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Künstliches Gedankenspiel

Im Oktober 2015 schlägt die künstliche Intelligenz (KI) AlphaGo, entwickelt von Googles DeepMind, den europäischen Go-Champion Fan Hui. Fünf zu null für die KI, Flawless, ohne Handicap. Bis dahin galt das 2.500 Jahre alte, asiatische Brettspiel als letzte menschliche Bastion gegenüber KIs. In den Jahren zuvor besiegten sie fortlaufend menschliche Meisterspieler. Ob Dame, Schach aber auch Jeopardy, Computer steigerten sich stetig. Mit dem Sieg gegen Fan Hui ist ein Meilenstein in der Entwicklung künstlicher Intelligenz gelungen. Um das Können der AlphaGo-KI zu beweisen, ist zwischen dem 9. und 15. März 2016 ein Spiel gegen den amtierenden Go-Weltmeister Lee Sedol in Seoul angesetzt. Das Spiel wird live auf YouTube übertragen.

Mehr als um die Tatsache, dass AlphaGo den Spieler geschlagen hat, geht es in diesem Fall aber um das "Wie". Beim Sieg von IBMs Deep Blue gegen den Schachweltmeister Garri Kasparow 1996 kam enorme Rechenleistung zum Einsatz. Die Methode dahinter nennt sich Brute Force, zu Deutsch rohe Gewalt. Letztlich wird hier jede mögliche Position durch Ausprobieren berechnet. Kasparow schreibt dazu, "im Gegensatz zu einem Computer, der denkt und Schach spielt wie ein Mensch, mit menschlicher Kreativität und Intuition, haben sie (die Entwickler, Anm.d.R.) einen, der spielte wie eine Maschine. Der systematisch 200 Millionen mögliche Züge auf einem Schachbrett pro Sekunde evaluiert und mit roher, nummernzermalmender Gewalt gewinnt."

An einem Scheideweg
Aber das Spiel Go ist etwas anderes. Denn die Möglichkeiten der Spielzüge übersteigen die Anzahl der Atome im Universum. Zum Vergleich: Beim Schach sind es 35 Möglichkeiten, bei Go 250. Um plausible Züge bestimmen und diese bewerten zu können, trainierte AlphaGo zunächst mit 30 Millionen Zügen menschlicher Spieler. Dann trainierte sie (die KI) gegen sich selbst weiter. Und wurde so immer besser. Das nennt sich Deep Learning. Der Computer, die Netzwerke bringen sich selbst das Spiel bei. Sie lernen. Diese Methode wird auch an anderen Stellen verwendet. Bei Facebook hilft es, Gesichter in Fotos zu erkennen, Microsoft bietet eine Skype Direkt-Übersetzung an, die darauf basiert. Bei Google hat sich der Algorithmus beispielsweise selbst beigebracht, wie eine Katze aussieht. Und in AneedA, einer künstlichen Intelligenz in der Dial, die kürzlich im Zuge des Mobile World Congress 2016 von i.am+ gezeigt wurde, steckt ebenfalls eine intelligente und kontextbasierte Software.

Deep Learning ist in unserer Welt präsent und existiert nicht nur für das Spiel Go. Sollte uns das Sorgen bereiten? Obwohl die Tech-Giganten die Codes öffentlich gemacht haben, gibt es Menschen die Bedenken haben. So gründete der Tesla Geschäftsführer Elon Musk zusammen mit anderen Größen aus dem Bereich technologischer Forschung die gemeinnützige Organisation OpenAI. Sie haben das Ziel, die Forschung im Feld der künstlichen Intelligenz in der Öffentlichkeit zu halten. "Ich will ein tiefes Verständnis davon bekommen, wo wir uns in Sachen KI befinden und ob etwas gefährliches passieren könnte", sagte Musk zur Gründung von OpenAI. Er, wie auch Microsoft Gründer Bill Gates oder Physiker Stephen Hawking, sehen in künstlicher Intelligenz immerhin die Möglichkeit einer existenziellen Bedrohung. "Wir befinden uns an einem Scheideweg. Jetzt kommt es darauf an den richtigen Weg zu wählen", sagt auch unser Experte Dirk Helbing in seinem Gastbeitrag.

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