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Hubertus Kischkewitz

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Fraueninsel-Geheimnisse: Der Ring, das Glas und die Spülbohrung

So viel Hightech gibt es sonst wahrscheinlich nur im Silicon Valley in Kalifornien, bei Apple, Google oder Tesla. Die Deutsche Telekom hat die idyllische Fraueninsel im oberbayerischen Chiemsee jetzt komplett an ihr Glasfasernetz angeschlossen. 73 Häuser, 73mal Glasfaser – das macht eine Erfolgsquote von satten 100 Prozent, von der Google bei seinen Suchergebnissen nur träumen kann. Wir lüften die letzten Geheimnisse der Glasfaser-Insel und verraten, warum die Verlegung ein echter Slalomlauf war. 

Die trügerische Idylle 

Zwischen den malerischen Häusern auf der Fraueninsel, die im Kern teilweise noch aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen, schlängeln sich enge Wege hindurch. Wer hier in den ruhigen Wochen zwischen Winter und Frühling spazieren geht, kann sich gar nicht vorstellen, dass unter diesen Wegen jetzt die Daten im Gigabit-Tempo fließen. Doch die Idylle trügt, so menschenleer erlebt man die nur 620 mal 300 Meter kleine Insel selten. An schönen Sommertagen kommen hier bis zu 10.000 Tagesgäste am Schiffsanleger an. Der Tourismus boomt, ebenso wie die Seminare und Kurse im namensgebenden Frauenkloster. Entsprechend hoch ist der Bedarf für schnelles Internet, für das seit 2020 ein 1,2 Kilometer langes Seekabel von Gstadt auf dem Festland auf die Fraueninsel sorgt. 

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Auf der Fraueninsel sind die Gassen eng.

Ein Projekt mit Herausforderungen 

Unter dem Boden der Insel geht es jetzt mindestens genauso geschäftig zu wie am Schiffsanleger an einem herrlichen Augusttag. Gleich sechs sogenannte Speedpipe-Rohrverbände hat die Telekom hier dicht an dicht vergraben. In insgesamt 90 kunterbunten Röhrchen, die an Strohhalme zum Schlürfen von Cocktails in den Cafés der Insel erinnern, ist Platz für 90 Mikrokabel – gut ein Kabel pro Haus. Die Farben dienen aber nicht zur Unterhaltung der Bauarbeiter, sondern zur Unterscheidung der einzelnen Leitungen bei einem ungewöhnlich komplexen Projekt. 

Schnell soll es sein – und schön 

Für Telekom-Netzplaner Heinrich Asböck war die Vollverglasung der Fraueninsel eine Herausforderung, wie er sie nicht oft auf den Schreibtisch bekommt. Er schildert den ganz besonderen Charakter dieses Vorhabens: „Wir mussten natürlich mit den vielen Bäumen, der vielen Natur und dem wenigen öffentlichen Grund zurechtkommen, der auf der Insel vorhanden ist.“ Deshalb steht der graue Netzverteiler, von dem aus die Glasfaserleitungen abzweigen, auch nicht wie sonst üblich möglichst zentral im Versorgungsgebiet – sondern ganz dezent am Rand der Insel. Heinrich Asböck erklärt es genauer: „In der Mitte der Insel stehen die alten Linden, und es gibt viel Grünfläche, die teilweise in Privatbesitz ist. Da konnten wir nicht einfach einen Netzverteiler aufstellen. Denn wir müssen uns natürlich ein bisschen danach richten, was die Leute sehen wollen – und nicht unseren Netzverteiler irgendwo mittendrin.“ 

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Telekom-Netzplaner Heinrich Asböck (l.) bespricht mit einem Kollegen, welche Herausforderungen es bei der Vollverglasung der Fraueninsel gab.

Der Glasfaser-Slalom vom Chiemsee 

Die Randlage des Verteilerkastens hat Auswirkungen auf die gesamte Struktur des Netzes, wie Planer Asböck verrät: „Normalerweise geht man vom Verteiler in mehreren Richtungen weg. Hier gehen dagegen praktisch alle Trassen in eine Richtung – allerdings nicht allzu weit. Denn dann verteilen sie sich relativ schnell auf der Insel.“ Dass auf der Fraueninsel einige Kilometer mehr an Glasfaserkabeln als sonst üblich zu verlegen waren, liegt auch an der engen Bebauung. So konnte die Trasse nur selten in direkter Linie verlegt werden. Die Telekom grub sich quasi mit einem Glasfaser-Slalom durch den Inselboden. Hinzu kam, dass die Stangenabstände dabei auch durch die Größe der Kronen der mächtigen alten Bäume beeinflusst wurde. Denn unter den Bäumen durfte nicht gegraben werden. Und weil keine Leerrohre vorhanden waren, mussten alle Kabel im Tiefbau unter die Erde – teilweise in behutsamer Handschachtung. 

Das nächste Spül ist immer das schwerste 

Was allerdings im Boden und im Wasser vorhanden war, war der Chiemsee-Ringkanal. Ihn haben die Gemeinden in der Region zwischen 1986 und 1989 zur besseren Abwasserentsorgung gebaut. Das rund 340 Kilometer lange Leitungssystem hat seither die Wasserqualität im See deutlich verbessert. Das ist gut für Mensch und Natur, aber eine weitere Herausforderung für die Glasfaserverlegung. Netzplaner Heinrich Asböck erklärt: „Der Ringkanal liegt in verschiedenen Tiefen im Chiemsee und darf nicht so einfach überquert oder unterschritten werden.“ Die Telekom musste den Kanal also mit sogenannten Spülbohrungen an beiden Ufern unterqueren, teilweise in zehn Metern Tiefe. Aber auch diese Aufgabe war am Ende kein Hindernis. Und nach der aufwändigen Verlegung des Unterwasserkabels, an der unter anderem Minentaucher und das Horizontalbohrgerät „Ditch Witch“ („Grabe-Hexe“) beteiligt waren, gibt es seit 2020 auf der Fraueninsel nicht nur einen beständigen Besucherstrom – sondern auch einen beständigen Datenstrom. 

Der Fischer mit dem schnellen Netz 

Trotz der aufwändigen Bauarbeiten – die Bewohner und die Gewerbetreibenden sind begeistert vom Anschluss ans schnelle Internet, der die Fraueninsel fit für die Zukunft macht. Fischer Thomas Lex, dessen Familie seit 1857 im Chiemsee vor allem Renken fängt, war hier einer der ersten, der bei der Telekom einen Glasfaseranschluss gebucht hat. Er erklärt seine Begeisterung für die neue Technik: „Auch unsere Fischerei braucht schnelle Daten. Wir haben einen Online-Handel, wo wir unsere Fische nach ganz Deutschland versenden. Und meine zwei Söhne, die jetzt den Betrieb weiterführen, sind mit so einer Grundlage natürlich immer up to date.“ Sein Fazit: „Auch bei uns bleibt die Zeit nicht stehen. Mit 250 Megabit kann man schon etwas anfangen.“ Und so gehen der traditionsreichen Fischerei auf der Fraueninsel nicht nur die Renken ins Netz, sondern auch die Daten. Und das schneller denn je. 

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Fischer Thomas Lex (l.) ist begeistert von dem schnellen Netz

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Hubertus Kischkewitz

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Glasfaser: Finale auf der Fraueninsel

Die Fraueninsel im Chiemsee hat nun eine Glasfaseranbindung. Mit der erfolgreichen Verbindung aller Haushalte auf der Insel hat die Telekom eine Erfolgsquote von satten 100 Prozent erzielt. Das große Engagement der zuständigen Gemeinde Chiemsee war ein entscheidender Faktor für den Glasfaserausbau.

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