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"Die Menschen brauchen überall schnelle Internetverbindungen"

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Die Bundesregierung hat in ihrer Breitbandstrategie ehrgeizige Ziele formuliert. Bis 2014 sollen 75 Prozent der Haushalte Übertragungsraten von mindestens 50 MBit/s zur Verfügung stehen.

Ulrich Adams, Vorstandsbeauftragter der Telekom für den Breitbandausbau, und der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Dr. Gerd Landsberg, erläutern in einem gemeinsamen Interview Perspektiven und Maßnahmen für die Breitbandanbindung in ländlichen Regionen.

"Das Thema "Breitband" steht bereits seit einiger Zeit ganz oben auf der politischen Agenda. Was macht diese Technologie denn aus Ihrer Sicht so bedeutend?" Gerd Landsberg: Die Verfügbarkeit von schnellen Internetverbindungen ist für Städte und Gemeinden ein zentraler und unverzichtbarer Standortfaktor. Ist diese Schlüsselinfrastruktur nicht vorhanden, bedeutet dies einen kaum zu kompensierenden Standortnachteil. Ulrich Adams: Hinzu kommt, dass die Bedeutung des Internets weiter zunehmen wird: In Zukunft werden wir uns nicht nur im Netz informieren, einkaufen und in sozialen Netzwerken austauschen. Telemedizin, elektronische Behördengänge oder die intelligente Steuerung von Stromnetzen sind Beispiele für ganz neue Anwendungen, die kommen werden. Dafür brauchen die Menschen überall schnelle Internetverbindungen.

Immer wieder ist zu lesen, dass der Breitbandausbau in den ländlichen Gebieten nicht in wünschenswerter Geschwindigkeit vorangeht, andererseits ist in der Breitbandstrategie die flächendeckende Verfügbarkeit bis Ende 2010 in Aussicht gestellt. Wie schätzen Sie denn die Versorgungslage ein? Gerd Landsberg: Zunächst einmal ist festzustellen, dass in den letzten Jahren Fortschritte gemacht worden sind. Die Versorgungslage hat sich verbessert. Dies ist auf die Initiativen der Kommunen, das Engagement der Unternehmen und auf die Förderprogramme zurückzuführen. Es gibt aber immer noch unversorgte Regionen und es gilt nach wie vor: Dieser Zustand ist aus unserer Sicht nicht hinnehmbar. Ulrich Adams: Inzwischen sind fast 98 Prozent der Telekom-Anschlüsse DSL-fähig und nahezu 90 Prozent erreichen Übertragungsraten von mindestens einem Megabit pro Sekunde. Wir treiben den Breitbandausbau immer weiter voran und das erreichen wir mit einem Technologie-Mix aus Festnetz- und Funklösungen. Ein wichtiger Baustein bei der Breitbandversorgung ist sicher die jüngste Frequenzvergabe, die die Voraussetzung für den neuen Mobilfunkstandard LTE geschaffen hat.

Nun gibt es ja eine ganze Reihe von Förderprogrammen, um den Breitbandausbau in Kommunen finanziell zu ermöglichen. Zeigen diese Programme Wirkung? Ulrich Adams: Die Förderprogramme haben ganz sicher dazu geführt, dass sich deutlich mehr Kommunen für unsere Kooperationsmodelle interessieren. Inzwischen melden sich auch nicht nur einzelne Kommunen, sondern Städte und Gemeinden ganzer Landkreise wie beispielsweise das Vogtland in Sachsen. Diese übergreifenden Kooperationen sind sicher sinnvoll, weil so Synergieeffekte genutzt werden können. Gerd Landsberg: Die Förderung ist wichtig. Zu begrüßen ist aus unserer Sicht, dass die Förderhöchstsumme zu Beginn des Jahres 2010 auf 500 000 Euro angehoben wurde und der Anteil, den Bund und Länder tragen, auf 90 Prozent der Fördersumme heraufgesetzt wurde.

Was können denn unterversorgte Kommunen von sich aus tun, um den Breitbandausbau zu beschleunigen? Gerd Landsberg: Natürlich können Kommunen einiges tun. Aber es ist ja nicht so, dass der Ausbau bisher an der mangelnden Initiative der Kommunen gescheitert wäre. Es hakt an anderer Stelle, es liegt an der fehlenden Wirtschaftlichkeit für die Unternehmen. Städte und Gemeinden sollten alle technischen Möglichkeiten prüfen und die Beratung durch die Kompetenzzentren suchen. Ulrich Adams: Überall, wo der Breitbandausbau aufgrund niedriger Kundenpotenziale und hoher Ausbaukosten mit Verlusten verbunden wäre, machen wir den Gemeinden die Kosten transparent und bieten ihnen Kooperationen an. Die Kommunen können sich dann auf unterschiedliche Weise am Ausbau beteiligen und so die Kostenlücke decken.

In der Breitbandstrategie der Bundesregierung ist als zweites zentrales Ziel die Bandbreite von 50 MBit/s in 75 Prozent der Haushalte bis zum Jahr 2014 angegeben. Wie bewerten Sie dieses Ziel? Ulrich Adams: Die Telekom hat ja bereits 50 Städte mit VDSL ausgestattet, was Übertragungsraten von bis zu 50 Mbit/s ermöglicht. Inzwischen bieten wir den Gemeinden auch Kooperationen über einen VDSL-Ausbau an. Generell gilt: Wir unterstützen die Breitbandstrategie der Bundesregierung, werden aber nicht alleine für eine flächendeckende Glasfaserversorgung sorgen können. Zudem fehlen bisher Anreize für Investitionen, dafür brauchen wir die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen. Gerd Landsberg: Eine Geschwindigkeit von 50 MBit/s ist natürlich ein ambitioniertes Ziel der Bundesregierung. Entscheidend ist aber aus unserer Sicht nicht die Frage, ab wann 75 Prozent der Haushalte über diese Technik verfügen können, sondern wann dieser Standard flächendeckend zur Verfügung steht. Ziel muss es in jedem Fall sein, alle Haushalte, auch in den ländlichen Regionen, in absehbarer Zeit mit dieser Geschwindigkeit zu versorgen.

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