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Diana Schnetgöke

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"Ich freue mich über das, was Quoten bewirken."

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Ob unbewusste Vorurteile Karrieren behindern oder Algorithmen die besseren Recruiter sind – darüber sprach ich im Interview mit Elke Frank, Chefin der Personalentwicklung bei der Telekom.

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Elke Frank: "Frauen und Männer können viel voneinander lernen."

Frau Frank, haben Sie selbst mal ein markantes Beispiel für Unconscious Bias erlebt?

Elke Frank: Ja, bei einem Teamoffsite während meiner Zeit bei Mercedes-AMG, einer Tochter der Daimler AG. Das Team bestand aus fünf Männern und mir, wir sollten ein 3-Gänge-Menü kochen. Bei der Vorbereitung haben alle gleich mitgezogen, aber als es ans Kochen ging schauten alle mich an. Ich habe versichert, dass ich ein guter Küchenhelfer und ein Weinliebhaber bin, aber keine Köchin. Es stellte sich dann heraus, dass zwei tolle Köche unter den Kollegen waren…

Was bei einem Team-Event für eine schöne Anekdote sorgt, kann im Berufsleben über Karrieren entscheiden …

Elke Frank: Aus dem Grund führen wir schon seit Jahren Trainings durch, mit denen wir diese Denkmuster und Vorurteile bewusst machen. Jeder von uns verfügt über eine Kiste von Stereotypen; es ist schon viel gewonnen, wenn man das weiß. Dann kann man gegensteuern.

Das gilt natürlich im Besonderen für diejenigen, die Personalverantwortung haben, die über Beförderungen und Bewertungen entscheiden.

Oder darüber, ob jemand überhaupt eingestellt wird. Sind Algorithmen am Ende des Tages die besseren Recruiter, weil sie unvoreingenommen sind?

Elke Frank: Ich glaube – wie so oft – ist eine Kombination aus künstlicher und menschlicher Intelligenz die beste Lösung. Bei der Erstauswahl setzen wir heute schon auf Künstliche Intelligenz, eben weil unbewusste Denkmuster dann nicht greifen. Aber eine Einstellung ganz ohne persönliches Gespräch mit dem Bewerber oder der Bewerberin? Ich glaube nicht, dass das funktionieren wird: Ein Algorithmus wird kaum entscheiden können, ob jemand kulturell zu uns passt.

Riskieren Sie so nicht, dass in der 2. Runde genau die unbewussten Denkmuster wieder zum Tragen kommen, die sie in der 1. Runde ausgeschlossen haben? Bekanntlich promotet man eher Menschen, die einem selbst ähneln…

Elke Frank: Dagegen kann man sich ja ein Stück weit schützen. Wir arbeiten mit zertifizierten Eignungsdiagnostikern und haben beispielsweise immer mindestens zwei Interviewpartner im Gespräch. Das sorgt schon mal für unterschiedliche Blickwinkel und Eindrücke. Und es gibt klare Vorgaben für unsere Talentpools und die Nachfolgeplanungen: Auf jeder Shortlist steht mindestens eine Frau. Unsere Recruiter sind als Consultants und Talent-Scouts unterwegs und arbeiten eng mit den Fachseiten zusammen, verstehen also viel vom fachlichen Business. All das zahlt sich aus: Für unsere diskriminierungsfreie Personalauswahl sind wir mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem bereits zwei Mal mit dem HR Excellence Award und dem Förderpreis Psychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Finden Sie die Frauenquote gut, Frau Frank?

Elke Frank: Ich finde auf jeden Fall gut, was sie bewirkt. Wenn wir den Effekt auch ohne Quote erreichen könnten, würde ich mich freuen. In Deutschland scheint es aber nicht ohne zu funktionieren. Da muss man eben pragmatisch sein und mit Quoten arbeiten.

Frauen wird in Seminaren und Trainings oft vermittelt, wie sie im Job auftreten sollen. Was meinen Sie: Sollten Frauen sich stärker an Männern orientieren?

Elke Frank: Ich meine: Männer und Frauen können viel voneinander lernen. Frauen tendieren immer noch stärker als Männer dazu, sich nicht aktiv ins Spiel zu bringen, wenn es um gute Jobs geht. Sie stellen sich häufiger die Frage: " Kann ich das wirklich?". Auch übers Gehalt oder eine Beförderung verhandeln sie seltener, Frauen sind insgesamt weniger fordernd. Männer dagegen haben weniger 'emotionale Antennen' für Stimmungen im Team oder während Diskussionen. Sie wundern sich dann aber, wenn die Dinge nicht rund laufen.

Glauben Sie auch, dass Frauen der Erfolg weniger gegönnt wird, als Männern?

Elke Frank: Nein, Erfolg verschafft Respekt, unabhängig vom Geschlecht.

 

Wie ergeht es Ihnen? Glauben Sie, dass Sie Vorurteile haben? Es ist erstaunlich, zu lernen, wie unser Gehirn arbeitet und unsere internen Verbindungen zu bewerten, die unser Verhalten und unsere Handlungen beeinflussen.

Bei der Deutschen Telekom leben wir eine Kultur der Integrität, des Respekts und der Toleranz für persönliche Fähigkeiten und Lebensstile und legen damit den Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Alle Mitarbeiter verdienen Respekt und Wertschätzung - unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion und Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.

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