Entscheidung alle Arten von ökonomischen Berechnungen anzustellen.

Das kann dann auch bedeuten, die Preise werden nicht immer weiter abgesenkt, wie es beispielsweise in anderen europäischen Ländern passiert ist: In Großbritannien, Italien und Spanien haben die Regulierer den TAL-Preis erhöht. Ein Grund für diese Erhöhung ist, dass sich aufgrund der sinkenden Anschlusszahlen bei den Netzbetreibern die Stückkosten der TAL erhöht haben. So ist es auch bei uns. Die Telekom hat pro Jahr rund 1,5 Millionen Festnetzanschlüsse verloren. Viele Kunden verzichten ganz auf einen Festnetzanschluss und nutzen nur noch Mobilfunk oder sie wechseln zu den TV-Kabelanbietern. Die Zahl der Kunden geht also zurück, die Kosten für das Netz aber bleiben gleich.

Übrigens: Mit mehr als neun Millionen vermieteten Teilnehmeranschlussleitungen sind wir Europameister, und das gilt auch im europäischen Pro-Kopf-Vergleich. So schrecklich unattraktiv kann der Mietpreis also nicht sein…

Während also um die TAL-Entgelte hart gerungen wird, hat sich heimlich, still und leise ein anderer Bereich entwickelt, der eine intensive Betrachtung verdient. Und damit kommen wir zu Punkt zwei: den Kabelnetzbetreibern, die mittlerweile eine ernst zu nehmende Größe im Telekommunikationsmarkt darstellen. Im Breitbandmarkt kommen sie inzwischen auf einen Anteil von elf Prozent. Sie haben sich „im Schatten der TV-Märkte regionale Festungen für ihre Telekommunikationsprodukte aufgebaut“, wie Telekom Deutschland Vorstand Niek Jan van Damme gestern der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Und das ging so:

  • Während das Telekom-Netz für alle Wettbewerber offen ist, verweigern die Kabelnetzbetreiber bisher den offenen Zugang zu ihren Netzen und besitzen regionale Monopole.
  • Die Verbraucher haben deshalb teilweise keine Wahlfreiheit, wenn sie schnelle Internetanschlüsse haben wollen.
  • Nun könnte man einwenden, die Telekom mache den Kabelnetzbetreibern durch ihr Internet-Fernsehen Entertain ebenfalls Konkurrenz. Stimmt. Die Bedingungen sind aber unfair: Denn viele Mieter haben keine Chance, die Kabelgebühren aus ihren Nebenkosten zu streichen. Sie bleiben bei ihrem Kabelanbieter, weil sie natürlich nicht zweimal bezahlen wollen.

Unter diesen Rahmenbedigungen haben es die Kabelanbieter geschafft, dass heute bereits jeder zweite DSL-Neukunde sich seinen Anschluss bei ihnen holt. Die geplante Fusion von Kabel BW und Unitymedia – beide zusammen kommen derzeit auf 1,4 Millionen Internetkunden und insgesamt 6,8 Millionen Kunden – sollte also den Kartellbehörden einen genauen Blick wert sein. Und der Gesetzgeber sollte regeln, dass alle Marktteilnehmer einen offenen Zugang zu den Kabelnetzen erhalten. Andernfalls, so Niek Jan van Damme, werde die Marktabschottung der Kabelbetreiber belohnt.

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