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„Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen“

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Telekom-Chef Timotheus Höttges erläutert im Interview, was in der europäischen Regulierung falsch läuft und wie Deutschland den Breitbandausbau vorantreiben kann.

Herr Höttges, was haben Sie gegen Regulierung?

Timotheus Höttges: Grundsätzlich gar nichts. Regulierung ist da sinnvoll, wo es keinen Wettbewerb und monopolistische Infrastrukturen gibt, etwa auf dem Land. Da müssen alternative Anbieter die Möglichkeit haben, die Infrastruktur des Monopolisten zu nutzen. Wo es aber Infrastrukturwettbewerb gibt, kann es nicht sein, dass die Telekom reguliert wird und andere nicht. Nehmen Sie Städte, in denen mehrere Festnetzanbieter ausgebaut haben und die Kabler massiv in den Markt für Internetanschlüsse eindringen. Warum werden nur wir da reguliert? Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen.

Also auch Regulierung für Kabler?

Höttges: Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin nicht für mehr Regulierung, die auf Kabelnetzbetreiber ausgeweitet wird. Gleiche Wettbewerbsbedingungen sollten dadurch erreicht werden, dass die Telekom in bestimmten Regionen aus der Regulierung entlassen wird.

Sie beklagen auch die Vorteile amerikanischer Internetunternehmen. Sind Sie neidisch auf deren Erfolg?

Höttges: Im Gegenteil, ich habe großen Respekt vor ihrer Innovationskraft und ihrem Erfolg. Es ist aber schon bemerkenswert, dass Google inzwischen mehr wert ist als die gesamte europäische Telekommunikationsindustrie zusammen. Was mich stört: US-Internetunternehmen bieten inzwischen ganz klar Telekommunikationsdienste an, ohne sich um Regulierung kümmern zu müssen. Textnachrichten und Sprachtelefonie – das sind zweifellos klassische Telekommunikationsdienste. Und noch ein Beispiel: Probieren Sie mit Skype zu Viber zu telefonieren, Sie werden sich sehr schwer tun. Haben Sie schon mal probiert, ihre Apps von einem Apple-Smartphone auf ein Android-Gerät zu übertragen? Geht nicht! Wir aber werden gezwungen, die Rufnummern möglichst von einem auf den anderen Tag zu portieren. Da stimmen einfach die Relationen nicht.

Was läuft schief in Europa?

Höttges: Wir haben in Europa 28 verschiedene Regulierer und die widersprechen sich teilweise, da bekommen Sie doch nie eine einheitliche europäische Strategie hin. Nehmen Sie Frequenzauktionen. Die sollen in Europa harmonisiert werden, gleichzeitig benutzen Staaten wie Österreich Frequenzauktionen massiv zur Entschuldung ihrer Haushalte. Dabei ist erwiesen: Je teurer die Auktion, desto später kommt die Infrastruktur, von der der Kunde auch etwas hat. Das Ziel der EU, den Breitbandausbau voran zu treiben, ist trotz aller Lippenbekenntnisse nicht immer das erste Ziel auf nationaler Ebene.

Ein Dilemma…

Höttges: In der Tat. Dieses Problem lösen wir nicht durch mehr ,sondern nur durch weniger Regulierung. Man sieht in den USA ganz deutlich, dass ein viel weniger regulierter Markt auch zu einer besseren Infrastruktur führt. Der europäische Markt schrumpft trotz des Wachstums bei mobilen Daten. Die Telekommunikationsmärkte in Asien und den USA wachsen hingegen stark.

Was muss also passieren?

Höttges: Wir brauchen einen gemeinsamen europäischen Telekommunikationsmarkt. Es ist falsch, die Zahl der vorhandenen Netze von Ländergrenzen abhängig zu machen. In einem gemeinsamen Telekommunikationsmarkt würde es Möglichkeiten zur Konsolidierung geben und so ließen sich Größenvorteile erzielen. Und damit könnte die Branche stärker in Infrastruktur investieren. Aber ehe wir über Konsolidierung reden, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Würden wir heute über europäische Ländergrenzen hinweg konsolidieren, hätten wir keine Vorteile. Heute bringen ja teilweise noch nicht mal Zusammenschlüsse innerhalb eines Landes etwas. Das zeigen die Auflagen, die bei der Konsolidierung in Österreich gemacht wurden.

Für Deutschland setzt Infrastrukturminister Alexander Dobrindt auf eine Netzallianz. Was halten Sie davon?

Höttges: Wir unterstützen die Breitbandziele der Bundesregierung. Die Netzbetreiber sollten zusammen arbeiten, um sie zu erreichen. Wir müssen die Feindbilder von gestern und die kleinteiligen Diskussionen hinter uns lassen. Die Telekom investiert Milliarden, um die Breitbandversorgung voran zu bringen. Wir brauchen überall leistungsfähige Internetanschlüsse, weil die Vernetzung zunimmt und das Datenvolumen massiv steigt. Gleichzeitig sinken aber die Umsätze der Telekommunikationsbranche in Deutschland – jährlich um eine Milliarde. Das passt nicht zusammen. Wir brauchen also Stabilität bei den Preisen, investitionsfreundliche Regulierung und Unterstützung von der öffentlichen Hand, wo sich der Ausbau wirtschaftlich nicht rechnet. Es geht nicht um ein neues Monopol für die Telekom, das wollen wir nicht. Wir wollen einen zügigen Netzausbau für möglichst viele.

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