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Dirk Wössner

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Der Netzausbau ist eine gewaltige Kraftanstrengung

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Ein Beitrag von Dirk Wössner, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH.​​​​​

Dirk Wössner, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH.

Dirk Wössner, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH.

Alle wollen schnellen Mobilfunk, aber keiner will eine Antenne in der Nähe. Das eine aber ist ohne das andere nicht zu haben. Welche Blüten die Diskussion um Standorte treibt, zeigt ein Beispiel aus Baden-Württemberg: An einem Autobahnkreuz in der Nähe von Stuttgart hatten wir eine freie Fläche im Wald als Antennenstandort ausgewählt. Allerdings machte uns die Forstverwaltung einen Strich durch die Rechnung: Auch wenn kein Baum auf der Fläche steht, wird diese als Wald betrachtet. Eine Baugenehmigung wurde uns versagt.

Es gibt dutzende, ja hunderte solcher Beispiele. Momentan suchen wir an mehr als 800 Standorten nach einem geeigneten Platz. Mal sind es Bauvorschriften, mal sind es Umweltauflagen, mal langwierige Bürgerbeteiligungen, die das Aufrichten der Masten verhindern. Mal weigern sich Kommunen schlichtweg, öffentliche Liegenschaften für Mobilfunkinfrastruktur zur Verfügung zu stellen.

Netzbetreiber brauchen politische Unterstützung

So etwas darf nicht Schule machen. Schon heute dauert es im Schnitt zwei Jahre, bis ein Mobilfunkstandort funkt. Die Politik weiß, dass die Netzbetreiber Unterstützung im Mobilfunkausbau benötigen. Das begrüßen wir. Die Mobilfunkstrategie der Bundesregierung geht in die richtige Richtung.

Wir brauchen dringend eine Entschlackung der Genehmigungsverfahren, eine Modernisierung im Baurecht und erleichterten Zugang zu neuen Standorten. Zusätzlich kann eine geplante Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft helfen, indem sie Standorte dort realisiert, wo es den Netzbetreibern bisher aus diversen Gründen nicht möglich war, Standorte zu errichten. Dabei ist es aber wichtig, dass eine solche Gesellschaft Standorte nur in enger Abstimmung mit den Betreibern dort errichtet, wo es heute noch keine Versorgung gibt.

Wir als Deutsche Telekom werden die Auflagen aus früheren Auktionen fristgerecht erfüllen. Wir werden damit eine immer höhere Bevölkerungsabdeckung erreichen und alle Bundesautobahnen und ICE-Trassen versorgen. Darüber hinaus investieren wir wie nie zuvor in den Mobilfunk. Wir werden die höchst ambitionierten Auflagen aus der gerade abgeschlossenen Auktion erfüllen. Wir werden die Zusagen aus dem Mobilfunkgipfel einhalten (99 Prozent Bevölkerungsabdeckung bis Ende 2020). Und wir werden die Zusagen unseres Acht-Punkte-Plans erfüllen. Dazu werden wir in den kommenden Jahren tausende weitere Mobilfunkstandorte errichten, um die Bedürfnisse unserer Kunden weiterhin im besten Netz zu erfüllen.

Planungssicherheit

Für dieses ambitionierte Programm brauchen wir Planungssicherheit. Immer neue Forderungen nach reguliertem Roaming helfen nicht. Wir befürworten die Kooperation der Wettbewerber im Ausbau und praktizieren dies bereits seit Jahren – freiwillig. Denn wir teilen unsere Standorte mit den Wettbewerbern. Apropos Rahmenbedingungen: Die jüngste Auktion hat dem Netzausbau in Deutschland einen Dämpfer erteilt. Das Ergebnis hätte wesentlich günstiger ausfallen können. Mit dem Auktionserlös hätte man ca. 50.000 neue Mobilfunk-Standorte bauen und viele weiße Flecken schließen können.

Die Reservierung von Frequenzen für lokale Netze ist ein Irrweg, den Deutschland voreilig als Alleingang in Europa, ja sogar weltweit beschritten hat. Wir erwarten, dass höchstens eine Handvoll an Unternehmen in der Lage sein wird, tatsächlich eigene, lokale Firmennetze aufzubauen. Die weitaus größere Anzahl wird in Kooperation mit den Netzbetreibern geschehen. Denn diese haben die Expertise für den Aufbau, maßgeschneiderte Produkte und können lokale und öffentliche Netze integrieren.

Darum müssen wir über die künftigen Vergabemechanismen diskutieren. Diese sollten zum einen garantieren, dass die bestehenden Infrastrukturen und Investitionen nicht entwertet werden. Zum anderen sollten sie die Frequenzen den Teilnehmern zur Verfügung stellen, die flächendeckende Versorgung bieten. Wir brauchen eine offene Diskussion zwischen Politik, Bundesnetzagentur und Betreibern für die kommenden Vergabeverfahren.

Kraftanstrengung Netzausbau

Was für den Mobilfunk gilt, muss auch beim Breitbandausbau insgesamt umgesetzt werden. Der Netzausbau ist eine gewaltige Kraftanstrengung, nicht nur finanziell, sondern auch für Planer, Techniker und Einkäufer. Fallstricke sind häufig die fehlenden kommunalen Zustimmungen für den Ausbau und Engpässe bei Bauunternehmen. Weitläufige Bebauung mit Einfamilienhäusern oder Einzelbebauung auf dem Land mit langen Zuführungswegen gestalten den Ausbau schwierig und kostspielig. Mehr finanzielle Mittel durch staatliche Förderung helfen nur bedingt, denn die Umsetzungskapazitäten der Branche sind begrenzt.

Im klassischen Tiefbau kostet ein Kilometer Glasfaser durchschnittlich rund 70.000 Euro. Eine gigantische Investitionssumme. Um diese zu senken und schneller zu werden, müssen neue Antworten gefunden werden. Diese liegen auf der Hand: Neue Verlegungstechniken wie Trenching und Spülbohrungen müssen mehr Akzeptanz finden. Von den tausenden Kilometern Tiefbaubohrungen wurden weniger als hundert Kilometer mit alternativen Verlegemethoden geschafft. Das sind weniger als ein Prozent. Die intelligente Mitnutzung bestehender kommunaler Infrastruktur sowie oberirdisch verlegter Glasfaserkabel sollten gängig werden. Da sollten wir von anderen Ländern lernen, die deutlich pragmatischer und schneller ausbauen.

Impulse durch TKG

Die anstehende Novellierung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) muss zwingend neue und deutliche Impulse für einen schnellen Ausbau von Glasfaser- und 5G-Mobilfunknetzen setzen. Wir brauchen mehr Freiräume für Investitionen – weg mit Ausbauhürden.

Insgesamt muss das TKG ein Gesetz zur Deregulierung und Investitionsbeschleunigung werden. Gerade angesichts der Kabelfusion, die das Investitionsumfeld für echte Glasfasernetz eher verschlechtert hat. Nur durch weniger Regulierung kann ein „Level-Playing-Field“ mit den gänzlich unregulierten Kabelnetzen und auch in der Gigabit-Welt ein funktionierender Infrastrukturwettbewerb alternativer zukunftsfähiger Netze sichergestellt werden. Und wir sollten die Chance nutzen, Regulierungsbürokratie generell abzubauen. 40 Prozent der Regelungen im derzeitigen TKG basieren nicht auf EU-Vorgaben. In fast allen Bereichen des TKG besteht also Potential, unnötige Vorschriften zu streichen.

Dr. Dirk Wössner, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH.

Dirk Wössner

Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH

5G

Was ist 5G?

Das unterscheidet den neuen Kommunikationsstandard von vorherigen Mobilfunkgenerationen.

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