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Video-Interview mit Francesca Bria

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Wir haben mit der Digitalchefin der Stadt Barcelona über die Stadt von Morgen, demokratische Kontrolle und Teilhabe der Bürger gesprochen. 

Video-Interview mit Francesca Bria, Digitalchefin von Barcelona.

Was ist Ihre größte Hoffnung in Bezug auf die Digitalisierung?

Francesca Bria: Meine Hoffnung ist, dass die Digitalisierung den Menschen dienen wird, so dass wir Technologie, künstliche Intelligenz, Daten in den Dienst unserer Bürger stellen können und die Regierung offener, kollaborativer und transparenter machen können.
Meine Hoffnung ist also, dass die Digitalisierung der Öffentlichkeit dient.

Und was ist Ihre größte Befürchtung? 

Francesca Bria: Die größte Angst ist, dass Digitalisierung in einer Dystopie endet. Dass es keine demokratische Kontrolle über technologische Infrastrukturen gibt und die Menschen nicht mehr fähig, in einer Demokratie zu leben.

Wie sieht die perfekte digitale Stadt der Zukunft aus?

Francesca Bria: Ich glaube nicht, dass es eine einzige perfekte Stadt der Zukunft gibt.
Ich denke, dass Städte wunderschöne Orte zum Leben sind, weil sie gut sind für die Menschen, die dort leben. Ich denke, eine gute digitale Stadt ist eine Stadt, die von ihren Bewohnern gestaltet wird, eine Stadt, in der die Bürger die Prioritäten setzen und entscheiden können, dass sie zum Beispiel günstiger wohnen möchten, dass sie eine bessere Luftqualität haben möchten, dass sie weniger Umweltbelastungen möchten, dass sie schönere öffentliche Plätze wollen, bessere Gesundheitsleistungen. Es sind also die Städte, die ihren Bürgern bessere Dienstleistungen bieten können. 
Eine der großen Herausforderungen für uns ist die Frage, wie wir die demokratische Kontrolle insbesondere über die Daten zurückgewinnen. Denn das ist wichtig, um Vertrauen zurückzugewinnen und die Beziehung zwischen den Bürgern und der Regierung neu zu gestalten. Damit die Bürger der Regierung vertrauen und die Städte als Verwalter ihrer neuen digitalen Rechte sehen können.
Dann kann man auch eine bessere Kultur zur Datenteilung etablieren und wir können in Partnerschaften zusammenarbeiten. Ich finde, dass Städte großartig sind, weil sie Ökosysteme schaffen können mit Unternehmen, kleineren wie größeren, aber auch mit Forschungszentren, mit Hochschulen, Datenjournalisten und die Bürger selbst sich engagieren können. Und es ist diese Art von Partnerschaft, die uns führen kann, die dazu beiträgt, dass wir bessere Netzwerke digitaler Städte schaffen. 

Was sind die größten Hindernisse in der Umsetzung?

Francesca Bria: Ja, ich denke, große Organisationen zu verändern ist immer sehr schwer. Im Kern ist die digitale Transformation keine technologische Transformation. Sie bedeutet eine organisatorische und eine kulturelle Veränderung. In Barcelona haben wir beispielsweise eine Reihe ethischer Standards für Städte entwickelt, in denen wir Richtlinien zum Datenschutz und Ethics by Design festlegen.
Wir haben Bestimmungen in öffentlichen Kaufverträgen festgeschrieben, mit denen Bürger die Kontrolle über ihre Daten zurückerhalten. Wir nennen sie Bestimmungen zur Datenhoheit.
Wir investieren öffentliches Geld für IT-Produkte verstärkt in Open Source Technologie und freie Software, so dass wir Teil der Kampagne „Public Money, Public Code“ sind. Und wir haben viel mit öffentlichen Vertretern zusammengearbeitet, um beispielsweise agile Service-Entwicklung umzusetzen, in funktionsübergreifenden Teams zu arbeiten, um zu erfahren, was er für sie bedeutet, dieser digitale Wandel.
Aber auch, um neue Fähigkeiten dazuzugewinnen und neue digitale Kompetenz und Bildung.
Ich glaube, die große Herausforderung liegt wirklich darin, die öffentlichen Institutionen zu transformieren, damit sie offener, kollaborativer, transparenter und effizienter werden.
Ich persönlich glaube an Innovationen im öffentlichen Sektor und ich denke, dass wenn unsere Institutionen, öffentliche Institutionen, besser arbeiten, dann können sie den digitalen Wandel in der gesamten Gesellschaft vereinfachen.
Nicht nur in speziellen Branchen oder in speziellen Unternehmen, sondern durch die gesamte Gesellschaft und so kann für das Wohlbefinden gesorgt werden, das wir brauchen.

Wie kann die Gesellschaft die Kontrolle zurückgewinnen, nicht nur über die digitale Technologie, Daten und die Infrastruktur, sondern auch über die Services, die von smarter Technology vermittelt werden, wie zum Beispiel im Versorgungssektor, beim Transport, der Bildung und im Gesundheitssystem?

Francesca Bria: Ich finde, bei den Städten wird sehr offensichtlich, dass Daten wie ein neues Meta Utility sind, das den Transport, die Gesundheitsdienste und Bildung antreibt.
Ohne Daten kann man keine ambitionierten Strategien gegen den Klimawandel umsetzen, den Klimawandel bekämpfen, man kann ohne sie keine richtige Planungspolitik betreiben, man kann die Frage nach bezahlbarem Wohnraum nicht angehen. Wir müssen die Kontrolle, die demokratische Kontrolle über digitale Infrastrukturen und Daten zurückgewinnen, um zukünftig bessere datenbasierte Services aufzubauen.
Meiner Meinung nach ist eine große Frage also die nach der Datenhoheit und wie wir sicherstellen, dass die Bürger selbst bestimmen, welche Daten sie vertraulich behandeln möchten, und welche Daten sie mit wem und zu welchen Bedingungen teilen möchten.
Und wir nennen das den neuen Sozialpakt zu Daten. Um diese Vision einer demokratischeren und inklusiveren Infrastruktur für die Gesellschaft umzusetzen, müssen wir in digitale Infrastrukturen investieren, die die Privatsphäre schützen, dezentral sind, die Rechte wahren und die zivilgesellschaftliche Partizipation und politische Willensäußerung ermöglichen können.
Ich denke also, dass es beispielsweise nachteilig ist, zum Zweck der politischen Teilhabe große Plattformen zu nutzen, deren Kerngeschäftsmodell die Manipulation und kommerzielle Ausbeutung persönlicher Informationen und Daten ist.
In Barcelona haben wir eine Plattform namens „Decidim Barcelona“ ins Leben gerufen, über die wir mehr als 400.000 Bürger daran beteiligen, die politische Agenda der Stadt zu gestalten. Wir betreiben also eine groß angelegte Bewegung zur partizipatorischen Demokratie, die eine Hybridform von Online- und Offline Demokratie ist. Wir versuchen also alles Mögliche, um die Smart City ganz neu zu denken, damit sie den Bürgern dient.
Damit diese digitale Revolution ein Recht für die breite Masse sein kann, kein Privileg nur für einige wenige.
Das kann eine öffentliche Infrastruktur werden, die wir für das Ökosystem der Stadt öffnen und auf der wir datenbasierte Dienste im Bereich Gesundheitsversorgung, Bildung, Transport und so weiter aufbauen.
Daten also als öffentliches Gut, digitale Infrastruktur als öffentliches Gut, um das Leben der Bürger zu verbessern. Und ich finde, das sind zwei sehr verschiedene Modelle. Wir haben eine große Herausforderung vor uns, bei der Europa hervortreten und ein personenorientiertes digitales Rahmenwerk schaffen kann und eine personenorientierte digitale Industrie, in der Privatsphäre, Ethik und die Sicherheit der Bürger im Mittelpunkt stehen und die grundlegenden Rechte der Bürger im Mittelpunkt stehen. 
Und dann können wir eine digitale Gesellschaft aufbauen, die demokratischer ist und inklusiver. Und deswegen haben wir gemeinsam mit New York und Amsterdam die „Cities Coalition for Digital Rights“ aufgebaut, ein globales Bündnis unterstützt von UN Habitat, von UCLG, dem größten weltweiten Netzwerk von Städten und Euro-Städten, in dem mehr als 40 Städte zusammenarbeiten und gemeinsame umfassende Ziele entwickeln, die auf den fundamentalen digitalen Rechten der Bürger basieren. Und derzeit erweitern wir diese Koalition auf über 100 Städte weltweit. 
Ich denke, der Wert bei der Erschaffung ethischer digitaler Städte und von Städten, die für ihre Bürger arbeiten ist, dass die Städte in Netzwerken zusammenarbeiten können und wir weltweite Bündnisse eingehen können, um sicherzustellen: Ja, die digitale Revolution ist eine demokratische Revolution.
In Barcelona pflegen wir zu sagen: Es gibt keine digitale Revolution ohne eine demokratische Revolution.

Das ist ein toller Satz! Vielen Dank, Francesca!
 

Smart City Datenerfssung

Die digitale Stadt als Brutkasten für echte Demokratie

Francesca Bria, Digitalchefin von Barcelona, hat eine Vision: die digitale Stadt als Ort echter Mitbestimmung und gelebter Demokratie. 

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