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René Bresgen

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Mit YouTuber LeFloid gegen Hass im Netz

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Hasskommentare gehören im Netz zum Alltag. Das muss sich ändern, fordert LeFloid. Der bekannte YouTuber erklärt im Interview, warum er sich gemeinsam mit der Telekom für ein Netz ohne Hass engagiert.

Hass und Hetze in unserer Gesellschaft nehmen zu, oft über das Internet. Warum ist Dir das Thema so wichtig?

LeFloid

Hasskommentare gehören im Netz zum Alltag. Das muss sich ändern, fordert der YouTuber LeFloid. (© 2nd Wave)

LeFloid: Wenn die Sprache verroht, dann verroht auch die Gesellschaft. Erst werden nur einzelne verunglimpft und beleidigt – aber dann dauert es nicht mehr lang und die Leute hauen sich auf der Straße gegenseitig auf den Kopf, weil das Gegenüber ohnehin nichts wert ist und demnach auch nicht mit Respekt behandelt werden muss. Durch verrohte Sprache leidet vor allem unser Mitgefühl und dadurch unsere moralischen Maßstäbe. Und das alles passiert mit einer tückischen und fast schon allmählichen Beiläufigkeit, in der sich verrohte Sprache immer mehr als neue Normalität etabliert. 

Ich finde es zum Beispiel richtig schlimm, dass es Begriffe wie "Flüchtlingswelle" überhaupt in den täglichen Sprachgebrauch geschafft haben, weil es sich dabei um Framing handelt: Durch solche Metaphern findet bereits eine Vorverurteilung statt und die negative Wahrnehmung wird verstärkt. Denn bei "Flüchtlingswelle" sollen ja sofort Assoziationen zu "Tsunami" geweckt werden. Dass es bereits Normalität zu sein scheint, notleidende Menschen damit in Einklang setzen zu wollen, das frustriert mich nach wie vor enorm. Selbst etablierte Medien spielen dieses Spiel auch zu oft mit, und zwar in nahezu allen Bereichen. 

Durch Framing werden Bedeutungen manipuliert und die Grenzen für moralisch Vertretbares immer weiter verschoben. Hasskommentare sind da leider die logische Konsequenz von dieser moralischen Verrohung. Man muss dazu nicht mal in der Öffentlichkeit stehen, um mit Beleidigungen und Aussagen konfrontiert zu werden, die vor ein paar Jahren noch für Gerichtsverfahren gesorgt hätten. Inzwischen normalisiert sich das immer mehr – für ein "Wehret den Anfängen" ist es also bereits zu spät. Aber es ist nie zu spät, um sich dagegen zu wehren, dass die Grenzen des Sagbaren – und schlussendlich auch des Machbaren – immer weiter verrückt werden. 

Neurowissenschaftler haben bereits bewiesen, dass Opfer von Hasskommentaren ebenso reagieren wie auf körperliche Attacken: Unser Nervensystem schüttet dabei dieselben Schmerzbetäubungsstoffe aus. Man spricht ja immer vom "Schlag in die Magengrube". Das ist leider mehr als ein Sprichwort, sondern ein neurologischer Fakt. Hate Speech ist deshalb nicht nur eine Gefahr für unser gemeinsames Miteinander, sondern auch für das körperliche und geistige Wohlbefinden jedes Einzelnen.

Aktuell beschimpfst Du in einem Post eine Person als „behinderten, mongoloiden, zurückgebliebenen Spast“. Erst später löst Du diese verstörende Aussage als provokante Aktion gegen Hass im Netz auf und verweist zudem auf das Engagement der Telekom. Muss man heute bis an die Schmerzgrenze gehen, um da draußen Gehör zu finden?

LeFloid: Aktuell handelt es sich dabei um die Schmerzgrenze. Aber wenn sich die Grenzen immer weiter nach hinten verschieben, dann könnten solche Aussagen in naher Zukunft bereits nicht mehr die Grenze darstellen. Deshalb ist es uns bei unserer Aufklärungsarbeit wichtig, diese Grenzverletzungen deutlich zu zeigen. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass sich am anderen Ende immer eine Person befindet, die von Worten wie von Waffen getroffen wird. Das, was wir da zeigen, ist das, was passieren würde, wenn wir uns Hasskommentaren und der Verrohung der Sprache nicht entschieden in den Weg stellen. 

Im Video: Provokante Aktion gegen Hass im Netz: LeFloid klärt auf!

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Unsere Sprache wird aggressiver. Hate Speech, Shitstorms und Mobbing vergiften das Miteinander im realen Leben und im digitalen Raum. Was muss sich ändern, damit wir wieder fairer miteinander umgehen?

LeFloid: Wer schreiben kann, der kann sich auch gegen Hate Speech wehren. Jede*r kann Kommentare und Postings melden und sich im eigenen Umfeld ganz klar gegen Hate Speech und Mobbing positionieren. Denn das ist extrem wichtig: Hass und Menschenverachtung darf nicht unwidersprochen bleiben, sondern wir alle müssen Stellung dazu beziehen. Dabei dürfen wir Hass nicht mit Hass bekämpfen, weil das die Fronten nur noch weiter verhärtet. Stattdessen müssen wir mit konstruktiven Argumenten, neuen Perspektiven und Humor dafür sorgen, dass die große Mehrheit der stillen Mitlesenden nicht einfach mit den Hasskommentaren allein gelassen werden. Wir müssen Widersprüche aufdecken und Empathie wecken. Wenn wir uns einmischen und mit Betroffenen solidarisieren, dann stärken wir die Demokratie und schützen gleichzeitig auch die Menschenrechte. Das ist natürlich anstrengend und oft auch zermürbend, deshalb sollte man auch nicht endlos diskutieren. 

Studien haben gezeigt, dass jemand nach vier Argumenten überzeugt ist – oder eben nicht. Deshalb müssen wir uns immer bewusst machen, dass wir Menschen, die Hasskommentare im Netz verbreiten, nicht zwangsläufig "retten" können. Es geht in erster Linie wirklich um die Leute, die einfach nur mitlesen und die dürfen nicht den Eindruck bekommen, dass diese Hasskommentare das einzige sind, was existiert. Denn das trägt enorm zur Normalisierung dieser Aussagen bei. Und egal, wie schwer es fällt: sachlich bleiben. Natürlich ist es immer äußerst verlockend, ironisch zu reagieren, was aber häufig falsch oder gar nicht verstanden wird. Außerdem muss Betroffenen auch von staatlicher Seite besser geholfen werden, da fühlen sich viele Opfer oft noch im Stich gelassen. 

Wovon ich aber gar nichts halte, sind aktionistische Forderungen wie beispielsweise eine Klarnamenpflicht. Dadurch wird nicht der Hass im Netz vertrieben, sondern unsere Freiheit. Wer sich anschaut, wie viele Hasskommentare bereits unter Klarnamen veröffentlicht werden, sieht auch sofort, dass das wahre Problem darin besteht, dass die Grenzen des Sagbaren schon so weit verschoben sind.

Wie gehst Du persönlich mit Hate Speech auf deinen eigenen Kanälen um – und wie kann man sich (als Betroffener) bestmöglich zur Wehr setzen?

LeFloid: Auf meinen Kanälen darf mich jeder besuchen und ich freue mich über jeden Besucher. Aber wenn jemand keinen Bock hat, sich mit den anderen Besuchern oder mir respektvoll auseinanderzusetzen, dann ist für diese Person kein Platz bei mir. Wir müssen nicht immer die gleiche Meinung haben und ich freue mich immer, wenn es zu konstruktiven Diskussionen kommt. Aber wer denkt, dass Hass und menschenfeindliche Kommentare ein angemessener Tonfall sind, der fliegt. Das ziehe ich auch konsequent durch und kann das generell allen Betroffenen empfehlen: Sobald eure konstruktiven Argumente auf taube Ohren stoßen oder die Tonalität von Anfang an völlig vergiftet ist, dann solltet ihr blockieren oder euch in besonders gravierenden Fällen auch an die Polizei wenden. 

Und weil sehr oft diese zu kurz gedachte Argumentation mit “Meinungsfreiheit” und “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen” kommt: Meinungsfreiheit darf nie als Waffe gegen Schwächere eingesetzt werden und bedeutet außerdem auch, dass ich mir nicht jeden Mist reinziehen muss. Denn bloß, weil Meinungsfreiheit so ein wertvolles Gut für unsere Demokratie ist, ist es ein totaler Trugschluss, daraus abzuleiten, dass auch jede Meinung wertvoll ist.

Über LeFloid
LeFloid wurde 1987 in Berlin geboren und studierte Psychologie an der Berliner Humboldt-Universität. Sein YouTube-Kanal LeFloid ist einer der meistabonnierten YouTube-Kanäle Deutschlands. Dort kommentiert er aktuelle Themen, Schlagzeilen und Nachrichten aus den Medien. Er wurde bereits mit dem Deutschen Webvideopreis, der 1Live Krone und dem Publikumspreis des Grimme Online Awards ausgezeichnet.

Lena

Gegen Hass im Netz

Die Telekom kämpft für ein Netz ohne Hass, in dem alle respektvoll miteinander umgehen.

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