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Caroline Neuenfeld

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Redenschreiber aufgepasst! Wann wird Künstliche Intelligenz Euren Job übernehmen?

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Künstliche Intelligenz (KI) erobert die Welt des Schreibens im Sturm. Nicht, dass ein Schreib-Bot bislang einen Pulitzer-preisgekrönten Roman verfasst hätte. Oder eine Rede für die Geschichtsbücher. Aber KI ist bereits in beträchtlichem Ausmaß in die Erstellung und Bearbeitung von Inhalten involviert. Denken Sie – vielleicht selbst Vertreter der schreibenden Zunft – nicht auch manchmal, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist?

Symbolfoto Roboter mit Stift

Viele von uns Schreibern setzen schon jetzt auf automatische Korrektur- und Bearbeitungssysteme. Algorithmen, die weit über die altbekannten Textverarbeitungsprogramme hinausgehen. Cloud-basierte Software für die Textbearbeitung, die für die Überprüfung von Grammatik und Rechtschreibung sowie für stilistische Korrekturen oder die Plagiaterkennung bereits Künstliche Intelligenz nutzt, wie zum Beispiel Grammarly, liegt voll im Trend – Tendenz klar steigend.  

Das gilt auch für maschinelle Übersetzungsprogramme wie Google Translate oder DeepL. 

Alle diese Systeme unterstützen Autoren dabei, ihre Werke geschliffener, fehlerfreier und sicherer zu machen. Kann KI also  tatsächlich Texte verfassen?

KI kann Texte verfassen, aber auch Reden?

Ja, kann sie. Es ist heute nicht unüblich, dass politische Nachrichtenbeiträge maschinell verfasst werden. Zahlreiche Eilmeldungen hat bereits KI geschrieben. Einige Verlagsunternehmen testen oder nutzen KI, um ihre Redaktionen effizienter zu gestalten. Dabei übernimmt KI zum Beispiel sich wiederholende Routinearbeiten

Und was ist mit Reden? KI wäre sicherlich auch in der Lage, zum Beispiel eine politische Wahlrede zu schreiben. Mit einer Standard-Storyline, sich wiederholenden Argumenten und ein paar politischen Parolen. Eine KI, die politische Reden schreiben kann, die „echten“ Reden bemerkenswert gleichen, gibt es schon - was wohl einiges über die Originalität vieler heutiger politischer Reden aussagt.

Aber wie sieht es mit diesen großen, denkwürdigen Reden aus? Reden, die Menschen wirklich berühren, inspirieren, die sie zu etwas bewegen? Reden, die noch hundert Jahre später Gänsehaut erzeugen, die für ihre glänzende Rhetorik gefeiert werden? Die Art von Reden, die in Redenschreiber-Akademien auf ewig als Meisterwerke und Vorbilder präsentiert werden?

Die Art von Reden, die Dain Dunston(1), Redenschreiber und Autor, wohl im Kopf hatte, als er schrieb: „A great speech reaches inside you and rips your heart out. And in its place it gives you a bigger heart. A heart that’s on fire with a passion to stand up and be counted. If you can do that in a speech, then you’re a great speechwriter.”

Ich glaube nicht, dass eine Maschine, so hoch entwickelt sie auch sein mag, jemals eine solche Rede verfassen kann. Zunächst einmal, weil große Reden zutiefst persönlich sind. Sie spiegeln nicht nur den Intellekt, sondern auch Herz und Charisma ihres Autors. Sie erzählen bewegende Geschichten und vermitteln Menschlichkeit – von einem Menschen an  Menschen. Eine wirklich gute Rede, die ihr Publikum tatsächlich  erreicht und nachhallt, beruht fast ausschließlich auf Emotionen, Werten und Empathie. Auf Feinheiten in Ton und Tenor, die nur Intuition und Fingerspitzengefühl hervorbringen können. Und natürlich auf dem Verständnis für das „große Ganze“ und die Bedürfnisse des Publikums. Ich bezweifele, dass dieses menschliche Einfühlungsvermögen durch eine Maschine ersetzt werden kann. 

Und wüssten wir gerne, dass hinter einer Rede, die uns buchstäblich zu Tränen gerührt hat, ein kalter Algorithmus steht? Einige vertreten die Ansicht, dass es letztlich keinen Unterschied macht, ob Äußerungen, die nicht der Redner selbst geschrieben hat, von einer anderen Person oder einer Maschine stammen.

Ich persönlich würde nicht gerne herausfinden , dass eine Rede, die mich berührt oder vielleicht sogar motiviert hat, für etwas oder jemanden zu spenden oder abzustimmen, von einer KI geschrieben wurde. Trotzdem glaube ich, dass KI für Redenschreiber ein großartiger Partner sein kann.

KI und Redenschreiber als Partner

Von Schach-Teams aus menschlichen Experten und Künstlicher Intelligenz wissen wir, dass diese deutlich erfolgreicher sind als Teams, die nur aus KI oder nur aus Menschen bestehen.

Und dann gibt es noch die Geschichte über eine japanische KI , die einen Roman geschrieben und damit beinahe einen Literaturpreis gewonnen hat. Zwar nur beinahe, aber die KI und ihr Werk haben es immerhin durch die erste Vorauswahl geschafft.

Und jetzt das große „Aber“: Die KI hätte das alleine nicht geschafft. Ein Team im Hintergrund hat sie angeleitet und über solche Dinge wie die Handlung und das Geschlecht der Charaktere entschieden. Außerdem hat das Team vorgegebene Sätze ausgewählt, die von der KI beim „Schreiben“ des Buches dann eigenständig verwendet wurden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist KI also noch immer auf Menschen zum Erstellen der Inhalte angewiesen, die sie verarbeitet.

Aber als Partner, liebe Redenschreiber, kann KI uns schon jetzt das Leben enorm erleichtern. Abgesehen von einfachen Aufgaben wie dem automatisierten Editieren von Texten kann KI auch die notwendige Recherche vorab übernehmen. Sie kann uns durch die Analyse und Verarbeitung riesiger Datenmengen die besten  und relevantesten Informationen zu einem Thema beschaffen, und das auf effizienteste Art und Weise.

Und sie kann noch mehr als nur Informationen ausspucken. KI kann uns dabei unterstützen, die gefürchteten Schreibblockaden zu überwinden – wenn man vor seinem Bildschirm sitzt und einfach nicht weiß, wo man anfangen soll. Denn: KI kann auch eine Verbindung zwischen bereits bestehenden Ideen, Theorien oder Programmen herstellen. Sie kann uns Anknüpfungspunkte liefern, auf die wir vielleicht niemals selbst gekommen wären. Und so die Kreativität anregen und die Fantasie beflügeln.

Ein Autor formuliert es so: KI kann die menschliche Kreativität und Ideenentwicklung nicht ersetzen, aber sie könnte die größte Ergänzung des menschlichen Gehirns sein, die jemals entdeckt wurde.

1Eine gute Rede berührt dich tief im Inneren und zerreißt dir das Herz. Und lässt daraus ein größeres Herz entstehen. Ein Herz, das mit Leidenschaft dafür brennt, Flagge zu zeigen. Wenn du das mit deiner Rede erreichen kannst, dann bist du ein großartiger Redenschreiber.“

Symbolfoto KI

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