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Survival of the smartest: Die Natur weist den Weg für digitale Gewinner

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Gastbeitrag von Anette Bronder, Geschäftsführerin der Digital Division von T-Systems, Geschäftsführerin Telekom Security und verantwortlich für den Bereich Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) im Konzern Deutsche Telekom.

Anette Bronder

Anette Bronder, Chefin des Digital- und Sicherheitsgeschäfts der Telekom.

Auf der Suche nach bequemen Nahrungsquellen zieht es immer mehr Wildtiere in die Randbezirke von Großstädten. In Los Angeles beispielsweise sind es Pumas aus den kalifornischen Bergen, die die Stadt als Lebensraum entdecken und sich mit dieser Strategie neue Futtermärkte erschließen. Die Risiken sind in diesem Fall überschaubar: Feinde gibt es im Tierreich nicht – und der Mensch bemerkt die Aktivität der scheuen Raubkatze meistens erst, nachdem sie bereits über alle Berge ist.

Erfolgsfaktoren für die Jagd oder Nahrungsbeschaffung gibt es viele: die individuelle Stärke des Jägers, das richtige Timing und oft auch die Zusammenarbeit im Team. All das reicht aber nur für den Moment, denn wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, ist nur der rechtzeitige Schwenk auf eine neue Strategie entscheidend. Erfolg bekommt man eben nicht geschenkt. Bei Löwen beispielsweise scheitern neun von zehn Versuchen. Diese Quote aus dem Tierreich gleicht verblüffend der Erfolgsrate von Start-ups: Entweder kommt die Idee nicht zur richtigen Zeit, das Marktumfeld ist ungeeignet, Streit lähmt das Team oder die finanzielle Stärke fehlt zum Durchhalten. 

Edge-Computing bei Ameisen

In der Natur gibt es viele Parallelen zur Digitalisierung, deren Hauptthema das Sammeln und Analysieren von Daten ist. Darin liegt auch gleich das Problem, denn ein großer Prozentsatz der Daten ist für die Analyse unnötig. Bei der Datenflut, die bald auf uns zurollt, kann nur eine sinnvoll portionierte Übertragung die richtige Lösung sein – daran ändern auch fallende Preise für Cloud-Computing und Speicherkapazität nichts.

Das Vorbild liefern Ameisen und Bienen: Sie geben gezielt Informationspäckchen weiter wie „ich gehöre zu deinem Volk“, „wenige Meter von hier gibt es Nahrung“ oder „Gefahr von oben“. Das entspricht dem Edge-Computing-Ansatz, bei dem Daten bereits an der Quelle analysiert werden. Es reicht tatsächlich, wenn Produktionsmaschinen nur dann Informationen in die Cloud oder zum Kunden senden, wenn sie Bedeutung haben und beispielsweise von Normparametern abweichen. Warum sollte man Daten unnötig von A nach B senden, wenn B sie nicht braucht und sich dadurch die Analysezeit verlängert? Oder nehmen wir autonomes Fahren: Sensoren am Auto erfassen Informationen zu Lage, Richtung, Geschwindigkeit und Abständen. Intelligente Software am Auto analysiert diese Daten in Echtzeit, damit der Fahrer unmittelbar reagieren kann. Das alles geschieht, ohne dass die Daten in die Cloud und wieder zurück zum Auto gehen. Die Latenz muss gering sein. Deshalb ist auch das superschnelle, leistungsfähige 5G-Netz zukunftsweisend, nicht nur für autonomes Fahren. 

Bienen und Blockchain

Auch der Technologietrend Blockchain hat Bienen und Ameisen als „natürliche“ Vorbilder. Die kommunikativen Insekten geben kleine Informationspäckchen über viele Stationen bis zum Zielort weiter. Jede Übergabe stellt sicher, dass der richtige Ansprechpartner das Paket bekommt – direkt, schnell und sicher. Sollte ein Paket verlorengehen, gefährdet das kein anderes im „Bienen-Netzwerk“. In der Natur wie in der Wirtschaft geht es um den Aufbau von Vertrauen und einer sicheren, gemeinsamen Wissensbasis – in der Industrie kommt noch Rechtssicherheit hinzu. Datenpakete sind in der Blockchain einzeln und dezentral gespeichert, aber trotzdem durch Knotenpunkte verbunden: Werden Daten an einem Knotenpunkt unrechtmäßig manipuliert, lässt sich das über die anderen Knoten nachvollziehen. Manipulationsversuche sind daher zum Scheitern verurteilt. 

Wegen dieser Eigenschaften nutzt die Telekom Security Blockchain in der Industrie unter anderem für „Smart Contracts“: Ein Programmcode sorgt dafür, dass der Vertrag erst nach Erfüllung bestimmter Vorgaben und automatisiert aktiviert wird – juristische Prüfinstanzen sind nicht mehr nötig. Sollte es zu Vertragsbrüchen kommen, ist der gesamte Vorgang transparent und nachvollziehbar. 

Jäger und (Daten-)Sammler

Tiere und Pflanzen entwickeln ausgeklügelte Strategien, die das Überleben sichern. Unter dem Schlagwort „Koevolution“ geht es in der Natur um die wechselseitige Anpassung zweier Arten, die sich einen Lebensraum teilen. Zwei Phänomene lassen sich beobachten: die Tarnungstaktik zur Abwehr von Feinden und das Eingehen symbiotischer Beziehungen. So imitiert der nordamerikanische Vizekönigschmetterling die Optik des giftigen Monarchfalters um sich vor gefräßigen Vögeln oder Fröschen zu schützen. 

Andere Arten tun sich mit natürlichen Feinden zusammen und schaffen dabei schützende Ökosysteme. So befreit der Putzerfisch den Hai von Parasiten, im Gegenzug bietet der Hai ihm Schutz. Win-Win! Ein vergleichbares Ökosystem haben die Supermarktkette Walmart und der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G) geschaffen. Walmart sammelt jeden Tag eine unfassbare Menge an Informationen über seine Kunden, während P&G über Datenanalyse-Tools und entsprechende Experten verfügt. Die daraus gezogenen Schlüsse kommen beiden zugute – mit dem Ergebnis, dass P&G seine Umsätze bei Walmart von 375 Millionen auf über 4 Milliarden Dollar erhöhen konnte. 

Auch die Telekom setzt auf Partnerökosysteme in Cloud und IoT: Sie bringt die Netzinfrastruktur und – je nach Bedarf – ihre sichere deutsche Cloud mitsamt Integrations-Know-how ein. Unsere IT-Partner, oder auch Kunden, steuern Hardware-, Software- oder Plattformlösungen und vor allem ihr Branchenwissen ein. Von jedem Partner kommt das, was er am besten kann, der Kunde bekommt alles aus einer Hand: Win-win-win! Digitale Symbiosen dieser Art bieten Unternehmen jeder Größe die Möglichkeit, neue Märkte und neue Kundengruppen zu erschließen. Genau das ist das Spannende an der Digitalisierung.

Auf zu neuen Ufern

Das fränkische Traditionsunternehmen Schwaiger beispielsweise ist mit Satellitenfernsehen groß geworden – und nun mit Unterstützung der Telekom in die Home Automation eingestiegen. Seine Kunden können jetzt Heizung, Beleuchtung oder Rollläden über Smartphones oder Tablets steuern. Für den Schutz des Systems und der persönlichen Daten sorgen die hochsichere Bedienungs-App und digitale, verschlüsselte Sendeprotokolle. Die Datenverarbeitung findet in der zertifizierten deutschen Open Telekom Cloud statt.

Ökosysteme verändern sich ständig. In der Natur wie in der Wirtschaft. Die Korallen an den Riffs bleichen und sterben, weil sich ihr Ökosystem verändert – das Wasser wird wärmer. Sie können sich weder in der benötigten Geschwindigkeit anpassen noch wegbewegen. In Natur und Wirtschaft überleben nur die Anpassungsfähigen. Der Unterschied: In der Natur hängt es nur vom „Können“ ab, in der Wirtschaft oft vom „Wollen“. 

Für die Industrie ist klar: Keiner schafft die Digitalisierung alleine, sie ist Teamplay! Im digitalen Zeitalter ergeben sich Überlebens- und Erfolgschancen nur, wenn man sich zur richtigen Zeit, im richtigen Ökosystem mit den richtigen, vertrauenswürdigen Partner zusammentut.

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