Konzern

"Die Nervosität war hoch"

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Wer an die Telekom denkt, kommt an einem Namen kaum vorbei: Ron Sommer. Im Mai 1995 übernahm er den Vorstandsvorsitz – und prägte eine Fahrstuhl-Legende.

Vorstandsvorsitzende Helmut Ricke (links) und Ron Sommer im Mai 1995.

Vorstandsvorsitzende Helmut Ricke (links) und Ron Sommer im Mai 1995.

Während heutzutage Tim Höttges und seine Vorstandskolleg*innen regelmäßig in der Bonner Kantine gesichtet werden (jedenfalls, wenn gerade keine Pandemie herrscht), verhielt es sich zu Ron Sommers Zeiten anders. Der damalige Telekom-Chef gab sich eher distanziert. In Bonn war es zum Beispiel Usus, dass man bloß nicht in den Fahrstuhl stieg, wenn der CEO darin stand. Man munkelte sogar, dass er einen Schlüssel hatte, um zu verhindern, dass der Aufzug zwischendurch anhielt. „Davon wussten wir in den Außenstellen allerdings nichts – und den ominösen Schlüssel hatte er offenbar auch nicht immer dabei“, erinnert sich George-Stephen McKinney, der damals als regionaler Kommunikationsmanager in Eschborn arbeitete. „Und so bin ich, als ich in Bonn einen Kollegen vertreten musste, arglos zugestiegen. Eine schweigsame Fahrt über vier Stockwerke kann sich ganz schön lang anfühlen“, erzählt er.

Star-Allüren? Vielleicht. Doch Ron Sommer galt auch als „Wunderkind“: Mit 21 Jahren hatte er in Wien in Mathematik promoviert und machte danach bei Nixdorf und Sony Karriere. Und als er mit 45 Jahren am 16.5.1995 den Chefsessel der Telekom übernahm, wurde er zu einer Art Branchenstar. Unter seiner Führung ging die ehemalige Behörde an die Börse und investierte das daraus gewonnene Kapital in internationale Beteiligungen. „Der Visionär“ nannte Tim Höttges seinen Vorgänger Anfang des Jahres beim Telekom Management Team Meeting. Sommer war es auch, der im Jahr 2000 den VoiceStream-Deal über die Bühne brachte; den Grundstein für die heutige T-Mobile US. Der teure Deal brachte ihm viel Kritik ein – und die Verschuldungssituation und der sinkende Aktienkurs waren mit die Gründe dafür, weshalb er 2002 zurücktreten musste.

Bis dahin hatte er innerhalb der Belegschaft immer mal wieder für Aufregung gesorgt: Nämlich dann, wenn einer seiner Besuche in den Niederlassungen anstand. Da wurden die Schreibtische aufgeräumt und der Boden gewienert. Handverlesene Teammitglieder wurden dazu auserkoren, am Arbeitsplatz Rede und Antwort zu stehen oder bei der anschließenden Gesprächsrunde mit dem Chef ein Schnittchen zu essen. „Die Nervosität war hoch, und die Sorge, dass jemand etwas Unpassendes sagt, auch. Allerdings galt das aus meiner Sicht für die Nachfolger und Spartenvorstände genauso. Als zum Beispiel Tim Höttges später als T-Com Chef im Servicecenter in Eschborn vorbeischaute, sah das nicht unbedingt anders aus“, resümiert George McKinney. Ein Phänomen, das dann offenbar doch weniger mit der Person an sich als mit ihrer Funktion zusammenhängt.

Auf der Hauptversammlung gibt der damalige Telekom Vorstandsvorsitzende Ron Sommer Autogramme.

Hauptversammlung mit Autogrammstunde

Was haben die Frankfurter Messehalle, knapp 10.000 Personen und eine Tonne Kartoffelsalat gemeinsam? Sie waren Teil der ersten Publikums-Hauptversammlung der Telekom 1997.

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