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„Wir sollten nicht Programmieren, sondern Philosophie lernen.“

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Video-Interview mit Chris Boos, CEO und Gründer von Arago.

Chris-Boos

Sie haben kürzlich auf einer Konferenz gesagt, dass es mehr menschliche Intelligenz brauche, um der künstlichen Intelligenz Beine zu machen. Was meinen Sie damit?

Chris Boos: Am Ende des Tages ist künstliche Intelligenz in der Lage, neue Lösungen zu finden, aber basierend auf bestehenden Erfahrungen und die Menschen sind diejenigen, die die Erfahrung inhalieren, etwas Kreatives tun, etwas Neues tun. Und ohne diesen Schatz an Erfahrungen passiert gar nichts Neues. Deswegen, ohne die menschlichen Erfahrungen und die menschliche Intelligenz geht es nicht.

Ist der momentane Hype um KI aus Ihrer Sicht übertrieben?

Chris Boos: Ja und Nein. Also, was sicherlich übertrieben ist, ist diese Furcht vor KI in der Zukunft und dass die Roboter uns alle umbringen werden und dergleichen. Das ist ja nirgends sichtbar und lenkt ab von dem, worüber wir eigentlich sprechen sollten. Nämlich, dass sich sehr viel in unserer Wirtschaft ändern wird, wenn wir immer mehr der Arbeiten, die tatsächlich einmal für Maschinen gedacht waren, auch Maschinen machen lassen. Das wird schon eine gravierende Änderung, mit der wir uns besser auseinandersetzen sollten.

Bei der Recherche zu diesem Interview habe ich gelernt, dass Sie dennoch relativ entspannt in die Zukunft blicken. Warum?

Chris Boos: Ich glaube, dass diese ganze Angstmache überhaupt nicht stimmt. Erstens, die Maschinen, die als einzigen Sinn haben, uns Menschen umzubringen; warum? Macht überhaupt keinen Sinn. Das zweite ist, die Maschinen, die uns alle Arbeitsplätze wegnehmen. Selbst wenn Maschinen alles täten, was wir heute tun. Gucken Sie mal in die Welt raus. Es ist noch viel zu tun. Also, es ist nicht so, als würde uns die Arbeit ausgehen.

Meinen Sie, dass es ethische Rahmenbedingungen oder Richtlinien für KI braucht, die vielleicht sogar gesetzlich vorgeschrieben sind?

Chris Boos: Also, ich fände es sehr viel schöner, wenn die Menschen sich mal auf einheitliche Werte einigen könnten und sich von Mensch zu Mensch mehr über Ethik unterhalten würden. Es ist unglaublich, welche Energie entfaltet wird, um über die Moral von Maschinen zu diskutieren, die nichts anderes tun, als das, was ihr Menschen vorgemacht haben, nachzumachen. Wenn wir heute eine Maschine haben, die sich rassistisch benimmt, hat es ihr irgendwer vorgemacht. Können wir die Diskussion so von Mensch zu Mensch führen. Das wäre wirklich viel wertvoller.

In die Zukunft geschaut, was meinen Sie, wie sieht ein normaler Tag im Jahre 2050 aus?

Chris Boos: Also, ich mache jetzt seit über 20 Jahren dieses KI-Thema und als kleinem Jungen sind mir immer fliegende Autos versprochen worden. Und es sieht ja so aus, als würden wir die jetzt bald kriegen…

Ich glaube 2050 ist wirklich schwer vorherzusehen. Ich meine, schauen Sie sich die letzten 20 Jahre an. Wer hätte sich das vorstellen können?

Was ich aber wirklich glaube, ist, dass wir Menschen aus diesem „Super High Speed“, bei dem wir alle Sachen anfangen, keine richtig machen und ständig unter Druck stehen, auskommen werden und viel mehr Zeit haben werden, um tatsächlich nachzudenken, etwas Neues zu machen und uns mit Dingen zu beschäftigen, die wichtig sind. Und ich glaube, dass wir viel Zeit zurückkriegen werden und wenn Sie sich anschauen, Zeit ist die einzige Ressource, von der wir Menschen nie mehr kriegen können.

Was würden Sie Europa empfehlen, um im Rennen um KI nicht zurückzufallen?

Chris Boos: Ich könnte jetzt sagen, es wäre ganz toll, wenn die Politik die Technik einfach zufriedenlassen würde. Ich glaube aber, es ist an der Zeit dass man sich hier politisch und vor allem gesellschaftlich zusammenfindet mit den Technikern. Und ich glaube, dass es leider so ist, dass wir leider nicht diese kurze, einfache Lösung haben, wie, wir schreiben vor, es gibt für jeden Gigabit-Internetanschlüsse und dann ist die Welt super.

Ich bringe das immer als Beispiel, immer wenn über Breitband gesprochen wird – ich finde das super und ich will auch immer ganz schnelles Internet überall haben -  aber im Valley fällt mir ständig das Internet aus. Also die Disruption kann nicht an der Bandbreite liegen.

Ich glaube es gibt drei wichtige Themen, mit denen wir uns differenzieren können und mit dem wir tatsächlich etwas machen können. Das erste ist: wir müssen einen Weg finden, wie wir Industrien, die eventuell so nicht mehr existieren. Ich meine, man schaue sich das mal an, in nur zehn Jahren hat das Auto das Pferd von der Straße geschubst. Was machen wir mit solchen Industrien? Und am besten, wir machen das proaktiv, denn wir wollen ja niemanden zurücklassen. Leute, die heute etwas tun, was man morgen vielleicht nicht mehr braucht, die haben trotzdem super wertvolle Erfahrungen und wir als Gesellschaft haben nicht nur die Verantwortung, dass es denen gut geht, sondern wir haben auch die Verantwortung diese Erfahrung nicht verschwinden zu lassen.

Das Zweite, womit wir uns beschäftigen sollten, europäisch, gesellschaftlich, politisch, ist das Thema Bildung. Und ich bin gar nicht so sehr der Meinung, jetzt müsste jeder programmieren lernen. Ich glaube, wir brauchen, wenn wir von Leuten erwarten, dass sie bessere Menschen sind und wenn wir von Leuten erwarten, dass sie Kreative sind, dann müssen wir eine für breite Bildung sorgen und für viel Respekt.

Ich glaube, es ist nicht nur wichtig, dass wir Programmieren lernen, sondern wir sollten Philosophie lernen. Also breiter muss das Ganze werden. 

Und das Dritte: Es wäre schön, wenn wir uns in Europa angewöhnen könnten, Dinge zu regulieren, wenn wir ein Problem haben. Und nicht, uns das Problem auszudenken, eine Regulierung zu schaffen, die dann irgendwelche anderen Konsequenzen hat. Da sind wir sehr stark drin und bauen Mauern auf, die es gar nicht gibt. 

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