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Video-Interview mit Prof. Jürgen Schmidhuber, oft als Vater der Künstlichen Intelligenz bezeichnet

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Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber, Co-Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für KI IDSIA (USI & SUPSI).

Interview-Schmidthuber

Herr Schmidhuber, was fasziniert Sie an Künstlicher Intelligenz (KI)?

Jürgen Schmidhuber: Künstliche Intelligenz ist die ultimative Wissenschaft. Denn wer eine wahrhaftige Künstliche Intelligenz bauen kann, der hat damit alle anderen Probleme gleich mit erledigt; denn diese KI wird natürlich dann auf die anderen Probleme ansetzbar sein.

Wie haucht man einer dummen Maschine so etwas wie Intelligenz ein?

Jürgen Schmidhuber: Unsere dummen Maschinen sind normalerweise rekurrente neuronale Netzwerke, sind ein wenig so wie Ihr Gehirn. Da befinden sich im Cortex vielleicht 10 Milliarden Neurone, und die sind alle verbunden mit ungefähr 10.000 anderen Neuronen, sodass Sie also vielleicht 100.000 Milliarden Verbindungen oder sogar mehr in Ihrem Cortex da mit sich rumtragen. Rein strömt Video und Audio und Schmerzsignale und Hungersignale, wenn die Batterie leer ist. Heraus kommen Aktionen, die die Muskeln steuern, die Motoren. Also zum Beispiel ein mobiler Roboter hat die Aufgabe, dass er, ohne an Hindernisse anzustoßen, immer rechtzeitig zur Batterieaufladestation kommt, ohne sich dabei wehzutun, wenn immer er Hunger hat. Jetzt lernt dieses neuronale Netzwerk durch Hindrechseln seiner Verbindungen - die Verbindungsstärken sind zunächst völlig zufällig, und deswegen kann der überhaupt nichts -, lernt durch Versuch und Irrtum, die so zu ändern, dass es zu einem immer besseren Problemlöser wird.

Und wo wird es vielleicht in fünf Jahren sein?

Jürgen Schmidhuber: Wir haben noch keine KIs, die sich vergleichen lassen mit einem kleinen Tier wie zum Beispiel einer Krähe oder einem Äffchen. Aber viel geht schon sehr gut. Wir haben schon übermenschlich gute Mustererkennung zum Beispiel in manchen Bereichen. Und jetzt sagen Sie: Mustererkennung, das kann mein Kind auch, und das kann jedes Baby doch schon ziemlich gut. Und dann haben Sie auch recht. Aber Mustererkennung ist sehr viel schwieriger als Schachspielen zum Beispiel. Denn schon im Jahr 1997, also vor 20 Jahren, da war der beste Schachspieler kein Mensch mehr. Aber kein Computer konnte auch nur annähernd hinreichen an die Mustererkennungsfähigkeiten von einem kleinen Kind, welches Gesichter erkennt und Gläser und Stühle usw. Erst im Jahr 2011 hatten wir dann zum ersten Mal so ein neuronales Netzwerk, welches gelernt hat, wirklich übermenschlich gut bestimmte Muster zu erkennen. Das waren damals Verkehrszeichen in so einem Wettbewerb in Silicon Valley. Und seitdem profitieren wir nach wie vor von diesem Trend, der alle fünf Jahre dazu führt, dass die Rechner zehnmal billiger werden. Das heißt also, in 30 Jahren werden sie eine Million Mal billiger. Und obwohl wir eigentlich diese ganzen Arbeiten angefangen haben in den 90er-Jahren, war damals die Rechenleistung so schwach, dass wir warten mussten bis heute, wo eben die Rechner 10.000 Mal oder 100.000 Mal schneller sind, sodass diese mächtigen Algorithmen, die wir damals schon angefangen haben, zu entwickeln, wirklich ihr Potenzial entfalten.

Und jetzt sind sie zum Beispiel bei Ihnen auf dem Smartphone. Wann immer Sie da reinsprechen und sagen: "Okay, Google, zeig mir den Weg zum Marienplatz", dann ist da so ein LSTM, ein "Long Short-Term Memory"-Netzwerk, drin, was wir entwickelt haben in meinen Labors in München und in der Schweiz seit den 90ern. Und seit 2015 hat es Google jetzt auf allen Android-Telefonen implementiert, und dadurch wurde die Spracherkennung von Google viel, viel besser als vorher. Das ist eine relativ universelle Lernmethoden, die man für alle möglichen Aufgaben verwenden kann, wo es darum geht, Sequenzen abzubilden durch irgend so einen Denkprozess auf andere Sequenzen. Deswegen verwenden das jetzt die wertvollsten Firmen der Welt ganz massiv für alle möglichen Dinge, zum Beispiel der Allo-Assistent von Google verwendet das, und Alexa von Amazon verwendet das, um die Sprachsignale zu generieren. Man kann ganz viel machen damit, und trotzdem ist es nur ein kleiner Teil dessen, was man braucht, um so ein richtig kleines tolles Äffchen zu bauen. Aber, ich glaube, wir wissen auch, im Prinzip zumindest, wie wir das schaffen werden. Das werden noch ein paar Jahre … ob es jetzt genau fünf Jahre dauern wird, das weiß ich nicht, aber es wird noch ein paar Jahre dauern, bis wir so weit sind. Allerdings glaube ich nicht, dass es noch viele Jahrzehnte dauern wird.

Und was sagen Sie dann Menschen, die Angst haben, dass die Roboter besser werden als wir, weil sie intelligenter sind? Sie sind schneller, sie werden nicht müde, sie haben keinen Hunger. Sie beschweren sich nicht und sind eigentlich die besseren Arbeitnehmer oder auch Chefs.

Jürgen Schmidhuber: Hunger haben sie natürlich schon. Die müssen ja auch ihre Batterieversorgung sicherstellen. Und Schmerzen wollen sie auch keine erleiden. Sie wollen nicht gegen Hindernisse bumsen usw. Das heißt also, diese ganze emotionale Intelligenz ist auch Teil von den Künstlichen Intelligenzen, die es jetzt schon gibt in meinen Labors und in anderen.

Was sage ich jetzt den Menschen, die sich davor fürchten? Also ich sage ihnen: Ich fürchte mich ja auch nicht. Ich versuche seit den 80er-Jahren, was zu bauen, was mich selber ersetzt, weil ich das toll und faszinierend finde und weil ich glaube, das ist der natürliche nächste Schritt, den die Menschheit jetzt machen wird. Und dabei helfen wir dem ganzen Universum auf die Sprünge. Denn in dem Maße, wie wir Superintelligenzen bekommen werden, KIs, die einfach sehr viel klüger sind als Menschen in jeder nennenswerten Beziehung, werden wir natürlich nicht mehr die Krone der Schöpfung sein, aber das ist ja auch jetzt nicht vielleicht das Erstrebenswerteste. Und freuen wir uns doch, dass wir Teil sind von so einem gigantischen Prozess, der dazu führt, dass das Universum jetzt seinen nächsten Schritt macht hin zu höherer Komplexität. Die werden natürlich sich ausbreiten im Weltraum, weil die meisten Ressourcen, die sind ja nicht in dieser dünnen Biosphäre, sondern draußen. Und dann werden sie auch völlig im Rahmen dessen, was physikalisch möglich ist, die ganzen Milchstraße kolonisieren in einer Weise, bei der Menschen nicht folgen können. Und das ist doch eigentlich schon ganz schön toll und wunderbar und aufregend. Und deswegen fürchte ich mich überhaupt nicht, und, ich glaube, niemand sonst sollte sich fürchten.

Ein schönes Schlusswort. Herzlichen Dank!

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