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Nicole Schmidt

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Museumstalk: Künstliche Intelligenz – Killer oder Schub für Kreativität?

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Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) erlebt aktuell einen medialen Hype. Was das für das Thema Kreativität bedeutet - dem großen, wenn nicht sogar größten Alleinstellungsmerkmal des Menschen, diskutierte ein engagiertes Podium beim zweiten Museumstalk der Reihe „Digitale Verantwortung“.

Gleich zu Beginn der gutbesuchten Abendveranstaltung im Berliner Game Science Center war klar: Über dieses Thema ließe sich abendfüllend diskutieren. Doch die Podiumsgäste hatten „nur“ 60 Minuten Zeit, um gemeinsam unter der Moderation des Wissenschaftsjournalisten Thomas Prinzler ihre Argumente zu Licht und Schatten auszutauschen und das Für und Wider abzuwägen.

Professor Hartmut Fladt, seines Zeichens Musikwissenschaftler und Gutachter für musikalische Plagiatsverfahren, gesteht Künstlicher Intelligenz zu, kreatives Komponieren ergänzen zu können, nicht aber selbst Kreativität erzeugen zu können. „Wenn es in den Bereich der Emotion geht, wird die Sache schwierig. Wir alle haben unseren emotionalen Erfahrungsschatz, der teilweise auch widersprüchlich ist. Dazu kommen kulturelle Unterschiede. Künstliche Systeme darauf zu trainieren, sehe ich als schwierig an.“

Ulrich Furbach, emeritierter Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität Koblenz, wundert sich immer wieder über die ablehnenden Grundhaltung, wenn es um die Frage geht, ob KI-Systeme über Emotionen, Bewusstsein oder Kreativität verfügen. „KI ist nicht im luftleeren Raum. Es agiert und lernt sein eigenes Verhalten abzuschätzen, so wie wir Menschen das auch tun. Warum soll das ein Gegeneinander sein? Das kann ein Miteinander werden und KI könnte künftig die Muse für Künstler sein.“

Der Innovationschef der Deutschen Telekom, Christian von Reventlow, ist der Meinung, dass Kreativität dann entsteht, wenn „ich überrascht werde“. KI-Systeme seien in der Lage selbständig neue Lösungen für Probleme zu finden, damit wäre auch Kreativität gegeben. Für die selbständige Lösungsfindung müssen KI-Systeme lernen dürfen. „In dem Moment, wo ich das Lernen ausschließe oder einschränke, verliere ich die Vorteile der Künstlichen Intelligenz.“

Für Professor Sebastian Schnieder, Gründer des Instituts für experimentelle Psychophysiologie, ist Hysterie fehl am Platze. „Bitte kein Hollywood – es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen, wir können die Systeme steuern.“ Er plädiert für einen Experimentierkasten, der beim Thema Künstliche Intelligenz erlaubt sein sollte. „Ich fürchte eher, dass uns heute von der Industrie schon zu viel versprochen wird. Wenn Künstliche Intelligenz all diese Versprechen nicht einhalten kann, droht die Gefahr, dass die Leute schnell von diesem Thema enttäuscht sind.“

Stellenweise schnipste das Publikum schon mit den Fingern, um einzuhaken. So kamen in der Schlussviertelstunde viele Fragen aus dem Auditorium, die sich vor allem um die Themen Transparenz, ethische Grundregeln und die Gefahr emotionsloser Entscheidungen von Algorithmen drehten. Auch nach dem offiziellen Diskussionsende ging der Austausch unter den Zuschauern im kleinen Kreis weiter. Ein Besucher fragte offensiv, ob eine Veranstaltung mit solch einem wichtigen Thema nicht besser in einem Stadion stattfinden sollte, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Eine interessante Anregung – dennoch reist die Talkreihe zu unterschiedlichen Digitalisierungsthemen demnächst weiter durch Museen. Die nächste Veranstaltung ist in der Flensburger Phänomenta (05. Oktober 2017). Danach folgen das Vitra Design Museum in Weil am Rhein (26. Oktober 2017), das Stuttgarter Mercedes-Benz Museum im November und das Museum für angewandte Kunst in Wien zu Beginn des nächsten Jahres.

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