Konzern

Albert Hold

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Was bedeutet Resilienz für Unternehmen?

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Spätestens seit den Zeiten der Pandemie sprechen Unternehmen von Resilienz. Der Begriff stammt aus der Psychologie und tauchte erstmals in den 1950er Jahren auf. Gemeint ist damit der Prozess, wie Menschen ihr Verhalten ändern, um neue Herausforderung zu meistern. Das Konzept der psychischen Widerstandskraft hat seitdem immer mehr Bereiche erfasst. In der Energiewirtschaft steht es für Ausfallsicherheit. Bei Ökosystemen geht es darum, nach einer Störung zum Ausgangszustand zurückzukehren: wie etwa ein Baum, der Sturm und Hagel trotzt. In der Soziologie ist es die Fähigkeit von Gesellschaften, externe Störungen zu verkraften.

Und genau darum geht es auch, wenn von Resilienz im Unternehmen die Rede ist: Es ist die Anpassung der Wirtschaft auf veränderte Rahmenbedingen aus Politik, Gesellschaft und der Wirtschaft selbst. Am besten reagieren Unternehmen, wenn sie mögliche Krisen im Vorfeld erkennen und sich darauf vorbereiten. Zur Resilienz gehört, dass Krisen ein Unternehmen weniger stark treffen und dass sich das Unternehmen schnell erholt. Doch nicht alle Veränderungen sind vorhersehbar: Die Pandemie hat die Weltwirtschaft völlig unvorbereitet getroffen und viele Schwachstellen offenbart.

Ein Baum trotzt den Unbilden der Natur.

Resilienz: Bei Ökosystemen geht es darum, nach einer Störung zum Ausgangszustand zurückzukehren – wie etwa ein Baum, der Sturm und Hagel trotzt.

Grenzen der Globalisierung

Vor der Pandemie war die Weltwirtschaft perfekt organisiert und synchronisiert: Einzelne Arbeitsschritte finden dort statt, wo die Kosten am niedrigsten sind. Ein weißes T-Shirt reist durch fünf Länder bevor es nach etwa 35.000 Kilometern Deutschland erreicht. Die Logistikkosten spielen keine Rolle. Einzelne Komponenten liefern wenige spezialisierte Hersteller aus wenigen Ländern. Denn die Fixkosten etwa pro Computer-Chip sinken mit steigenden Stückzahlen. Doch die Pandemie hat die Produktion gelähmt. Die Lieferketten reißen. Zeitweise warten 130 Schiffe vor dem viertgrößten Container-Hafen der Welt in Shenzhen-Yantian. Das entspricht fast zwei Millionen Containern.
Auch am Ende der Pandemie läuft die Weltwirtschaft nur langsam an. Der Hunger nach Halbleitern ist enorm. Die Computer-Chips kommen größtenteils aus Taiwan und den USA. Doch Corona und Naturkatastrophen erschweren die Produktion: In Taiwan ist es eine Dürre, in den USA eine Kältewelle. Peugeot verbaut im Modell 308 seit Mai 2021 analoge Instrumente, weil die digitalen Tachos fehlen. Die Automobilindustrie wird 2021 fast vier Millionen Autos weniger verkaufen, weil Halbleiter Mangelware sind. Bosch hat 2017 beschlossen eine Chip-Fabrik in Dresden zu bauen. Im Juni hat die Bundeskanzlerin sie eröffnet, im September soll die Produktion starten. Dies ist ein Beispiel für Resilienz: Mehr Produktionsstandorte, kürzere Frachtwege und weniger Abhängigkeit von der Geopolitik. 

Das Homeoffice wird zum neuen Normal   

Die Pandemie hat noch etwas offenbart: Digitalisierung leistet einen wichtigen Beitrag zur Resilienz. Daten reisen in Sekundenschnelle um die Welt und sind von Corona nicht betroffen. Mit jedem Internetanschluss zu Hause wird der Wohnort zum zweiten Arbeitsplatz – wenn die Infrastruktur stimmt. Gut gewappnet waren in der Krise Mitarbeiter, die über einen Laptop verfügen und die Software aus der Cloud beziehen. Videokonferenz-Software verhalf zu einem Mindestmaß an sozialen Kontakten. Virtuelle Veranstaltungen konnten Kongresse und Messen wenigstens zu einem Teil ersetzen. Die Büroarbeit hat sich in der Pandemie verändert und ein Zurück zur alten Normalität wird es nicht geben. Vor der Pandemie haben in Deutschland zwölf Prozent der Beschäftigten mindestens einmal pro Woche im Homeoffice gearbeitet, im Frühsommer 2020 waren es rund 50 Prozent.

Lieferketten werden robuster 

Auch wenn Frachtwege sich nach der Pandemie nach und nach wieder etablieren –Produktion just-in-time wird mit sinkender Fertigungstiefe immer kritischer. Digitalisierte Logistikketten sind daher ein wichtiger Beitrag zur Resilienz. Seat baut im Werk bei Barcelona aus 16 Millionen Einzelteilen 2.300 Autos pro Tag. Die Teile kommen aus dem Konzernverbund aus ganz Europa. Große Staus auf der Autobahn können die Produktion ins Stocken bringen. Wissen Logistiker im Voraus, welche Verzögerungen zu erwarten sind, können sie rechtzeitig gegensteuern. Anderes Beispiel: Künstliche Intelligenz prognostiziert Ankunftszeiten von Frachtschiffen genauer. Dabei helfen nicht nur die Daten der Schiffe, sondern auch Wetterdaten und Informationen von Häfen und Kanälen. Damit fällt die Entscheidung leichter, ob sich der Weg um Afrika herum zeitlich lohnt, wenn der Suez-Kanal blockiert ist.    

Sicherheit ist Teil der Resilienz

Die Digitalisierung beschleunigt Prozesse, macht Abläufe flexibler und senkt Kosten. Sie vergrößert aber auch die Angriffsfläche. Deshalb gehört zur Resilienz auch immer ein Sicherheitskonzept für das Digitale. In der Pandemie stiegen die Angriffe auf persönliche Daten per Phishing um elf Prozent, Angriffe mit Erpressungssoftware um sechs. In Corona-Zeiten blieben Ladenregale leer, weil Produktion und Logistik stockten – beim hessischen Lebensmittelhändler Tegut aber auch wegen eines Hackerangriffs. Und dies ist symptomatisch: Je digitaler die Welt wird, desto mehr müssen Unternehmen auch in Sicherheit investieren und ihre Systeme widerstandsfähig machen.  
 

Symbolfoto Transport und Logistik

Transport und Logistik

Die Transport- und Logistikbranche profitiert von der Digitalisierung und treibt sie voran.

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