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Interview mit Jaron Lanier, Internetpionier, Unternehmer, Schriftsteller und Musiker

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Jaron Lanier

Jaron Lanier, ist das Internet als altruistische Idee gestorben?

Jaron Lanier: Na ja,… ich habe diesen Altruismus vielleicht mit begründet, als ich jünger war. In gewisser Weise spielt er keine Rolle mehr. Das Internet sollte ein Instrument sein, das wir zu verbessern versuchen, wie jede andere Technologie auch, ohne diese Leidenschaft. Genauso wie beim Bau einer besseren Straße oder bei der Verbesserung der Flugsicherung. Ich bedaure diesen Idealismus inzwischen. Ich habe den Eindruck, dass zu viele, die am Internet interessiert sind, es zu stark ideologisieren. Dass sie Ideen haben wie z.B. Open Source o.ä. und diese zum Selbstzweck wird, und sie nicht darüber nachdenken, welche merkwürdigen oder überraschenden Nebeneffekte auftreten können. Der Idealismus verselbständigt sich und verliert in vielen Fällen die Bodenhaftung.

Ist das Internet im Zeitalter der Digitalisierung die Lösung unserer Probleme oder unser Untergang?

Jaron Lanier: Wenn Sie glauben, dass die digitale Technik irgendetwas von alleine macht, täuschen Sie sich. Es wird immer noch alles von Menschen gemacht und nur die Verantwortung des Menschen kann Wirkung zeigen, positive oder negative. Das bedeutet leider, dass diejenigen, die der Technik am stärksten vertrauen, sie am schlechtesten nutzen.

Was ist also die größte Bedrohung: der gierige Mensch oder die intelligente Maschine?

Jaron Lanier: Es gibt keine intelligente Maschine. Das ist eine Fantasie, die genutzt wird, um Menschen zu manipulieren, damit sie sich dann von der Maschine leiten lassen. Die Menschen sind nicht wirklich so gierig. Einige vielleicht. Mein Eindruck ist, dass die derzeitige Unternehmergeneration, die wirklich technikorientiert sind, nicht wirklich an Geld interessiert sind. Ihnen gefällt vielleicht die Macht, die sie in gewisser Weise damit ausüben. Oder sie genießen den sozialen Status, aber es nicht wirklich das Geld. Ich glaube, das Problem besteht vor allem darin, dass wir uns alle - E-Leader und alle anderen ebenso - etwas vormachen. Wir neigen alle dazu, zu glauben, dass die Technik irgendwie etwas für uns tut, obwohl es am Ende um unsere eigene Verantwortung geht und es sehr schwieriger politischer Prozesse und Kompromisse bedarf, um Verbesserungen herbeizuführen.

Welches Gefühl ist stärker: Der Stolz, das alles schon vor 30 Jahren vorhergesagt zu haben? Oder die Sorge über den Weg der Zukunft?

Jaron Lanier: Ich bin immer noch sehr optimistisch, was das große Ganze betrifft. Und ich wünsche mir immer, dass ich falsch liege, wenn ich pessimistisch bin. Deshalb sehe ich keinen Grund, stolz zu sein. Ich meine, ich bin schon einigermaßen stolz darauf, dass die Menschen die virtuelle Realität wieder interessant finden. Das gefällt mir. Dass das wieder Teil unserer Kultur wird. Aber es gibt wenig Grund, stolz zu sein - es liegt noch so viel Arbeit vor uns!

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