Verantwortung

Wehren Sie sich gegen Cybermobbing und Beleidigungen

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Es ist quälend für die Betroffenen, gerade auch für Kinder und Jugendliche, Opfer von Mobbing im Internet geworden zu sein. Aber niemand ist im Internet rechtlos. Lesen Sie in diesem Artikel, was Cybermobbing ist, was Sie dagegen tun können und wie Sie am besten vorbeugen.

Was ist Cybermobbing?

Die Engländer kennen das Wort „Bully“ für eine Person, die andere bewusst quält. Daher wird Cybermobbing auch häufiger als Cyberbullying bezeichnet. Wahrscheinlich ist fast jeder einer solchen Person im Laufe der eigenen Schulzeit schon einmal begegnet. Die Täter versuchen meist, eigene Schwächen und Unsicherheiten zu kompensieren. Oder darüber einen höheren Status in der eigenen Gruppe zu erreichen. Manchmal soll auch von eigenen Schwächen oder was der Täter dafür hält, abgelenkt werden. Die Attacken können aber auch einen konkreten Anlass haben, der aus einer Beziehung zum Opfer heraus entstanden ist, etwa eine Zurückweisung oder das Ende einer Freundschaft. Auch Neid und das Gefühl, dem Opfer unterlegen zu sein, können für den Täter ausreichen, um sein Opfer zu attackieren.

Der Begriff Cybermobbing leitet sich davon ab, dass die Attacken gegen das Opfer primär im Internet stattfinden und sich der Mittel des Internets (Mail, soziale Netzwerke) bedienen. Während Kinder bei Attacken auf dem Schulhof oder im Sport wenigstens Schutz in den eigenen vier Wänden finden, tritt Cybermobbing jederzeit und rund um die Uhr auf.

Erscheinungsformen von Cybermobbing

Cyberbullying und -mobbing haben vielfältige Erscheinungsformen, die sich nicht scharf voneinander abgrenzen lassen und sich oft auch überlappen:

  • Belästigung: Es werden massiv terrorisierende oder beleidigende Nachrichten per Messenger, SMS oder E-Mail versendet oder in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Es werden anstößige oder beleidigende Bilder, Fotos oder Videos an das Opfer verschickt oder im Namen des Opfers an andere gesendet.
  • Bloßstellung: Der Täter veröffentlicht intime Informationen des Opfers oder sogar Bilder. Es können auch private Geschichten sein, die veröffentlicht werden. Für die Opfer ist das nicht nur peinlich. Diese Form ist besonders belastend, weil das Opfer die Beiträge nicht als Erfindung bezeichnen kann oder es sich schämt. Zum Beispiel Nacktaufnahmen, die Jugendliche eigentlich nur dem aktuellen Freund oder der Freundin geschickt haben, die aber nun massenhaft verbreitet werden.
  • Bedrohung: Das ist eine besonders aggressive Form, die allerdings eher selten ist. Die Drohungen umfassen dann alles, was in dieser Hinsicht denkbar ist. Zufügen körperlicher Schmerzen, Zerstörung von Gegenständen, selbst Morddrohungen sind möglich.
  • Demütigung: Hier geht es den Tätern meist auch darum, die Reaktion des Opfers mitzubekommen. Ein bekanntes Beispiel sind die „Slapping-Videos“. Hier wird mit dem Smartphone gefilmt, wie das Opfer von anderen verprügelt wird. Oder es werden Nacktbilder und Filme des Opfers überarbeitet und ins Netz gestellt („Rachepornos“). Gelegentlich bilden sich regelrechte „Hassgruppen“ in Netzwerken oder auf WhatsApp, in denen der Täter mit anderen kommuniziert und es nur um negative Eigenschaften des Opfers geht.
  • Rufschädigung: Die diffamierenden Behauptungen sind zwar unwahr, werden aber massiv verbreitet. Gefälschte Nachrichten und Mails, bearbeitete Fotos oder auch gestreute angebliche Aussagen des Opfers werden verbreitet. 

Ist mein Kind betroffen?

Zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen gehören heute Internet und soziale Medien. Beiträge in sozialen Netzwerken werden als Darstellung der eigenen Persönlichkeit gesehen. Und dies ist nicht von der realen Welt zu trennen. Deswegen sind Cyberbullying und Mobbing in Schule, Sportverein oder am Ausbildungsplatz oft eng miteinander verbunden.

Anzeichen für (Cyber-)Mobbing können sein

  • Das Kind zieht sich sozial zurück, wirkt verschlossen und zurückhaltender. Es erzählt weniger von Schule oder Arbeit. Seine Fröhlichkeit verschwindet. Das können aber auch alles Anzeichen der Pubertät sein.
  • Häufig treten Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit oder andere körperliche Beschwerden auf.
  • Es kommt oft zu psychischen Reaktionen wie Niedergeschlagenheit, fehlender Lebensfreude, Minderwertigkeitsgefühlen, Angst und sogar Depressionen.
  • Da das Kind nur noch ungern zur Schule oder zur Arbeit geht, fallen schulische oder berufliche Leistungen signifikant ab. Der Fokus der Interessen verschiebt sich deutlich.
  • Das Internet wird nicht mehr gern und nicht mehr so oft genutzt. Anwendungen werden plötzlich geschlossen, wenn jemand das Zimmer betritt, oder die Kinder wirken verstört oder ängstlich, nachdem sie das Smartphone genutzt haben.
  • Auf Nachfragen über die Veränderungen des Verhaltens blocken die Kinder und Jugendlichen ab oder weichen den Fragen aus. 

Das können Sie gegen Cybermobbing unternehmen

Wenn Eltern den Verdacht haben, das Kind könnte Opfer von Cybermobbing geworden sein, sollten sie das Gespräch suchen. Das Kind muss das Gefühl haben, zu jeder Zeit über alle Erfahrungen im Internet reden zu können. Falls Sie konkrete Schritte unternehmen wollen, ist es ratsam, diese mit dem Kind zu besprechen und es in die Lösungssuche einzubeziehen. Nicht sinnvoll ist ein Handy- und Internetverbot. Nicht selten informieren Kinder ihre Eltern nicht über Vorfälle und Beobachtungen, genau aus Angst vor so einem Verbot. Hilfreich kann es auch sein, die Schule zu kontaktieren, um sich bei den Lehrkräften nach deren Einschätzung zu erkundigen.

  • Dokumentation des Vorfalls: Informationen zum Täter (aus den Postings entnommen), Screenshots von beleidigenden Einträgen und Speichern von Mails dienen der Beweissicherung, aber auch als Grundlage für Gespräche. 
  • Die erste und meist auch bereits die hilfreichste Maßnahme ist das aktive Gespräch. Der juristische Werkzeugkasten kann nämlich auch schnell dazu führen, dass die Lage eskaliert. Ansprechpartner bei Kindern und Jugendlichen sind Vertrauenslehrer oder andere Personen mit einer entsprechenden Verantwortlichkeit, wie Trainer oder Betreuer in Jugendzentren. Häufig enden die Attacken bereits, nachdem eine solche Person sie offen angesprochen hat. 
  • Opfer sollten nicht oder so wenig wie möglich auf das Mobbing einsteigen. Am besten den Mobber technisch sperren. Für den Täter ist nichts frustrierender, als wenn die gewünschte Reaktion des Opfers nicht erreicht wird. 
  • Man sollte seinen Kindern vermitteln, dass man sich am besten aus solchen Attacken heraushält. Eltern können nicht verlangen, dass sich das Kind sofort schützend vor ein Mobbing-Opfer stellt. Was aber immer möglich ist, ist das Heraushalten und Hilfe holen.
  • Beiträge melden: Informieren Sie den Betreiber der Plattform, auf der die verunglimpfenden Beiträge veröffentlicht wurden. Dies kann häufig auch durch bereits eingebaute Funktionen im Umfeld des Postings erfolgen („Beitrag melden“). 
  • Wenden Sie sich an den Betreiber: Im Impressum jeder Website steht, wie man den Betreiber kontaktieren und informieren kann. Die meisten Betreiber reagieren auch schnell, um juristisch nicht als Mitverursacher dazustehen. Sofern bekannt ist, wer hinter dem Cybermobbing steckt, sollte man vor allem gegen die Person direkt vorgehen. Oft lassen sich Beiträge auch einem Administrator melden, etwa bei Gruppen auf Facebook. Reagiert der Betreiber nicht, kann man sich auch an Beschwerdestellen wenden wie zum Beispiel www.jugendschutz.net.
  • Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten. Im Fall von Drohungen und groben Persönlichkeitsverletzungen sollte man gut informiert und mit den gesicherten Beweisen zur Polizei gehen. Daneben gibt es auch Möglichkeiten im Zivilrecht, wie Abmahnungen, Unterlassungserklärungen und andere juristische Instrumente. Hier kann dann aber nur ein Anwalt helfen. 
  • Manche Unternehmen, wie auch die Deutsche Telekom, bieten im Fall von Cybermobbing (kostenpflichtige) Beratung und Hilfe, zum Beispiel bei der Datenlöschung.

Tipps zum Vorbeugen

Diese Tipps gelten gleichermaßen für Erwachsene wie für Kinder und Jugendliche. 

  • Verraten Sie nicht zu viel über sich: Adresse, Handynummer, Passwörter behält man am besten für sich.
  • Nach sich selbst suchen: Nutzen Sie Google häufiger mal, um nach sich selbst zu suchen, um so rechtzeitig Ansätze von Cybermobbing und Identitätsdiebstahl zu entdecken.
  • Vorsicht mit Fotos und Bildern: Was im Internet oder auf sozialen Netzwerken steht, ist kaum wieder zu entfernen. Deswegen sollte man bei jedem Foto darüber nachdenken, ob man es wirklich veröffentlichen will und ob die Szene einem selbst nicht doch irgendwann peinlich sein könnte. 
  • Die Privatsphäre auf sozialen Netzwerken steuern. Wägen Sie ab, wen Sie zu einem „Freund“ in einem sozialen Netzwerk machen und mit wem Sie überhaupt Postings und Fotos teilen wollen. Am besten nur solche Personen in den Freundeskreis aufnehmen, die man auch tatsächlich aus dem realen Leben kennt. Profile können auch gestohlen sein. 

Hilfreiche Internetadressen:

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