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Interview: Social Media im Katastrophenschutz

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Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, ist froh, dass es Social Media gibt. Wir haben mit ihm über neue Kommunikationskanäle gesprochen und über die Herausforderung einer vertrauensvollen Kommunikation.

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Für die allermeisten Menschen ist ein geregelter Alltag, ein vorhersehbarer Alltag der Normalfall. Herr Unger, Sie als Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe beschäftigen sich mit dem Gegenteil, dem Unvorhersehbaren, mit großen Problemlagen und dem Katastrophenszenario. Was bedeutet das denn als Herausforderung für die Kommunikation?

Christoph Unger: Also, eine zentrale Aufgabe in gerade solchen Katastrophensituationen, in nationalen Schadensereignissen, ist natürlich die Kommunikation. Aber nicht erst dann, sondern das muss gut vorbereitet sein, damit es dann im Ernstfall auch gut funktioniert.

Der klassische Katastrophenfall in Deutschland ist ja das Hochwasser. Wenn Sie die Jahrhunderthochwasser aus den 90er-Jahren vergleichen mit den Hochwassern der jüngeren Zeit - hat sich durch die Verbreitung der Smartphones irgendetwas hinsichtlich der Kommunikation geändert?

Christoph Unger: Ja, das ist ganz offensichtlich. Wie im gesellschaftlichen Leben insgesamt spielen natürlich moderne Kommunikationsmittel - Social Media, Smartphones - heute eine Rolle, sowohl als Instrument der Bewältigung einer solchen Lage, aber auch als besondere Herausforderung, weil natürlich jeder und jede mit einem Smartphone ausgestattet ist und sehr viel an Informationen verbreitet wird, manchmal eben auch nicht nur positive.

Sie haben gerade schon Social Media angesprochen. Nun verläuft so eine Katastrophe ja in klassischen Zyklen. Gibt es bestimmte Zyklen, in denen Social Media für den Bevölkerungsschutz besonders wichtig sein kann?

Christoph Unger: Nein, in allen Phasen. Auch jetzt nutzen wir bestimmte Kanäle, um Informationen zu verbreiten, Handlungsempfehlungen zu geben. Weil, wenn es dann wirklich eng wird, ist es zeitlich natürlich auch ein Riesenproblem. Also, es ist ganz wichtig, sehr früh diese Kanäle zu nutzen, auch um Vertrauen zu wecken als Behörde, die versucht, über diese neuen Kommunikationswege Handlungsempfehlungen zu verbreiten.

Jetzt ist es ja wichtig, dass die Informationen der Behörden jeden erreichen, auch die Mitmenschen, die vielleicht schlecht oder gar nicht lesen oder hören können. Kann das Smartphone Ihnen da helfen?

Christoph Unger: Für uns ist gerade im Bereich der Warnung der Bevölkerung in Katastrophenlagen ein Mix von Kommunikationswegen wichtig. Smartphones sind ein neues, ein hervorragendes Mittel, um Warnungen zu verbreiten, Informationen, Empfehlungen zu geben. Aber wir brauchen natürlich alle Möglichkeiten, von der Sirene angefangen, über Rundfunk und Fernsehen bis hin zum Smartphone. Wir sind froh, dass es mit der modernen Technologie möglich ist, über Smartphones zum Beispiel konkrete Informationen zu geben. Das ist besser als das, was wir mit einer Sirene machen können.

Sie sprechen gerade die Sirene an. Das kennt man ja als klassisches Informationsmittel. Jetzt haben Sie mit Social Media durch Smartphones auch eine Art Rückkanal. Nutzen Sie das auch in irgendeiner Art und Weise? Hilft Ihnen das weiter?

Christoph Unger: Wir nutzen das vor allen Dingen in der Phase vor einer Katastrophenlage, um uns auszutauschen, zu diskutieren, weil wir gerade aus der Community der Bevölkerungsschützer viele Hinweise, Empfehlungen, Tipps bekommen. Ich glaube, dass in einer Katastrophenlage es wichtig ist, den Menschen eine Führung zu geben. Insofern ist für uns in der Situation immer noch der eine Weg in Richtung der Bevölkerung der wichtige. Aber natürlich werten wir auch über andere Wege das, was sich im Bereich der Community ergibt, entwickelt aus. Es gibt zahlreiche Programme, um tatsächlich - wie wir das bei Sandy in den Vereinigten Staaten gesehen haben - Erkenntnisse aus dem Netz, aus den sozialen Netzwerken, zu sammeln, Informationen zu generieren und damit eine bessere Lagebeurteilung hinzubekommen.

Und dann zum Schluss noch gefragt: Wie würde Ihr persönliches Wunschbild für die perfekte Kommunikation im Katastrophenfall aussehen?

Christoph Unger: Die gibt es nicht. Wir werden immer am Anfang eine Chaos-Phase haben. Wichtig ist in der Tat, dass wir vor einer solchen Lage sichere, vertrauenswürdige Kanäle entwickelt haben, die uns sehr schnell in einer solchen schwierigen Situation dann helfen, mit den Menschen in Verbindung zu treten, der Bevölkerung zu helfen, sie zu unterstützen, ihnen im wahrsten Sinne des Wortes den richtigen Weg zu zeigen.

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