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Claudia Nemat

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Das Ringen um Werte muss lauter werden

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Ein Beitrag von Claudia Nemat, Vorstand Technologie und Innovation, Deutsche Telekom.

Mein Herzensthema, wenn ich gesellschaftliche Meinungsbildner treffe? Wir können die laufende Digitalisierung formen. Wir sind nicht Opfer, wir sind Architekten. Aber wir müssen aufwachen. Was Künstliche Intelligenz und Roboter für unsere Arbeit, Bildung, Gesundheit, unser Miteinander bedeuten, sollten wir intensiv diskutieren und gestalten. Frühzeitig. Faktenstark. Mit voller Verantwortung. Mit Kraftaufwand. Da spreche ich als Telekom-Managerin und als Bürger, Mutter, überzeugte Europäerin und frühere Wissenschaftlerin.

Claudia Nemat, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG, Technologie und Innovation

Claudia Nemat, Vorstandsmitglied Technologie & Innovation der Deutschen Telekom AG

Zugleich gilt es dank unterschiedlicher Gesprächspartner, immer wieder die eigene Filterblase zu überlisten. Fremde Meinungen tun Not. Dazu bietet eine Reise des Bundespräsidenten in die USA reichlich Gelegenheit. Mit Mitreisenden. Und mit Teilnehmern von Veranstaltungen in Kalifornien rund um Chancen und Risiken der Digitalisierung. Allesamt prominente Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Publizistik.

Debatte um Technologieinnovation auch immer eine ethische

Technologie und Innovation müssen immer und in erster Linie dem Menschen dienen. Und es ist der Mensch, der entscheidet, was die Technologie können soll und was auch ganz bewusst nicht. Oder in den Worten von Frank-Walter Steinmeier: Die Zukunft der Demokratie sei nicht zu gewinnen, ohne einen Blick auf die Zukunft. Und diese werde insbesondere durch den rasanten technologischen Fortschritt definiert: „Neue Technologie muss befähigen, nicht entmündigen.“ Insofern müssen wir uns über ethische Guidelines verständigen.

Die Deutsche Telekom hat jüngst als erstes DAX-Unternehmen neun Leitlinien zum Einsatz von künstlicher Intelligenz vorgestellt. Sie entstanden nicht im stillen Kämmerlein. Sie entstanden in zahlreichen Gesprächen mit anderen Unternehmen, Experten und Institutionen auf dem Gebiet der KI in Deutschland, USA und Israel. Sie definieren, wie wir als Deutsche Telekom mit KI umgehen wollen. Wie wir unsere auf KI basierenden Produkte und Services künftig entwickeln. Denn: „Keine Technologie reflektiert mehr ihre Schöpfer als KI.“ sagt Stanford-Professorin Fei-fei Li sehr treffend. Algorithmen können daher sowohl zum Guten für den Menschen eingesetzt werden (z.B. bei der Erkennung von Krebszellen oder Früherkennung von Krankheiten), als auch zum Schlechten (z.B. wenn Menschen auf Basis von Scoring-Algorithmen Bürgerrechte entzogen werden).

Künstliche Intelligenz darf keine Blackbox werden

Wie geschrieben, der Austausch war und ist wichtig. Dieser selbst-bindende Kodex ist nicht in Stein gemeißelt, sondern ein Anfang, eine Basis für die Weiterentwicklung mit anderen. Ich habe die Leitlinien immer im Gepäck. Ein ganz klares Anliegen: Wir wollen nicht, dass künstliche Intelligenz zur Blackbox wird, deren Entscheidungen wir nicht mehr nachvollziehen können. 

Dazu gehört auch ein anderer Alarm: Algorithmen können Vorurteile verkörpern. Wenn nur eine Gruppe der Menschheit – etwa weiß, männlich, mitteljung – programmiert, können andere benachteiligt werden. Weil ein bestimmtes Weltbild vorrangig bedient wird, weil unbewusst Verbindungen geschaffen werden, die zu Diskriminierung führen, weil nur ausgewählte Probleme in den Vordergrund gerückt werden. Diese Vorurteile gilt es zu adressieren, u.a. durch diverse Teams. Und durch eine verpflichtende Einführung ethischer und philosophischer Grundlagen in der IT-Ausbildung bzw. technischer Grundlagen bei den Geisteswissenschaften. 

Keine Toleranz der Intoleranz

„Prägen Sie sich immerhin ein, dass Toleranz zum Verbrechen wird, wenn Sie dem Bösen gilt“, schreibt Thomas Mann 1924 in „Der Zauberberg“. Das gilt im Jetzt, wo sein Exil-Haus in Los Angeles eingeweiht wird, genauso. Eine Art Gebrauchsanweisung, wie wir heutzutage mit Fake News, Hate Speech oder Ausgrenzung umgehen müssen: Nicht tolerieren, sondern gegen reden und handeln. In Zeiten der Digitalisierung muss das Ringen um Werte lauter werden. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen. Wenn wir ihren Einsatz gemeinsam gestalten.

Claudia Nemat

Claudia Nemat

Vorstandsmitglied Technologie und Innovation

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