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Martina Weidmann

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IoT ist eine große Tüte Süßigkeiten

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Das Internet der Dinge gilt als Wachstumstreiber für alle Industriezweige. Laut Telekom Digitalisierungsindex haben knapp die Hälfte der befragten Unternehmen bereits IoT-Projekte umgesetzt. In Summe sind dies Insellösungen mit unterschiedlichen Komponenten und von unterschiedlichen Anbietern. Wir sprechen mit Rami Avidan über seine Sicht auf das Internet der Dinge (IoT) IoT, den neuen IoT Hub und, was das Ganze mit Süßigkeiten zu tun hat. 

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Für Rami Avidan, Geschäftsführer der Deutschen Telekom IoT GmbH, ist IoT wie eine große Tüte Süßigkeiten.

Ist Corona Booster oder Stopper für IoT?

Rami Avidan: Ganz klar ein enormer Booster für IoT. Mit Corona erkannten wir als Gesellschaft, dass wir keine vollständige Kontrolle über unsere Lieferketten und Lagerbestände hatten. Dies führte zu großen Problemen, unter anderem bei der Ausrüstung von Krankenhäusern oder verfügbaren Masken. Nun erfährt der Konzern sehr großes Interesse an IoT. Die Digitalisierung ist in den Fokus der Unternehmen gerückt. Denn IoT macht die Lieferkette transparent. Intelligente Tracker senden in Echtzeit Daten von der Fertigungshalle bis in den Verkaufsraum. IoT beschleunigt Prozesse.

Der "IoT Hub" ist die neue zentrale Plattform weltweit. Brauchen wir noch eine IoT-Plattform?

Avidan: Wir benötigen keine weitere IoT-Plattform. Darum bauen wir den IoT Hub für die vielen unterschiedlichen Komponenten und bislang nicht verknüpften Plattformen und Funktionen. Mit dem IoT Hub konsolidieren, vereinfachen und bauen wir Barrieren ab. Wir möchten es unseren Kunden leichter machen, den Mehrwert von IoT nutzen zu können. 

Stellen Sie sich eine große Tüte mit Süßigkeiten vor: Der Kunde sucht sich die Bonbons aus, die er haben möchte. Die ihm den Mehrwert bringen, den er sucht. Das ist die Idee des IoT Hubs. Er ermöglicht unseren Kunden, die einzelnen IoT-Komponenten auszuwählen - Konnektivität, Geräte, Sensoren, Cloud und Anwendungen - und in einer einzigen ganzheitlichen Lösung zu verwalten. Die Telekom orchestriert im IoT Hub alle Funktionen und bestehenden Plattformen ihrer Kunden. 

Das klingt sehr offen. Ein neuer Sinneswandel in der Telekom?

Rami Avidan, Geschäftsführer der Deutschen Telekom IoT GmbH.

Rami Avidan rät Unternehmen, die digitale Strategie als festen Bestandteil in die Unternehmensstrategie zu integrieren.

Avidan: Ich glaube, wir haben auf den Sinneswandel aufgesetzt. In den letzten Jahren hat jeder erkannt, dass das Konzept eines Ökosystems der richtige Ansatz für das Internet der Dinge und viele andere Bereiche ist. Die Möglichkeit, mit Partnern zusammenzuarbeiten, um bessere Lösungen für Kunden zu schaffen. Die Möglichkeit, mit Kunden zusammenzuarbeiten, um Lösungen zu optimieren. Um wirklich den Mehrwert zu erreichen, den Kunden suchen. Darum ist unser IoT Hub auch offen für Kunden, Partner, Entwickler und Konkurrenten. Im Grunde können wir alles integrieren, was unsere Kunden und Partner einbinden möchten. Wir werden allerdings nur das integrieren, von dessen Sinnhaftigkeit wir gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern überzeugt sind. Denn das Schlimmste wäre ein IoT Hub mit fünfzig verschiedenen Angeboten, die eigentlich dasselbe tun. Dann wird es wieder komplexer statt einfacher. 

Mit der Gründung der Deutschen Telekom IoT GmbH (kurz: DT IoT) bauen wir zusätzlich Barrieren ab. Wir waren zu komplex in unseren Strukturen, so das Feedback unserer Kunden. Wollte ein Kunde IoT kaufen, dann sprach er mit unterschiedlichen Organisationen und Mitarbeitern. Es gab unterschiedliche Verträge, Preisstrukturen und Service Level Agreements. Als eigenständiges Unternehmen sind mir nun in der Lage, schneller den IoT-Markt zu bedienen. Und haben alles in der DT IoT gebündelt - vom technischen Vertrieb über das Lösungsdesign bis zur Produktion.

IoT ist Strategie, nicht Technologie. Welchen Ratschlag geben Sie Unternehmen?

Avidan: Technisch gesehen können wir heute alles umsetzen, was unsere Kunden wünschen. Hier liegt nicht das Problem. Vielmehr darin, dass Unternehmen ihre digitale Strategie oftmals nicht in die Geschäftsstrategie integriert haben. Wenn Unternehmen mich fragen, was sie tun müssen, um erfolgreich zu digitalisieren, dann gebe ich ihnen diese vier Ratschläge:

  1. Die digitale Strategie muss fester Bestandteil der Unternehmensstrategie sein.
  2. Holen Sie Ihre Führungskräfte an Bord, um gemeinsam die Digitalisierung umzusetzen. Denn die Digitalisierung wird Ihre Organisation und Infrastrukturen verändern – vorübergehend sogar beeinträchtigen. Dinge sind neu zu gestalten.
  3. Betrachten Sie IoT als Investition und nicht als Kostenfaktor. Denken Sie groß, fangen Sie klein an. Beweist sich das Konzept, dann schnell skalieren. Und der CFO sollte ihr bester Freund sein.
  4. Digitalisieren Sie nicht allein. Schaffen Sie ihr eigenes Ökosystem aus vertrauenswürdigen Partnern, Lieferanten und Akteuren

Sie selbst haben zwei Kinder. Lernen Sie von den jüngeren Generationen?

Avidan: Wir können viel von den Jüngeren lernen. Bei meinen kleinen Kindern sehe ich wie wichtig es ist, vom Wissen der Größeren, Erfahrenen zu profitieren und anderen zu helfen. Für mich bedeutet dies: je mehr wir unseren Kunden helfen, desto größeren Mehrwert erzielen sie. Ich sehe auch eine sehr große Veränderung, die die Jugend in unser Verhalten in der Gesellschaft als Ganzes einbringt. 
Ich gehöre noch zu der Generation, die Dinge wie ein Auto besitzen möchten. Die jüngere Generation treibt eine ganz andere Kraft an. Sie setzen auf Car-Sharing und Fahrgemeinschaften. Sie kaufen sich keine Waschmaschine mehr, sondern mieten sie wie einen Service. Diese Entwicklung hat großen Einfluss auf unsere Kunden und wie sie auf dem Markt agieren. Autohersteller treiben Car-Sharing Modelle voran. Die Haushaltsgeräte-Industrie bietet Mietmodelle inklusive Waschmittel an.

Wir Älteren gehen ins Büro. Die neue Generation arbeitet digital und überall mit Laptop und Mobiltelefon. Sie nutzen gerne digitale Möglichkeiten wie Video-Konferenzen. Dies bedingt Veränderungen, wie wir als Unternehmen mit unseren Mitarbeitern umgehen und kommunizieren. Überlassen wir den Mitarbeitern die Entscheidung, wann ein Meeting von Angesicht zu Angesicht dienlich ist. Ziel ist es, mit unserer Zeit klüger umzugehen und als Einzelpersonen produktiver zu sein. Und die Ressourcen des Unternehmens klug einzusetzen, damit wir Mehrwert für unsere Kunden schaffen. Das ist eine sehr große Lernkurve.
 

Die Prioritäten ändern sich. Vieles, was früher Kür war, ist heute Pflicht.

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