Konzern

"Alle drei Tage ein neues Patent"

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Claudia Junker leitet seit November 2010 den Rechtsbereich der Deutschen Telekom. Im Interview erläutert sie, wie die Telekom es potenziellen Partnern leichter machen will und welche Folgen der Patentkrieg der Telekommunikationsbranche hat.

Frau Junker, Sie sind Chefin des Rechtsbereichs mit mehr als 200 Mitarbeitern. Warum hört man so wenig von Ihnen? Claudia Junker: Ich bin der Überzeugung, dass Rechtsabteilungen ihre Arbeit möglichst geräuschlos machen sollten. Was nicht bedeutet, dass wir wenig zu tun hätten: Allein in einem Jahr haben wir mehr als 14.000 Verträge mit erarbeitet, über 2.000 Gerichtsprozesse geführt und die Kollegen im Konzern mehr als 46.000 Mal beraten.

Die Quantität ist beeindruckend. Wie steht es um die Qualität? Claudia Junker: Um das zu messen, wurden unsere Kunden, also die internen Konzernbereiche, dazu befragt, wie zufrieden sie mit uns sind. Der Rechtsbereich hat sich beim so genannten TRI*M Index über die Jahre kontinuierlich gesteigert. Inzwischen erreichen wir eine Punktzahl von 100 - in Schulnoten entspricht das ungefähr einer 1,7. Im externen Schnitt bekommen Rechtsbereiche von Unternehmen 61 Punkte. Wir sind also deutlich besser.

Die Telekom will sich verstärkt für Partner öffnen, die berühmte Steckerleiste ist das Bild dazu. Was bedeutet das juristisch? Claudia Junker: Wir arbeiten seit vielen Jahren mit Standardverträgen, die wir permanent weiterentwickeln. Die brauchen wir, damit wir mit Partnern schnell eine Grundlage für unsere Kooperation haben. Vor allem mit Start-ups ist das nicht immer ganz einfach: Die kippen manchmal um, wenn sie beispielsweise marktübliche Haftungsklauseln lesen. Es gibt auch selbstbewusste Newcomer, die ihre eigenen Standardverträge durchsetzen wollen. Da müssen wir aufpassen, dass der Stecker auch in unsere Leiste passt. Es geht darum Lösungen zu entwickeln, die Partner nicht abschrecken und gleichzeitig die Interessen der Telekom schützen. Da sind wir dran.

In Ihren Bereich fällt auch das Patentrecht. Wie steht es um Patente bei der Telekom? Claudia Junker: Die Telekom hat allein im vergangenen Jahr 148 Patente angemeldet, im Schnitt also alle drei Tage ein neues Patent. Wir halten weltweit fast 8.000 Patente. Allein für die neue Netzarchitektur TeraStream gab es in kurzer Zeit 17 Erfindungen von Mitarbeitern. Ende Januar haben wir ein deutsches Patent für ein Verfahren bekommen, das Angriffe auf die Datenübertragung im Mobilfunk abwehrt. Wir haben also eine Menge Innovationsgeist.

In den Medien ist zunehmend von einem Patentkrieg in der Telekommunikationsbranche zu lesen. Wie betrifft das die Telekom? Claudia Junker: Insgesamt bietet die Rechtslage in Deutschland derzeit zu viele Chancen für so genannte "Patent-Trolle“. Das sind Unternehmen, die Patente nur aufkaufen, um Firmen mit Klagen zu drohen. Beispielsweise wird gefordert, ein Smartphone vom Markt zu nehmen oder gar ein Netz abzuschalten. Die Alternative ist, dass das Unternehmen horrende Summen bezahlt. So werden Innovationen nicht geschützt, sondern verhindert. Auf europäischer Ebene wird derzeit ein einheitliches System entwickelt, das dieses Problem voraussichtlich aufgreifen wird. Wenn Europa bei Innovationen auf Augenhöhe mit den USA kommen will, braucht es dafür auch die rechtlichen Rahmenbedingungen.

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