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Uli Bornhauser

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Glasfaserausbau: zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Es ist kein Geheimnis: Beim Thema Glasfaser stehen wir in der Kritik. Der Vorwurf: Die Telekom setzt auf aufgepeppte Kupferleitungen – und blockiert damit den Übergang zur Zukunftstechnologie Glasfaser. Warum es kein Widerspruch ist, zusätzlich zum bereits laufenden Glasfaserausbau kurzfristig auch auf Kupfer zu setzen.

Leuchtende Fasern in blau mit schwarzem Hintergrund

Für die Übertragung großer Datenmengen ist Glasfaser prädestiniert und gilt als das Medium schlechthin für heutige und zukünftige Breitbandnetze.

Wir bauen gerade ein Haus in einem Bonner Neubauviertel. Wie viele andere Familien dort auch. Natürlich empfehlen wir uns gegenseitig Handwerker, tauschen uns aus, wo es hakt und warum. Auch der Telefonanschluss ist Gesprächsstoff. Kürzlich kam beim Thema Glasfaserausbau die Telekom ins Gerede. Unser Konzern hatte in unserem Viertel mit weniger potenziellen Kunden – und Problemen – gerechnet. Das führte dazu, dass eine Familie ihren Glasfaseranschluss längere Zeit nicht nutzen konnte. Es klappte erst, als nach einem Medienbericht ein Techniker das Glasfasermodem anbrachte. Keine Frage: Auch wenn wir das Problem schließlich lösen konnten – der Fehler der Telekom ist für die Betroffenen mehr als ärgerlich – und darf nicht vorkommen.

Komplexes Thema Glasfaser

Warum ich das erzähle? Weil es zeigt, wie hoch die Erwartungen und komplex das Thema „Glasfaserausbau“ ist. Und natürlich, weil die Telekom beim Thema Breitband in der Kritik steht.

Mein Eindruck: Es gibt kaum eine aktuelle Politik-Diskussion mit so vielen Beteiligten wie die Debatten rund um den Breitbandausbau. Es mischen mit: EU, Bundes- und Landespolitik, Interessenverbände, Medien, Wettbewerber und natürlich unsere Kunden. Und die Telekom ist immer mitten drin. Ich finde es richtig, dass man an den „Platzhirsch“ hohe Erwartungen stellt. Aber lasst mich euch trotzdem erklären, warum das Thema Glasfaserausbau nicht so einfach zu stemmen ist, wie es manchmal von außen scheint.

Nicht im Hauruck-Verfahren

Es gibt viele Gründe, warum wir nicht im Hau-Ruck-Verfahren Glasfaser flächendeckend ausrollen können.

  • Der bundesweite Glasfaserausbau kostet rund 80 Milliarden Euro: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bonner Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK). Eine Untersuchung für das Bundeswirtschaftsministerium hatte vor einigen Jahren sogar noch 93 Milliarden Euro veranschlagt. Völlig klar, dass sich diese Kosten erst in Dutzenden von Jahren amortisieren.
  • Regulierung bleibt ein Problem: Unsere Vorleistungsprodukte, auf denen die Telefon- und Internetangebote unserer Wettbewerber basieren, sind preislich niedrig angesetzt, dass sie die Ausbaukosten alleine nicht decken können, wenn Infrastruktur komplett neu ausgerollt wird.
  • Zahlgrenze für schnelles Internet: Die Bereitschaft von Privatkunden, für schnellere Verbindungen einen Aufschlag zu zahlen, ist gering - bis gar nicht vorhanden. In einer BITKOM-Umfrage zeigten sich 42 Prozent der befragten Haushalte nicht bereit, mehr Geld für schnelleres Internet auszugeben.
  • Tiefbaukapazitäten sind erschöpft: Es ist für uns und unsere Wettbewerber enorm schwierig, Firmen für Grabungsarbeiten zu finden. Der Markt ist schlichtweg leergefegt.

Technologiemix als schnelle Lösung

Aufgegrabene Baustelle in der Straße mit Kabeln

Die Deutsche Telekom AG reagiert mit einem Technologiemix auf den steigenden Bedarf an Bandbreite in Privathaushalten und Unternehmen.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass der Bund bislang nur einen Bruchteil seiner Fördermittel für den Glasfaserausbau losgeworden ist. Denn die oben genannten Probleme betreffen nicht nur uns, sie gelten für alle. Derzeit kann unser Konzern nicht beides gleichzeitig leisten: vollständige Abdeckung und maximale Geschwindigkeit. In Gewerbe- und Neubaugebieten und immer dort, wo es eine hohe Kundendichte und Nachfrage gibt, setzen wir schon jetzt konsequent auf Glasfaser. So erhalten zum Beispiel 7.600 Unternehmen in diesem Jahr Internetverbindungen mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 1 GBit/s. Zudem haben wir kürzlich knapp 190.000 Haushalte mit Geschwindigkeiten bis zu 100 MBit/s an das Breitbandnetz angeschlossen und versorgen aktuell insgesamt über 21 Millionen Haushalte mit Bandbreiten von 50Mbit/s. Mit Glasfaser alleine wären die Bandbreiten vielleicht höher, die erreichte Anzahl an Haushalten aber schlichtweg nicht möglich.

Schrittweise zum Glasfaserziel

Geschwindigkeit und größtmögliche Abdeckung erreichen wir schrittweise. Für den Übergang setzen wir auf einen Technologiemix. Damit können wir auch ländliche Gebiete zu überschaubaren Kosten mit schnellem Netz zeitnah versorgen. Wir möchten möglichst vielen Menschen möglichst zügig einen möglichst schnellen Internetanschluss bieten. Dafür nutzen wir die gesamte Palette der technischen Möglichkeiten.

  •  Glasfaser
  •  Vectoring und Super-Vectoring: Glasfaser führt bis zum Verteilerkasten, Kupfer von dort bis zum Haus. Störsignale auf den Leitungen werden herausgerechnet. So lässt sich die Datenübertragung auf dem Kupferkabel beschleunigen.
  •  Mobilfunk: kommt vor allem in den Flächenländern zum Einsatz.
  •  Und – bislang erst im Feldversuch – G.fast: Glasfaser reicht bis ans Gebäude.

Mehr als 5 Milliarden Euro fürs Netz

5,4 Milliarden Euro hat der Konzern im vergangenen Jahr in Deutschland in den Netzausbau investiert, dieses Jahr legen wir noch eine Schippe drauf. Was tun wir noch? Wir arbeiten beispielsweise daran, die Potenziale heutiger Technologien wie Vectoring weiter auszureizen. Derzeit erreichen wir mit Vectoring 150 bis 200 Mbit/s, mit Super-Vectoring mehr als 250 Mbit/s. Mal ehrlich, wann immer jemand in den vergangenen zehn Jahren sagte, Kupfer ist am Ende, ging doch bis jetzt immer noch was!

Übrigens bin ich davon überzeugt, dass es dem Kunden letztlich egal ist, auf welchem Weg er zur notwendigen Bandbreite kommt. Deshalb sollten wir nicht in erster Linie eine bestimmte Technologie zur Verfügung stellen, sondern hohe Bandbreiten.

Planen mit Big Data

Für uns als interne Beratung ist es ungeheuer spannend, an einem so großen und wichtigen Zukunftsprojekt wie dem Breitbandausbau mitzuwirken. Es war klar, dass wir uns in Sachen Glasfaser im Konzern anders aufstellen müssen. Wir denken inzwischen weniger in Silos. Gut so, dass die beteiligten Bereiche stärker zusammenarbeiten – und das von Anfang an. Zudem setzen wir auf Digitalisierung und Big Data und bekommen damit eine effizientere Ausbauplanung. Die Daten verraten uns zum Beispiel, wo wir wo wie tief graben müssen oder wo wir Kunden finden, die bereit sind, für schnelle Verbindungen zu zahlen – und damit überhaupt erst einen wirtschaftlichen Ausbau ermöglichen.

Dreifacher Verkehr, einfacherer Service

Völlig klar: Langfristig kommen wir an einem flächendeckenden Glasfaserausbau nicht vorbei. Wollen wir auch gar nicht. Denn der Breitbandhunger wächst. Privatkunden werden immer mehr Filme in immer höherer Qualität streamen, sie chatten per Video oder vernetzen ihre Wohnung. Unternehmen arbeiten in der Cloud und setzen auf das Internet der Dinge. Sie brauchen Bandbreiten, die – aus heutiger Sicht - über Kupfer nicht mehr zu realisieren sind. Die Datenmenge, die wir hierzulande über das Internet verschicken, steigt exponentiell. Laut einer Cisco-Prognose soll sich bis 2021 der weltweite IP-Traffic verdreifachen. Hinzu kommt: Mit einem reinen Glasfasernetz wird’s für uns viel einfacher. Mit ihm können wir Qualitäts- und Serviceanforderungen besser erfüllen, weil es weniger fehleranfällig ist als der heutige Technologiemix. Aber wir brauchen die richtige Lösung, damit es nicht vielen so geht wie der Familie in unserem Neubaugebiet.

Die Telekom hat kein Interesse daran, den Glasfaserausbau zu verschleppen. Dass wir noch auf einen Technologie-Mix setzen, ist Ausdruck eines Kompromisses: Schnell steigende Bandbreiten zu ermöglichen und die Glasfaser dennoch sukzessive näher an unsere Kunden ran zu bringen.

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