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Einfach erklärt: Netzwerk-Disaggregation

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Telekommunikation im Umbruch: Die Netze der Zukunft sind offen für Software-Partner, intelligenter und stellen sich flexibel auf neue Anforderungen ein. Lesen Sie hier auch, was „Access 4.0“ und „Open RAN“ damit zu tun haben.

Ei, Trennung

Netzwerk Disaggregation, Trennung von Hard- und Software im Netz - das klingt sperrig. Der augenzwinkernde Vergleich mit einem österlichen Brauch hilft: Ein Ei wird in die Bestandteile getrennt, um diese kreativer zu verwenden, etwa für Osterschmuck und -kuchen.

Die Netze wandeln sich. Bislang waren sie geschlossene Systeme voller so genannter „Black Boxes“. Aus Sicht der Netzbetreiber heißen so die intransparenten Bauteile aus Hard- und Software, über die sie ihre Netze steuern. Netzwerkausrüster bauten diese Black Boxes nach den Vorgaben der Betreiber ein. Solche Komponenten haben ihren Dienst zuverlässig verrichtet. Doch: Die Datenmengen wachsen, innovative Anwendungen schießen wie Pilze aus dem Boden. Netze müssen intelligenter werden, auch flexibler, um sich darauf einzustellen – und skalierbar, damit sie also schnell im großen Stil neue Anforderungen bewältigen. Schließlich müssen sie die regelmäßigen Signale von Milliarden Sensoren ebenso zuverlässig verarbeiten und übertragen wie Streamingdienste, blitzschnelle Roboterbewegungen, Impulse automatisch gesteuerter Fahrzeuge oder rasante Computerspiele. Die Black Boxes in den Steuerungszentralen der Netze passen nicht dazu. Sie sind nicht fit für die Zukunft. Die Netzbetreiber können nicht einfach darauf zugreifen, sind von einzelnen Lieferanten abhängig und davon, wie schnell diese neue Anforderungen umsetzen. Sie ändern ihre „Black Boxes“ nur mit Vorlauf und hohem Abstimmungs-Aufwand. 

Adé, alte Spielregeln

Die alten Spielregeln ändern sich jetzt. Das Schlagwort heißt „Netzwerk Disaggregation“. Das Netz wird nun nicht komplett in kleinste Teile zerlegt, wie es der Begriff vermuten ließe. Im Fokus stehen Hardware und wesentliche Software-Komponenten. Diese gilt es voneinander zu trennen, um aus dem Black-Boxes-Modell auszubrechen. Weg von einzelnen, hin zu vielen unterschiedlichen Lieferanten. Beispiel Festnetz: Netzbetreiber-eigene, herkömmliche Standard-Hardware und so genannte „Open Source Software“ ersetzen die Black Boxes. Über diese offene Software klinken sich neue Partner flexibel ein und spielen ihre Entwicklungen auf. Bei der Telekom bezeichnet der Fachbegriff „Access 4.0“ diesen Weg des Festnetzes in die Zukunft. 

Das Pendant im Mobilfunk heißt Open RAN (Radio Access Network) oder auch O-RAN. Das Radio Access Network ist das drahtlose Zugangsnetz. Es verbindet die mobilen Geräte der Kunden mit dem so genannten Kernnetz. Auch hier sollen Disaggregation – die Trennung von Hardware und einzelnen Software-Komponenten sowie offengelegte technische Schnittstellen zwischen diesen - über neue Partner und Programmierungen zu mehr Netzintelligenz und -leistung führen. Ziel ist ein herstellerübergreifendes RAN, das auch schnell und einfach mit anderen Netzen zusammenspielt. Zusammengeschlossen in der O-RAN-Allianz, gehen Netzbetreiber und Lieferanten gemeinsam diese Vision an. Die Telekom gehört zu den Gründungsmitgliedern dieser Allianz. 

Da die Grundidee von Disaggregation im Festnetz und Mobilfunk exakt dieselbe ist, können damit perspektivisch noch weitere Vorteile erzielt werden. Die Techniker nutzen ähnliche Bauteile und setzen auf dieselbe Netztopologie der Telekom auf. In der sogenannten „Fixed-Mobile-Convergence“ werden auf diese Weise weitere Synergien realisiert.

Kurzum: Die Karten werden neu gemischt. Die Betreiber verabschieden sich von starren Beziehungen zu wenigen sehr großen Lieferanten. Die offene Software sorgt für mehr Software-Partner und schnellere Lösungen. Der Wettbewerb unter den Zulieferern steigt und erspart den Netzbetreibern Investitionskosten. Darüber hinaus sinken die Betriebskosten, da jeder das Netz für schlanke, hochautomatisierte Abläufe optimieren kann. Alles zusammen eine wichtige Zutat auch im Erfolgsrezept von 5G.

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