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Sabine Wieland: „Ich habe mir keine Chance ausgerechnet“

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Sie ist die Professorin des Jahres 2015: Sabine Wieland. Von fast 1.600 nominierten Hochschullehrern hat eine Jury um den ehemaligen Vorsitzenden des Wissenschaftsrates, Professor Winfried Schulze, insgesamt vier Professorinnen und Professoren ausgewählt.

Sabine-Wieland

Sabine Wieland ist eine der zwei Frauen, die den begehrten Titel erhalten haben. Sie lehrt seit 15 Jahren an der Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL) im Fachgebiet Kommunikations- und Medieninformatik.

Für Studierende, Kollegen, Hochschulmitarbeiter und Unternehmensvertreter sind Sie die Professorin 2015. Haben Sie damit gerechnet?

Sabine Wieland: Nein, ich habe mir keine Chance ausgerechnet, bei diesem Wettbewerb zu gewinnen – vor allem weil ich an einer relativ kleinen Hochschule lehre“. 14 Tage vor Ende des Wettbewerbs habe ich im Internet geschaut, mit wem ich konkurriere. Als ich die Kollegen der Uni München dort aufgeführt gesehen habe, habe ich definitiv nicht damit gerechnet, gewählt zu werden. Insofern habe ich mich wirklich sehr gefreut, denn diese Auszeichnung ist auch eine Aufwertung für die Studenten und für die Telekom, die die HFTL unterstützt.

…und Sie wurde ja nicht nur für Ihre Lehrtätigkeit ausgezeichnet, oder?

Sabine Wieland: Das ist richtig. Ich bin auch Vorsitzende des Leipziger MINT-Netzwerkes und Sprecherin der Regionalgruppe Leipzig der Gesellschaft für Informatik e.V. An der HFTL habe ich zusätzlich zu den Lehrveranstaltungen einen neuen Wettbewerb für Softwarenentwicklungstechnik eingerichtet: SWE, das steht für Software und Engineering. Studierende entwickeln dabei innovative Lösungen für aktuelle Problemstellung in der Telekommunikationsbranche und in anderen Wirtschaftszweigen. Zwei Gründe haben mich damals bewogen, den Wettbewerb einzurichten: Zum einen hatte ich selbst damals eine gewisse Motivationskrise. Und ich wollte Studenten einen neuen Wettbewerb liefern. Der Wettbewerb wird jedes Semester neu ausgeschrieben. Die Dualen Studenten arbeiten dabei mit neuesten Kommunikationsmitteln und arbeitsteilig. Für sie ist das eine zusätzliche Motivation.

Sie engagieren sich an der Hochschule stark für MINT-Fächer und auch für die Initiative „MINT Zukunft schaffen“. Was ist Ihr Antrieb? Hatten Sie Vorbilder bzw. Personen, die Sie geprägt und unterstützt haben?

Sabine Wieland: Rollenvorbilder gab es für mich nicht. Zwar war mein Vater Informatiker, aber ich bin meinen Weg gegangen. Zu DDR-Zeiten, war schulische Bildung anders als heute: Mädchen wurden auch in naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie und Physik gefordert und gefördert. Ich wolle zunächst Wetterfachfrau werden - allerdings gab es nur zwei Lehrstellen in Potsdam. Mein Vater sorgte für eine Lehrstelle als Informatikerin in einem Datenverarbeitungszentrum in Berlin. Da ich nach der 10. Klasse die Schule verlassen habe, machte ich noch nach der Lehre das Abitur nach. Und da meine Leistungen gut genug waren, wurde ich dann zum Studium delegiert. Ich erinnere mich noch an den Kommentar meines Vaters: „Dann machst du Informatik. Damit kannst du alles werden, was Du willst“. Der Weg hat sich als gut und richtig erwiesen – ich arbeite praxisorientiert.

Haben Sie Strategien, um mehr Frauen in technische Berufe bzw. auch in eine technische Richtung zu steuern? Hat man da als Dozentin Möglichkeiten, um dies zu beeinflussen?

Sabine Wieland: Als Dozentin hat man da eher weniger Möglichkeiten, denn die Studentinnen haben sich ja bereits entschieden. Mehr Möglichkeiten bietet da das MINT Netzwerk an den Schulen. Dort gibt es Praxis-Tage, in denen man sich und seine Arbeit vorstellt. Hier schreibe ich bei meinem Portrait selten, dass ich Informatikerin bin. Denn es gibt immer noch Vorurteile: „Man arbeitet im Keller, ausschließlich am Rechner und hat nichts mit Menschen zu tun“. Doch die Wirklichkeit ist anders: 20 bis 25 Prozent meiner Arbeit sind Analyse: Man fragt den Kunden, was für eine Lösung er benötigt. Und zuhören und kommunizieren ist eigentlich eine eher typische Frauenaufgabe. Die Arbeit kann ich mir einteilen und mit langem Atem vorbereiten. Ein Vorteil, wenn man Arbeit mit dem Privatleben vereinbaren will.

Sind wir zu männlich dominiert? Prägen schon die Erziehung oder Rollenvorbilder den Berufs- oder Ausbildungswunsch junger Frauen?

Sabine Wieland: Schon früh - nämlich im Kindergarten – werden Rollen bevorzugt und eingenommen. Das beginnt mit der Vorliebe der Geschlechter für bestimmte Farben. Insofern müssen wir, wie auch die Eltern, an breiter Front arbeiten. Bereits in der Schule fängt das an: Heute sind etwa 50 Prozent der schulischen Fächer sprachlich orientiert. Der Rest teilt sich auf. Meines Erachtens kommen MINT und die technischen Fächer zu kurz. Und Tablets für die Arbeitsinhalte statt der schweren Bücher wäre auch für die Schüler praktischer - und die Inhalte wären nicht so schnell veraltet.

Außerdem gilt das Vorurteil aufzuräumen, dass Informatik als Fach familienfeindlich ist. Das Gegenteil ist der Fall. Ich kann mir Zeit und Arbeitsort mehr oder weniger einrichten. Mobiles Arbeiten erleichter dies natürlich in der heutigen Zeit. Ich praktiziere das auch- bin für die Kinder da, wenn nötig und abends bereite ich mich für die Hochschule vor. Und ich habe auch schon ein Tutorium mobil vom Segelboot aus durchgeführt.

*Der Titel „Professor des Jahres“ wird an Hochschullehrer vergeben, die als echte Wegbegleiter für Karrieren überzeugen. Sie vermitteln nicht nur theoretisches Wissen, sondern praxisrelevante Fähigkeiten und direkte Kontakte in die Wirtschaft. In dem bundesweiten Wettbewerb des Absolventenmagazins Unicum Beruf konnten Studierende, Unternehmensvertreter, Hochschullehrer und Hochschulmitarbeiter für Ihren Kandidaten voten“.

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