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Nadja Kirchhof

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Tag der Zivilcourage: Vorbilder für digitales Engagement

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Am 19. September ist Tag der Zivilcourage. Bundesweit rufen Vereine dazu auf, gegen Unrecht einzustehen – sowohl auf der Straße als auch digital. Von einer Facebook-Gruppe gegen Hatespeech, über ein Urteil beim Bundesverfassungsgericht, bis hin zu einem Mensch-Maschine-Projekt gegen Fake News zeigen wir Beispiele digitaler Zivilcourage, die wichtige Weichen gegen Hass im Netz gestellt haben.

Zwei junge Leute schauen auf einen Laptop.

Die Stimme erheben, Haltung zeigen - und dem Hass Grenzen aufzeigen! Die Telekom kämpft gemeinsam mit zahlreichen Partnern und Initiativen gegen Hass im Netz. © Deutsche Telekom

In Artikel 1 des Grundgesetzes steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Mit anderen Worten: Jeder Mensch ist wertvoll. Dennoch sind Beleidigungen oder Diskriminierung im Internet Alltag. Betroffene und Unbeteiligte fühlen sich oft machtlos. Was soll man Hasskommentaren entgegenbringen? Unsere Antwort: Digitale Zivilcourage! Die Stimme erheben, auch – oder gerade – wenn alle anderen schweigen. Online Stellung beziehen. Für sich, für andere und für unsere Gesellschaft. Denn wenn Hass und Hetze ungehindert wirken, können sie Menschen und ganze Diskurse zum Verstummen bringen. Aus Meinungsvielfalt wird dann Meinungseinheit. Dem können wir alle uns entgegenstellen. Indem wir dem Hass Grenzen aufzeigen und uns mit Betroffenen solidarisieren. Warum digitale Zivilcourage elementar für unsere demokratische Gesellschaft ist und wie sie Veränderungen vorantreiben kann, zeigen folgende Beispiele.

Mit einem Hashtag gemeinsam gegen Hatespeech

Lauter sein als der Hass. Darum geht es bei ichbinhier e.V. Der Verein sowie die gleichnamige Facebook-Gruppe #ichbinhier bieten seit 2016 Hatespeech die Stirn. Die Idee ist es, eine gute Debattenkultur zu fördern, mit Konstruktivität, Wertschätzung und vielen Stimmen. Gegründet wurde die Initiative nach dem schwedischen Vorbild #jagärhär. Auf deutsch: Ich bin hier. Dem Ruf der größten Counterspeech-Initiative Deutschlands sind knapp 42.000 Menschen gefolgt. Gemeinsam haben sie in der Facebook-Gruppe #ichbinhier auf über 2.000 Kommentarspalten positiv eingewirkt. Die praktischen Erfahrungen gibt der Verein in Workshops und Vorträgen weiter.

Renate Künast schreibt digitale Rechtsgeschichte

Einen positiven Einfluss nahm auch Renate Künast. Und zwar auf das gesamte Rechtssystem. 2019 griff ein Facebook-User einen Kommentar der Politikerin aus einer Pädophilie-Debatte im Jahr 1986 auf. Es folgten zahlreiche Hasskommentare. Renate Künast zog daraufhin mit einer Liste von 22 Beiträgen vor Gericht. Das Landgericht Berlin hielt die Kommentare für zulässig. Künast legte Beschwerde ein. In der nächsten Instanz korrigierte das Berliner Kammergericht das Urteil. Dennoch wurden zehn Kommentare nicht als beleidigend eingestuft. Die Politikerin wandte sich an das Bundesverfassungsgericht. Im Februar 2022 gaben ihr die Karlsruher Richter Recht. Der Tenor: Politiker*innen müssen sich Beleidigungen in sozialen Medien nicht gefallen lassen. Mit ihrem Einsatz erzielte Renate Künast einen großen Sieg gegen Hass im Netz. Erlaubte Meinungsäußerung gegenüber Personen des öffentlichen Lebens wurde in der richterlichen Würdigung zu strafbarem Hass. Ein starkes Signal für die Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen.

noFake: Mensch und Maschine gegen Desinformationen

Fake News werden oft genutzt, den Hass gegen ganze Gruppen von Menschen zu schüren. Das Recherchezentrum CORRECTIV geht dagegen mit Faktenchecks vor. Ende 2021 hat CORRECTIV mit Wissenschaftler*innen der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund „noFake“ gestartet. Das Forschungsprojekt kombiniert Künstliche Intelligenz (KI) mit Crowdsourcing, also freiwilligen Helfer*innen, um gegen Desinformationen vorzugehen. Die KI übernimmt zeitaufwendige und sich wiederholende Arbeitsschritte, wie die Erkennung von bereits geprüften Behauptungen oder automatisiertes Finden und Sortieren relevanter Quellen. Die Entscheidung, ob ein Fakt oder ein Fake vorliegt, liegt bei den freiwilligen User*innen. Gemeinsam sollen Mensch und Maschine so das Internet zum Fake-freien Raum machen. 

Möglichkeiten von Zivilcourage im digitalen Raum

Die Beispiele zeigen: Haltung zu zeigen, kann Debatten aus- und Strukturen auflösen. Manchmal reicht schon ein Like, um etwas zu bewegen. Immer lohnt sich der Einsatz gegen Hass und für eine demokratische Gesellschaft. Im Zweifel auch vor mehreren Instanzen oder mit Unterstützung verfügbarer Technologien.

Hinschauen, Unrecht nicht abtun, Menschenrechte verteidigen – das ist der Kern von Zivilcourage. Hierzu können wir alle einen Beitrag leisten. Im Großen, als Teil einer Bewegung, wie im Kleinen, mit einem Kommentar oder einer Quellenrecherche. Also seid mit uns gemeinsam gegen Hass im Netz. Am Tag der Zivilcourage. Aber auch die restlichen 364 Tage im Jahr.

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Gegen Hass im Netz

Die Telekom kämpft für ein Netz ohne Hass, in dem alle respektvoll miteinander umgehen.

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