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Stephan Broszio

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Europa sollte jetzt handeln, um ein Open-RAN-Ökosystem aufzubauen

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  • Die Deutsche Telekom, Orange, Telecom Italia (TIM), Telefónica und Vodafone geben fünf Empfehlungen für den Aufbau eines Open-RAN-Ökosystems für Europa

In einem neuen Bericht, der heute von fünf der führenden europäischen Telekommunikationsunternehmen veröffentlicht wurde und auf den Erkenntnissen des unabhängigen Analystenhauses Analysys Mason beruht, werden die politischen Entscheidungsträger, die EU-Mitgliedstaaten und die Wirtschaftsvertreter aufgefordert, zusammenzuarbeiten und dem offenen Mobilfunkzugangsnetz (Open RAN) dringend Vorrang einzuräumen. Dies soll sicherstellen, dass Europa weiter eine führende Rolle bei 5G und in Zukunft auch bei 6G spielt. 

Ein offenes, intelligentes, virtualisiertes und vollständig interoperables Mobil-funkzugangsnetz, das eine effektivere und effizientere Mobilfunkkommunikation ermöglicht, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Europa sein 5G-Ziel bis 2030 erreichen kann. Dies wird dazu beitragen, stärkere, widerstandsfähigere Lieferketten und Plattformen zu schaffen sowie die digitale Eigenständigkeit und Technologieführerschaft zu fördern. Neue offene und disaggregierte Architekturen wie Open RAN geben den Betreibern die Flexibilität, 5G kostengünstig, sicher und energieeffizient auf mehr Nutzer auszuweiten. Diese Flexibilität wird branchenübergreifend zu mehr Innovation in Bereichen wie Telemedizin und sogenannten „intelligenten Fabriken“ führen. 

Wenn die EU jedoch ihre Wettbewerbsfähigkeit, Technologieführerschaft und Widerstandsfähigkeit bewahren will, muss sie jetzt entschlossen handeln und zusammenarbeiten. Andernfalls, so der Bericht, besteht die Gefahr, dass Europa bei der Entwicklung und Einführung von Netzen der nächsten Generation hinter Nordamerika und Asien zurückfällt. 

Der Bericht mit dem Titel „Building an Open RAN ecosystem for Europe" zeigt, dass es in Europa derzeit nur 13 große Open-RAN-Akteure gibt, während es im Rest der Welt 57 sind. Viele europäische Akteure befinden sich dabei in einem frühen Entwicklungsstadium und haben noch keine kommerziellen Open-RAN-Verträge abgeschlossen, während Anbieter aus anderen Regionen bereits fortgeschritten sind.

"Die Politik in den USA und Japan, neben anderen Ländern, unterstützt Open RAN bereits stark. Die USA haben mehr als 1,5 Mrd. Dollar für die Finanzierung von Open RAN bereitgestellt, und Japan bietet finanzielle Anreize und Steuervorteile für Unternehmen, die entsprechende Ausrüstung entwickeln, liefern und betreiben. Es gibt zwar einige positive Beispiele auf nationaler Ebene, wie zum Beispiel in Deutschland, aber die Europäische Union als Ganzes bleibt derzeit weit hinter der notwendigen Unterstützung für Open RAN zurück und gefährdet damit die Zukunftsfähigkeit eines europäischen Ökosystems, das mit anderen Regionen der Welt konkurrieren kann", so Caroline Gabriel, Research Director bei Analysys Mason. 

Der Bericht enthält fünf politische Empfehlungen, mit denen die Kluft zu anderen internationalen Regionen überbrückt werden kann, um ein dynamisches und lebendiges Ökosystem europäischer Akteure zu schaffen, welches die Grundlage für die mobile Kommunikation von morgen bildet. Sie umfassen: 

  1. Sicherstellung einer hochrangigen politischen Unterstützung für Open RAN. Europa muss mit einer gemeinsamen Stimme sprechen und Open RAN zu einer strategischen Priorität machen. 
  2. Die Europäische Kommission sollte eine Europäische Allianz für 
    Kommunikationsinfrastrukturen der nächsten Generation und einen Fahrplan für Innovationen schaffen, wie sie es bereits für Cloud und Halbleiter getan hat. 
  3. Die politischen Entscheidungsträger sollten Finanzmittel und steuerliche  Anreize für Betreiber, Anbieter und Start-ups bereitstellen, um die Entwicklung europäischer Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Open RAN auf der Grundlage von öffentlich-privaten Partnerschaften, Testumgebungen und offenen Labors zu unterstützen. 
  4. Förderung der europäischen Führungsrolle bei der Standardisierung von Open RAN. Weltweit harmonisierte Normen gewährleisten Offenheit und Interoperabilität. 
  5. Zusammenarbeit mit internationalen Partnern zur Förderung einer sicheren, vielfältigen und nachhaltigen digitalen und IKT-Lieferkette.

Derzeit sind europäische Anbieter nicht in allen sechs wichtigen Technologie- und Dienstleistungskategorien vertreten, die die Open-RAN-Wertschöpfungskette ausmachen, zum Beispiel bei Cloud-Hardware. Auch sind sie dort, wo sie präsent sind, zum Beispiel bei Halbleitern, zahlenmäßig den außereuropäischen Anbietern unterlegen. Die Umsetzung der Empfehlungen des Berichts würde europäischen, kleineren Anbietern Auftrieb geben und die europäische Führungsrolle in dieser wichtigen Technologie stärken, was sich auch positiv auf angrenzende Branchen wie Cloud und Mikroelektronik auswirken würde. 

Die Ergebnisse werden durch die europäische Ökosystemstudie von Analysys Mason mit 98 Unternehmen untermauert, die die Größe der Marktchancen prognostiziert und aufzeigt, was Europa zu verlieren hat, wenn die politischen Entscheidungsträger zögern. 

Analysys Mason prognostiziert, dass der Umsatz von Open RAN-Anbietern bis 2026 weltweit 36,1 Milliarden Euro betragen könnte, wobei sich der Wert auf Open RAN-Hardware und -Software (13,2 Milliarden Euro) und generische Anteile zum Betrieb einer RAN-Plattform (Chips, Dienste, Entwicklung und Cloud) aufteilt. Wenn die europäischen Betreiber im Jahr 2026 immer noch keine andere Wahl haben, als sich andernorts nach Open RAN umzuschauen, könnte dies den Prognosen von Analysys Mason zufolge 15,6 Milliarden EUR an Einnahmen der europäischen Industrie und ihren weltweiten Einfluss gefährden. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Europa Open RAN in seine Industriepolitik und seine Strategie für den Digitalen Kompass aufnehmen und mit einem ehrgeizigen politischen Rahmen untermauern muss. Dies wird sich positiv auf andere wichtige Technologiebereiche wie Cloud, Software und Chipsätze auswirken und wesentlich zu den umfassenden technologischen Ambitionen eines digitalen Europas beitragen.

Hinweis an die Redakteure

Zitate der Unterzeichner des Open RAN MoU

Claudia Nemat, Vorstand Technologie & Innovation der Deutschen Telekom, sagte: "Wir müssen jetzt entschlossen handeln, um Europas Wettbewerbsfähigkeit bei der Entwicklung von Netzen der nächsten Generation aufrechtzuerhalten. Besonders in Nordamerika und Asien gibt es eine starke Unterstützung für Open RAN. Europa sollte eine führende Position im neuen Open-RAN-Ökosystem anstreben. Das wird dazu beitragen, Netzinnovationen und ihre Einführung zu beschleunigen sowie neue Dienste für Kund*innen zu schaffen.“

Michaël Trabbia, Chief Technology and Information Officer, Orange, said: “Open RAN technology will play a fundamental role in the networks of tomorrow, enabling them to be built and managed more efficiently and cost effectively. If Europe is to build the next generation of digital networks that will power its economic success then we must do more to support the ecosystem in Europe which is delivering this technology. Now is the time to collaborate altogether and secure Europe’s future at the forefront of digital innovation.”

Enrique Blanco, Chief Technology & Information Officer (CTIO) at Telefónica, said: “Open RAN is the natural evolution of radio access technologies and it will be key for 5G networks. Telefónica believes the development of a healthy Open RAN ecosystem is essential to meet our target of 5G in the coming years. Including Open RAN as a pillar in the European Industry Policy will have a positive impact on the development of 5G in the region, enhancing the flexibility, efficiency and security of our networks while promoting its sustainable technological development.”

Nicola Grassi, Chief Technology & Operations Officer at TIM stated: “The creation of a European Open RAN ecosystem represents a unique opportunity to be competitive. We are convinced that the development of a lively Open RAN ecosystem will boost innovation and act as an important test bench not only for the telco industry but also for the process of digital transformation at EU level. This is why we confirm our commitment to contribute significantly to the development and deployment of these solutions.”

Johan Wibergh, Chief Technology Officer of Vodafone, said: “Open RAN will allow more European vendors to enter the ecosystem, accelerating innovation and stimulating competition. This will benefit the European economy and the quality of connectivity services. The reality is that Open RAN is coming, whether Europe embraces a leadership position or not. Waiting will only widen the technology leadership gap, at a time when achieving competitiveness and resilience is key to Europe’s future success.”

Über die Absichtserklärung

Anfang dieses Jahres gaben die Deutsche Telekom AG, Orange S.A., Telefónica S.A., TIM und Vodafone Group Plc die Absichtserklärung (MoU) bekannt, die Einführung von Open RAN als Technologie der Wahl für künftige Mobilfunknetze zum Nutzen von Privat- und Unternehmenskunden in ganz Europa zu unterstützen.

Im Rahmen der Absichtserklärung haben die Unterzeichner Mitte 2021 technische Leitlinien veröffentlicht, die neuen und bestehenden Anbietern helfen sollen, interoperable Software und Hardware zu entwickeln. Ziel ist es, ein wettbewerbsfähiges Open-RAN-Ökosystem zu schaffen, das Offenheit und Flexibilität fördert. Die Unterzeichner werden diese ursprünglich vorgeschlagenen Anforderungen erweitern, um Vorschläge für Intelligenz und Automatisierung einzubeziehen.

Darüber hinaus hat die Gruppe der Unterzeichner des Open RAN MoU vereinbart, verschiedene Aspekte des Open RAN-Ökosystems durch eine Reihe von Maßnahmen weiter voranzutreiben. Dazu gehören die aktive Teilnahme an auf Open RAN ausgerichteten F&E-Projekten, die Unterstützung von Edge-Computing-Initiativen in Europa, die kontinuierliche Beachtung der Einhaltung der sich entwickelnden europäischen Sicherheitsinitiativen und eine immer stärkere Zusammenarbeit zwischen Industriegemeinschaften wie TIP und der O-RAN Alliance und Standardisierungsgremien wie 3GPP.  

Über die Deutsche Telekom: Konzernprofil

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