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Verena Fulde

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Museumstalk: In zehn Jahren fahren Autos autonom

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Das autonome Fahren wird bereits in einigen Jahren Realität sein. In dem Punkt waren sich die vier Podiumsteilnehmer des ersten Museumstalks der Reihe „Digitale Verantwortung“ im Deutschen Museum Bonn einig.

Bei der ausgebuchten Auftaktveranstaltung drehte sich alles um das vernetzte und autonome Auto. Dabei brachte Prof. Dr. Cyrill Stachniss von der Uni Bonn eine „Zwischentechnologie“ ins Gespräch. Er hatte mit seinen Studenten den „Opa“ der heutigen Robotergeneration entwickelt. Die Datenmengen, die ein autonomes Auto während der Fahrt blitzschnell verarbeiten und zuordnen muss, ist auf Autobahnen und Schnellstraßen im Vergleich zu unübersichtlichen Innenstadträumen deutlich geringer. „Ich kann mir vorstellen, dass das Fahrzeug nach der Autobahn in Bonn auch noch autonom auf der städtischen Hauptverkehrsstraße fährt, dem Fahrer dann aber ankündigt, dass er in einer Minute beim Einbiegen in die verwinkelte Bonner Südstadt das Steuer an den Passagier abgibt“, so Prof.  Stachniss.  

Die von dem bekannten Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar moderierte Podiumsdiskussion beleuchtete Aspekte wie die Akzeptanz des selbstfahrenden Autos, eine Haftung im Schadensfall und auch die Auswirkungen auf das Stadtbild und die zukünftige  Verkehrsplanung. Die Eröffnung des Abends übernahm Telekom-Vorstand Thomas Kremer. „Unsere vier Experten können vielleicht keine allgemeingültigen Antworten geben. Aber sie können das tun, was Ziel unserer Kampagne ist: Impulse setzen und Denkanstöße geben“, sagte er. Denn die Museumtalks finden im Rahmen der Initiative zur digitalen Verantwortung der Telekom statt. „Wir brauchen Spielregeln für die Digitalisierung. Und diese müssen in einem breiten gesellschaftlichen Diskurs entwickelt werden“, betonte der Vorstand für Datenschutz, Recht & Compliance.

Die Experten waren sich einig, dass Autos, aber auch Busse und LKWs immer stärker vernetzt werden. Diese Entwicklung wurde durchaus positiv gesehen. Sie ist aber auch eine enorme Umstellung. „Die Hände vom Steuer zu nehmen, hat mich schon einiges an Überwindung gekostet“, berichtete Anette Bronder, T-Systems Geschäftsführerin für die Digital Division und die Telekom Security, von ihrer ersten Fahrt in einem autonomen Auto. „Man muss erst loslassen lernen. Die Tour hat rund 30 Minuten gedauert, davon habe ich erst die letzten drei Minuten richtig genießen können.“

Die notwendige Technik, um Objekte schnell zu erkennen und zuzuordnen, sei bereits verfügbar. „Ob Mensch, Baum, Schild oder Laterne kann das Auto unterscheiden. Aber ob hinter dem rollenden Ball auf der Straße möglicherweise ein Kind auf die Straße läuft, kann es noch nicht einschätzen.“ Dabei wünscht sich Bronder, dass die Autohersteller nicht auf den von ihren Fahrzeugtypen erfassten Daten hocken bleiben. „Audi, BMW, Mercedes oder Porsche müssen sich auch während der Fahrt austauschen und ihre  Daten teilen. Wenn ein Fahrzeug zehn Kilometer weiter vorne in ein Gewitter gerät, müssen das die nachfolgenden Fahrzeuge erfahren“, fordert Bronder.

Ghazaleh Koohestanian, Gründerin und CEO des Startups Re2you, brachte die Sicht eines Berliner Unternehmens in die Diskussion ein, das sich mit der Bewältigung von riesigen Datenmengen beschäftigt und die Autoindustrie berät. „Es muss ein Kulturwandel stattfinden. Die Produkte rund ums Auto entwickeln sich rasant weiter, jetzt müssen wir auch daran arbeiten, dass sich die Gesellschaft mitentwickelt und Vertrauen schöpft. Hier gibt es noch keinen fließenden Übergang.“ 

René Usath, Referatsleiter Telematik und Verkehrsinformation des NRW-Verkehrsministeriums, brachte auf den Punkt, welche Anforderungen sein Haus an Autos stellt. „Sie müssen verkehrssicher sein, möglichst umweltfreundlich und effizient.“ Dabei sei es nicht relevant, ob ein Computer oder ein Mensch am Steuer sitze. Er betonte, dass sich die Politik „Null-Verkehrstote“ zum Ziel gesetzt habe. Die Chancen der vernetzten Mobilität böten bereits heute gute Ansätze, die Zahl der jährlich rund 3.300 Verkehrstoten in Deutschland zu verringern. 

Übereinstimmung herrschte bei Podiumsteilnehmern und Zuhörern im Deutschen Museum, dass noch viele Fragen geklärt werden müssen und solche breit geführten Diskussionen wichtig sind. Denn die Zukunft sollten nicht nur einige ausgewählte Unternehmen oder die Politik gestalten.

Die Museumsreihe wird zu unterschiedlichen Aspekten der Digitalisierung fortgesetzt: Am 15. September im GameScienceCenter in Berlin, 5. Oktober in der Phänomenta in Flensburg, 26. Oktober im Vitra Desing Museum in Weil am Rhein und Anfang des kommenden Jahres im MAK in Wien.

Museumstalk "Mobilität der Zukunft – vernetzt und selbstfahrend"

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