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"TV-Geräte bleiben dumm"

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Was passiert in der Welt der Fernsehgeräte und -programme? Wie werden wir in Zukunft fernsehen? Professor Dr. Thomas Magedanz von der TU Berlin und Abteilungsleiter am Berliner Fraunhofer Institut FOKUS erklärt, wohin die Reise geht.

Herr Magedanz, ist Fernsehen noch in? Thomas Magedanz: Gegenfrage: Was meinen Sie mit Fernsehen? Bestimmte Sendungen wie Nachrichten oder das Traumschiff? Meinen Sie DVD-schauen, Bezahlfernsehen oder das TV auf dem Handy? Sie sehen: Wir sollten den Begriff einmal definieren.

OK, wie lautet Ihre Definition? Thomas Magedanz: Für viele bedeutet Fernsehen, gemeinschaftlich etwas anzusehen: ein und dasselbe und das zur selben Zeit. Das ist auch für mich der Dreh- und Angelpunkt.

Klingt ein bisschen wie früher, als es nur wenige Programme gab … Thomas Magedanz: … und man sich dazu verabredete oder zumindest auf dem Schulhof über den Tatort des Vorabends austauschte. Genau das meine ich. Und ich erlebe heute noch zuhause, dass wir uns zusammen verabreden, um etwas gemeinsam anzuschauen. Oder nehmen Sie Fußballübertragungen. Die machen doch allein nicht halb so viel Spaß. Public Viewing im Kleinen sozusagen. Natürlich ist das auch eine Generationenfrage. Aber wir erleben jetzt, dass die technische Entwicklung das bisherige Gemeinschaftserlebnis völlig aufweicht. Jetzt gibt es viel mehr Programme und Angebote, und vor allem jüngere Menschen bestimmen lieber selber, wann sie was sehen wollen. Thomas Magedanz: Richtig. Jeder geht seinen Interessen nach. Alles läuft auf einen individuellen Medienkonsum hinaus, wie auch die Nachfrage nach youtube belegt. Ob dies nun gut oder weniger gut ist, sei dahingestellt. Ich bin aber sicher: Was bleiben wird, ist das Bedürfnis, aktuelle TV-Erfahrungen mit anderen Gleichgesinnten zu teilen. Und da kommt die Weiterentwicklung oder Konvergenz, also das Zusammenwachsen von TV, Internet, Festnetz und Mobilfunk ins Spiel. Ja auch die Cloud, die es ermöglicht, anderen eigene Inhalte zur Verfügung zu stellen.

Nehmen wir den Fernsehzuschauer von morgen. Wie wird er seine TV-Erlebnisse mit anderen teilen? Thomas Magedantz: Zum Beispiel, wenn er ein Netzwerk Gleichgesinnter findet und das Fernsehen ihm ermöglicht, abzulesen, was die anderen gerade schauen. Oder wenn man sich ortsunabhängig verbredet, denselben Film oder dieselben Bilder zeitgleich am TV anzusehen. Das ist alles keine Zukunftsmusik mehr. Fakt ist aber, dass die Zuschauer noch nicht so weit sind, die Innovationszyklen sind einfach zu schnell. Das heißt, was früher noch innerhalb von Jahrzehnten der Sprung vom Schwarz-Weiß- zum Buntfernsehen bedeutete oder die Öffnung der Sender für private Anbieter … Thomas Magedanz: … geschieht nun um ein Vielfaches schneller und das auch noch parallel. Dazu eröffnet die Digitalisierung mit ihren vorher unvorstellbaren Möglichkeiten des Datentransports ein riesiges Angebot an Inhalten und Anwendungen. Online-Videotheken oder das TV-Programm anzuhalten, sind nur zwei Beispiele von vielen. Es werden innerhalb kürzester Zeit alle Register gezogen: Fernsehen per Kabel, Telefonnetz, Internet, DVB-T oder Satellit. Bildschirme für HD, 3D, in allen denkbaren Formaten. Verschiedene neue Empfangsgeräte wie PC und Handy sowie Wiedergabegeräte nicht zu vergessen. Die Verbraucher haben alle Möglichkeiten, TV-Angebote wahrzunehmen, egal ob daheim oder unterwegs. Allerdings ist die Technik- und Innovationsvielfalt in der Tat ein Problem.

Sie meinen, das alles überfordert die Konsumenten? Thomas Magedanz: Ja. Es wirft noch zu viele Fragen auf. Das reicht von 'Brauche ich das wirklich alles? Ich will doch einfach nur vernünftig fernsehen' über 'Trotz mehr Sendern scheint das Programm nicht besser geworden zu sein', bis hin zu 'Welches Gerät kaufe ich mir, das keine so kurze Halbwertzeit hat und für die Zukunft gerüstet ist'. Auch der schnelle Preisverfall bei Geräten spielt natürlich eine Rolle. Noch ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich das TV weiterentwickeln, wenn Sie an die Geräte denken? Thomas Magedanz: Ich bin sicher: Das TV-Gerät wird einfach nur ein dummer aber qualitativ hochwertiger und sicherlich riesiger Bildschirm sein, der komplett über eine externe Steuereinheit und über ein externes Netz bedient wird. TV wird ein Dienst im Netz sein. Wenn das Gerät nicht zum Fernsehen genutzt wird, dann laufen zum Beispiel Urlaubsbilder und -videos darüber, die irgendwo extern in der Cloud gespeichert sind. Wichtig auch: die Kamera am TV-Bildschirm, für Videotelefonie in höchster Qualität. Und nicht zuletzt sind die Bedieneroberflächen auf verschiedenen Geräten absolut gleich. So kann ich einen Film am Fernseher beginnen, dann unterbrechen und später auf dem Handy direkt weiterlaufen lassen.

Thomas Magedanz Prof. Dr.-Ing. habil Thomas Magedanz ist seit 2003 Universitätsprofessor mit eigenem Lehrstuhl für "Next Generation Networks" im Institut für Telekommunikationssysteme am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik an der Technischen Universität Berlin. Darüber hinaus leitet er seit 2000 das Kompetenzzentrum "Next Generation Network Infrastructures (NGNI)" am Fraunhofer Institut Fokus in Berlin. Seit 2006 hat Magedanz eine Professur an der Informationstechnischen Fakultät der Universität von Kapstadt in Südafrika. Seit 1985 widmet er sich der Evolution von Telekommunikationsdienstplattformen (Service Delivery Platforms) unter dem Einfluss neuester Informations- und Internettechnologien. So befasst er sich seit über 15 Jahren mit multimedialen Anwendungen in festen und mobilen Next Generation Networks sowie dem Internet der Zukunft. Einer seiner Schwerpunkte ist die prototypische Entwicklung von erweiterbaren Experimentalplattformen für die Forschungslabore von internationalen Netzbetreibern, Geräteherstellern und Universitäten rund um den Globus.

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