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Auf dem Weg zum Land der intelligenten Netze

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Am kommenden Dienstag findet in Essen der 7. Nationale IT-Gipfel der Bundesregierung statt. Telekom-Chef René Obermann leitet eine der Arbeitsgruppen. Im Gespräch mit der Redaktion geht er unter anderem auf "gewaltige" Aufgaben für Deutschland, intelligente Netze und die Energiewende ein.

Herr Obermann, Sie möchten den Nationalen IT-Gipfel dazu nutzen, um auf dem Weg zum Land der intelligenten Netze weiterzukommen. Wie das? Wir stehen in Deutschland vor gewaltigen Aufgaben, etwa im Energie- und Gesundheitssektor. Lösungsansätze sind vorhanden, aber entscheidend ist, wie wir künftig die gewaltigen Mengen anfallender Daten sicher verarbeiten und sinnvoll nutzen. Dafür brauchen wir smarte, quasi mitdenkende Strukturen, intelligente Netze. Sie sind eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte Deutschlands, ein entscheidender Treiber für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel insgesamt.

Entsprechend lautet das Thema der von Ihnen geleiteten Arbeitsgruppe 2 'Digitale Infrastrukturen als Enabler für innovative Anwendungen'. Motiviert das die Gruppe? Die Mitglieder der Arbeitsgruppe 2 sind überzeugt, dass wir die großen Herausforderungen und Chancen nur gemeinsam bewältigen können. Branchenübergreifend und im Schulterschluss von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, wie es konkret in unserem Arbeitsprogramm heißt. Wir reden hier immerhin über Investitionsanforderungen im hohen zweistelligen Milliardenbereich, vielleicht sogar darüber hinaus, aber auch über entsprechende Produktivitäts- und Effizienzgewinne.

Nehmen wir das Beispiel Strom: Wo stehen wir da? Ökostromsubventionen, neue Oberlandleitungen, Strompreiserhöhungen – das Thema 'Energiewende' wird ja gerade politisch und gesellschaftlich sehr breit diskutiert. Nur wenn Politik und Wirtschaft hier an einem Strang ziehen, kann Deutschland das selbstgesetzte Ziel erreichen und bezahlbare Energie aus einer Vielzahl von Quellen sicher verfügbar machen. Neben der Energiebranche selbst sind dabei die Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie als 'Enabler' für 'smart grids' gefordert.

Weil die einen wie die anderen Leitungen verlegen? Es geht ja um mehr: Wenn Deutschland Atommeiler abschalten und zunehmend auf das Verfeuern fossiler Brennstoffe verzichten will, ist ein selbstorganisiertes System gefragt: So können die vielen dezentral erzeugten Einheiten regenerativen Stroms der Nachfrage entsprechend gesteuert werden. Die Voraussetzung dafür sind Intelligente Netze, wie sie auf Basis leistungsfähiger Informations- und Kommunikationstechnologien geschaffen werden können. Solche Energienetze, also smart grids, sind in der Lage, Daten vieler Einspeiser und Abnehmer zu verarbeiten, den Strombedarf abzuschätzen und damit die Stromproduktion dynamisch anzupassen. Aber wie gesagt, der Energiesektor ist nur ein Bereich. Der Branchenverband BITKOM hat mit Gesundheit, Verkehr, Bildung und Öffentliche Verwaltung vier weitere gesellschaftliche Kernfelder für den Einsatz intelligenter Netze definiert:

Und überall dort soll IT helfen? Ein paar Beispiele: Telemedizin ermöglicht den Patienten eine effizientere und bessere Behandlung – und älteren Menschen ein länger selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden. Im Straßenverkehr kann eine smarte Vernetzung für niedrigere Kosten, geringere Umweltbelastung und weniger Unfälle sorgen. Intelligent vernetzte Bildungsangebote verbessern Qualität von Lehre, Ausbildung und lebenslangem Lernen – und steigern so langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. In der öffentlichen Verwaltung schließlich helfen digitale Infrastrukturen dabei, wirtschaftlicher, transparenter und vor allem bürgerfreundlicher zu arbeiten.

Die Diagnose scheint also klar … …und dennoch gibt es noch einige Stolpersteine auf dem Weg in die vernetzte Zukunft. Wir reden hier über komplexe Aufgaben, die Zahl der Beteiligen ist groß und will koordiniert sein. Wir müssen jetzt die entsprechenden Voraussetzungen schaffen, und zwar sowohl technisch als auch politisch. Breitbandausbau lautet ein Schlagwort. Ohne eine Modernisierung und Erweiterung der Kommunikationsnetze kann Deutschland den gesellschaftlichen Wandel nicht vorantreiben und wird ökonomisch an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Aber das dürfte doch nicht strittig sein, oder? Um die Breitbandziele der Bundesregierung schneller umsetzen zu können, hat die Deutsche Telekom kürzlich die so genannte Vectoring-Technologie ins Gespräch gebracht. Ihr Vorteil: Zu überschaubaren Investitionskosten können damit auch ländliche Gebiete mit Internetgeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden. Uns fehlt hier noch die Einwilligung der Bundesnetzagentur, um die bereits in Belgien und bald wohl auch in Österreich genutzte Technologie auch in Deutschland einzusetzen. Fotoshow

Und das reicht? Zweite wichtige Voraussetzung für den Aufbau intelligenter Netze sind die richtigen Plattformen. Ohne sicheres Cloud Computing wird es kaum möglich sein, die steigenden Datenmengen effizient zu verarbeiten. Die notwendigen Technologien gibt es längst. Was wir jetzt brauchen, ist ein gesellschaftlicher Konsens, verbunden mit einer entsprechenden breiteren Akzeptanz bei den Anwendern. Denn nur, wenn auch Privatnutzer und Firmen den neuen Technologien vertrauen, den gesellschaftlichen Mehrwert erkennen, gewinnen wir ausreichend Dynamik auf dem Weg in die digitale Zukunft.

Das hört sich nach viel Überzeugungs- und Verhandlungsarbeit an. Gibt es dafür die richtigen Foren? Veranstaltungen wie der jährliche 'Nationale IT-Gipfel' helfen dabei, diese Akzeptanz zu fördern. Der Gipfelprozess und insbesondere unsere Arbeitsgruppe 2 bringen bereits die wichtigen Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf Arbeitsebene zusammen. Das Format bündelt Ressourcen und organisiert branchenübergreifend Verantwortlichkeiten. So konnte schon Vieles erreicht werden. Aber damit intelligente Netze ihren Nutzen für die Volkswirtschaft voll entfalten können, müssen wir den Kreis der Beteiligten erweitern. Ich habe deshalb im Vorfeld des diesjährigen Gipfels mit den Vorstandsvorsitzenden verschiedener Unternehmen der Anwenderbranchen gesprochen, um sie für unsere AG zu gewinnen.

Für den Gipfel bedeutet das konkret was? Beim Gipfel werde ich meinen Mitstreitern in der Arbeitsgruppe 2 empfehlen den Kreis um CEOs der Energie- und Verkehrsbranche zu erweitern. Zudem sollte die Zusammenarbeit mit den anderen AGs, die sich mit Gesundheit, Verwaltung und Bildung beschäftigen, intensiviert werden. Ich werde daher das Treffen nutzen, um in der gesamten deutschen Wirtschaft – also weit über IT und Telekommunikation hinaus – weitere Mitstreiter für diese Idee zu gewinnen. Deutschland hat die Chance sich mit Hilfe zukunftsweisender Konzepte der Informations- und Kommunikationstechnologie als Land der Intelligenten Netze zu profilieren.

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