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Markus Jodl

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Wie die 5G-Umstellung eines Standortes verläuft

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Einfach mit dem Finger schnippen und schon ist ein Standort 5G ready? Das wäre schön, funktioniert so aber nicht. Was rund um den Tag einer Umrüstung passiert, steht hier.

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Mobilfunk am Haus Sonnenkar auf der Zugspitze.

2019 soll der neue Mobilfunkstandard 5G in Deutschland starten. Er sorgt für ein extrem schnelles mobiles Internet mit Download-Geschwindigkeiten von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde.

Die Vorbereitungen für die Inbetriebnahme der 5G-Netze laufen bei der Telekom längst auf Hochtouren. Immer mehr Mobilfunk-Standorte werden jetzt nach und nach „5G-Ready“ gemacht. Experten sprechen dabei vom "Swap", vom Auswechseln alter Komponenten, und von der Umstellung auf die neue Systemtechnik.

Diesen Umbau hat mittlerweile auch der höchste und spektakulärste deutsche Mobilfunk-Standort der Telekom hinter sich, der auf 2.959 Meter auf dem Plateau der Zugspitze liegt. Drei Mobilfunkstationen versorgen dort Touristen und Skifahrer mit schnellem Internet. Wir erklären am Beispiel der Zugspitze, was alles passieren muss, bis am "Tag X" (so heißt das intern bei der Telekom) eine Mobilfunkstation "geswappt" werden kann.

Ein Jahr vor Tag X

"Jetzt wird ein Masterplan erstellt", erklärt Telekom-Projektleiterin Yelena Grigoreva. Sie ist in den Regionen Frankfurt, Nürnberg und München für die Modernisierung der Mobilfunknetze zuständig - und damit quasi die "Mrs. Swap" in weiten Teilen Süddeutschlands.

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Telekom-Projektleiterin Yelena Grigoreva leitet die Modernisierung der Mobilfunknetze auf der Zugspitze.

Der Masterplan legt fest, wie die Umstellung abläuft, an der im Gebiet von Yelena Grigoreva allein auf Seiten der Telekom rund 70 Mitarbeiter beteiligt sind, sowie bei Zulieferer und Telekom-Partner Ericsson etwa weitere 200.

Im Rahmen des Masterplans werden die Standorte zu so genannten Clustern zusammengefasst, also zu zusammenhängenden Gebieten, die die Telekom dann gemeinsam modernisiert. Yelena Grigoreva erklärt das am Beispiel der Zugspitze: "Hier im Raum Garmisch-Partenkirchen wird nicht nur ein einzelner Standort geswappt, sondern innerhalb einer Woche gleich mehrere Standorte." Vorteil: So sind die Ausfallzeiten für die Kunden besonders gering, und die Netze werden nicht immer wieder neu an- und abgeschaltet.

Projektleiterin Grigoreva verrät, wie ein idealer Swap bei der Telekom abläuft: "Unsere Zielsetzung ist, dass der Kunde möglichst wenig davon merkt, dass wir modernisieren." Die Ausfallzeit für das Mobilfunknetz ist extrem ehrgeizig und niedrig angesetzt, sie sollte idealerweise nur maximal eine Stunde betragen.

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Das Panorama von der Zugspitze.

Ein halbes Jahr vor Tag X

Nun legt die Funknetzplanung der Telekom fest, welche Services am Standort in welcher Form vorhanden sein sollen Heute sind das 2G (GSM), 3G (UMTS), 4G (LTE) und in Zukunft auch 5G. Bei dieser Planung ist die Telekom sehr flexibel. Denn an den modernisierten Standorten kommt die so genannte Single-RAN-Technik zum Einsatz, die alle Komponenten in einer gemeinsamen Anlage zusammenfasst. Dabei ist es sogar möglich, bestimmte Frequenzbänder bei unveränderter Hardware umzuwidmen - also zum Beispiel von UMTS auf LTE umzustellen.

"Damit beginnen die genauen technischen Planungen", schildert „Mrs. Swap“ Yelena Grigoreva. Zu klären sind zahllose Detailfragen - beispielsweise, ob für die Umstellung neue Antennenträger benötigt werden.

Vier Monate vor Tag X

Jetzt erhält ein Zulieferer wie Ericsson den Auftrag, vor Ort den Standort zu dokumentieren und die vorhandene Technik exakt zu erfassen. Auf Basis dieser Dokumentation finden dann die weitere Planung und die Bestellungen der Komponenten statt.

Straßensperrungen oder Sondergenehmigungen müssen beantragt werden. Und netzintern muss die Telekom dafür sorgen, dass neue Mobilfunkstandorte oder neue Komponenten softwareseitig überhaupt erkannt werden.

Die Vorbereitung ist dermaßen komplex, verrät Yelena Grigoreva, "dass wir den gesamten Prozess auf ein Papier gebracht haben, das wir 'Tapete' nennen." Die „Tapete“ ist zwar nicht ganz so lang wie die Zugspitze hoch ist. Aber die Gesamtplanung erstreckt sich immerhin auf viereinhalb Meter. "Für Kunden sollte die Umstellung wie Plug and Play aussehen, schnell und problemlos", so die Telekom-Expertin, "aber dafür muss im Vorfeld schon einiges passieren".

Eine Woche vor Tag X

Das Swap-Team trifft sich zum "Go-Termin", wie ihn Projektleiterin Grigoreva nennt. "Wir schauen noch einmal, ob auch wirklich alle Bausteine vorhanden sind, und ob wir den Standort am Tag X tatsächlich nach 60 Minuten maximaler Ausfallzeit wieder funken lassen können." In den darauffolgenden Tagen beginnen die Monteure vor Ort dann mit den ersten Arbeiten.

Tag X

Nun wird umgestellt - im Fall der Zugspitze im Betriebsraum der Telekom, der ein wenig versteckt unter dem Plateau direkt an den Fels angebaut ist. Dort erklärt Bauleiter Ulf Schmidt von Telekom-Partner Ericsson die Vorteile der neuen Technik: "Sie hat bessere Leistungsdaten und ist umweltfreundlicher" - weil sie weniger Strom verbraucht.

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Ein Techniker beim Einbau neuer Elemente im Technikraum auf der Zugspitze.

Die Ericsson-Fachleute bauen neue Elemente wie Radiomodule in ein Kabinett ein, während die alten Komponenten noch in Betrieb bleiben. Erst wenn alles installiert ist, stöpseln Routinier Schmidt ("Das ist ungefähr mein 300. Swap") und sein Team die bestehende Antennenanlage ab, und verbinden sie mit der neuen Technik.

Nach maximal 60 Minuten Unterbrechung ist die Zugspitze dann tatsächlich 5G-Ready. Und das neue Netz, das vorerst noch nicht aktiviert wird, ist bereit für einen Start 2019. Testverbindungen und Geschwindigkeit-Checks mit Up- und Downloads zeigen, ob tatsächlich alles wie geplant funktioniert.

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Ein Testcall zeigt, ob alles funktioniert.

Nach Tag X

"Heute ist noch nicht das Ende unserer Tapete erreicht", verrät Yelena Grigoreva. "Wir prüfen zunächst, dass die Netzwerkqualität stimmt. Erst, wenn das sichergestellt ist, führen wir Upgrades durch und aktivieren neue Services wie beispielsweise LTE 900 oder 4x4 MIMO."

Diese Neuentwicklung sorgt mit einer Kombination aus vier Sendeantennen am Mobilfunkmast und vier Empfangsantennen im Smartphone für deutliche Temposteigerungen. Erst mit diesen weiteren Maßnahmen erreicht die Viereinhalb-Meter-Tapete langsam ihr Ende. Doch die nächste Tapete und der nächste "Tag X" warten schon auf "Mrs. Swap" und ihre Mitarbeiter.

Mehr Info in unserem Video:

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