Konzern

"Jeder soll angstfrei arbeiten"

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Drohung, Gewaltfantasien und -verherrlichung oder Stalking: Das können für manchen einschneidende Erlebnisse sein oder zur Beeinträchtigung des Lebensalltages führen. Die Telekom unterstützt Mitarbeiter, die solche Grenzüberschreitungen erleben.

Wie, das erzählen Claudia Brandkamp und Jürgen Wolf im Interview. Die beiden Bedrohungsmanager der Telekom wurden jetzt für ihre Arbeit von der Association of European Threat Assessment Professinals (AETAP) zertifiziert. Das ist bisher bei europäischen Unternehmen einzigartig.


Sie sind Ansprechpartner für Mitarbeiter, die sich bedroht fühlen. Ein weit verbreitetes Phänomen?

Claudia Brandkamp: Die Telekom hat allein nach der Mitarbeiterzahl die Dimension einer Großstadt, die Kunden hinzugezählt hat sie die Größe eines Staates. Wir sind ein Spiegelbild der Gesellschaft und leider haben auch wir damit zu tun, dass Grenzen überschritten werden. Wenn auch sehr selten. Wir haben in mehr als zwei Jahren etwa 200 Kolleginnen und Kollegen helfen können. Die Telekom macht alles dafür, dass alle Mitarbeiter täglich angst- und gewaltfrei arbeiten können. Darauf hat jeder einen Anspruch.

Wann kommen Sie auf den Plan?

Claudia Brandkamp: Uns sollte jeder einschalten bei plötzlichen physischen Annäherungen oder wenn sich jemand verfolgt fühlt, also gestalkt wird. Und ganz klar bei jeglicher Androhung von physischer und psychischer Gewalt. Genauso bei ungewöhnlichen Beobachtungen, also wenn andere Gewaltfantasien äußern, verherrlichen oder gar Waffen vorzeigen.

Bitte nennen Sie Beispiele.

Claudia Brandkamp: Nehmen wir den Berater im Service-Center, der von einem unzufriedenen Kunden hört "Ich weiß, wo du wohnst und warte auf dich". Oder den Kollegen, der eine Patronenkugel auf seiner Bürotürklinke fand, mit seinem Namen eingraviert. Oder die Mitarbeiterin, die häuslicher Gewalt ausgesetzt ist. Wenn es Auswirkungen auf den Arbeitsplatz hat, unterscheiden wir nicht, ob die Ursache aus dem privaten oder dem dienstlichen Umfeld kommt. Wie gesagt: Wir reden hier von Ausnahmen angesichts von Beschäftigten- und Kundenzahl. Aber genau für diese Ausnahmen ist professionelle Hilfe wichtig. Jedem Fall gehen wir zusammen mit einem Kernteam aus Kollegen anderer Bereiche wie etwa Compliance, Gesundheit oder der Sozialpartner nach. Wir kooperieren auch in einem externen Fachleute-Netzwerk, zum Beispiel mit Polizei, Kliniken, Frauenhäusern und Opferschutz.

Jürgen Wolf: Wir folgen dem Konzept "Erkennen, Einschätzen, Entschärfen". Das heißt, wir machen uns ein Bild von der Bedrohung und minimieren das Risiko. Gewalttaten haben oft eine Vorgeschichte. Warnsignale früh zu erkennen, verbunden mit entschärfenden Maßnahmen, kann schwere Taten verhindern, seien es psychische und physische Bedrohungen gegenüber Mitarbeitern oder unter Beteiligung von Mitarbeitern.

Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die sich bedroht fühlen?

Jürgen Wolf: Wichtig ist für uns, dass wir informiert werden, denn nur dann können wir unterstützen. Betroffene können sich direkt an das durchgängig erreichbare Group Situation Center (Konzernlagezentrum) wenden, die dann wiederum uns ins Boot holen. Gemeinsam bewerten wir die Lage, also die Art der Drohung und das mögliche Potenzial einer Aggression. Aufbauend auf diesen Informationen entscheiden wir dann über die weitere Vorgehensweise. Je schneller wir also eingebunden werden, desto besser können Hilfemaßnahmen ergriffen werden.

Und wenn sich Betroffene nicht trauen, sich bei Ihnen zu melden?

Jürgen Wolf: Wir sind sehr professionell, nicht nur was unsere mehrjährige Ausbildung angeht. Wir versichern, dass wir vertraulich und mit Fingerspitzengefühl arbeiten, dazu gehört auch, dass uns das gegenseitige Vertrauen sehr wichtig ist. Wir haben uns gerade von externer Stelle zertifizieren lassen. Die Telekom ist damit übrigens das erste Unternehmen in Europa, bei dem zertifizierte Bedrohungsmanager arbeiten.

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