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Luisa Vollmar

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"Eine gute Idee ist auch außerhalb des Silicon Valley umsetzbar"- Interview Marco Börries

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Leeres Büro mit Umzugskartons

„Bei Venture Capital geht es um Geld. Niedrig einkaufen und hoch verkaufen. Das ist das hauptsächliche Geheimnis. Und dennoch steckt mehr dahinter“, sagte unser Chef Tim Höttges in seiner Keynote bei den T-Venture Open in Berlin.

Natürlich ist Geld ein wesentlicher Faktor, der es jungen Unternehmen (StartUps) ermöglicht, ihre Geschäftsideen auf den Markt zu bringen. Und das wird sich auch nicht ändern. Jedoch hat sich das Paradigma geändert. Tim Höttges stellte dies so dar: Früher gab es einen Manager mit einer Geschäftsidee. Der hat einen Businessplan erstellt. Dann hat er sich um Geld gekümmert. Und am Ende hat er die „Nerds“ angeheuert, die das Produkt dann gebaut haben. Heute kommt das Produkt zuerst. Der Nerd sitzt in der ersten Reihe. Er arbeitet an der Innovation und kümmert sich dann um das Geld. Dann kommt der Umsatz, mit dem er den Manager einstellt.

Einer dieser Nerds, der gute Geschäftsideen am laufenden Band hat, ist Marco Börries. Er gründete schon mit 16 Jahren seine erste Firma StarDivision. Damals in einer Garage in Lüneburg. Ohne Venture Capital. StarDivision hat sich aber auch so zu einem erfolgreichen Unternehmen entwickelt. 1999 verkaufte Börries es für einen zweistelligen Millionenbetrag (US Dollar) an Sun Microsystems. Nach zwei weiteren erfolgreiche Unternehmensgründungen und -verkäufen (StarFinanz und VerdiSoft) gilt er heute als einer der großen Akteure in der deutschen StartUp Szene.

Nun tüftelt Börries seit ein paar Jahren an seinem vierten Projekt. Arbeitstitel daher „NumberFour“. Mit dem Produkt, einer Small-Business-Software, wollen Börries und sein Team kleinen Unternehmen helfen, mit den Großen mitzuhalten, indem sie an einer qualitativ hochwertigen Software arbeiten, wie sie ansonsten nur großen Unternehmen zur Verfügung stehen. Die Idee scheint auch Investoren überzeugt zu haben. NumberFour hat ein Investment in Höhe von 38 Millionen US-Dollar (29 Millionen Euro) erhalten. Das ist eine stolze Summe. Seit Jahren wohl die größte Finanzierung eines StartUps in Europa in der ersten Runde. Unter den Investoren ist übrigens auch unser Wagniskapitalunternehmen T-Venture.

Also ist es doch das Geld, was die Geschäftsidee ans Laufen bringt? Wie schon gesagt, unwichtig wird es nie sein, doch Marco Börries hat in der Tat bisher größtenteils auf Venture Capital Geld verzichtet und dennoch seine Geschäftsideen erfolgreich auf den Markt gebracht und weiterentwickelt. Zum Teil natürlich auch, weil es früher noch gar nicht die Möglichkeiten wie heute gab.

Aber was sind dann die weiteren Parameter, die eine gute Geschäftsidee zu einem florierenden Unternehmen machen? Das habe ich Marco Börries vergangenen Mittwoch auf den T-Venture Open in Berlin gefragt, wo er eine Rede gehalten hat. Ebenso wollte ich wissen, wo man die besten Ideen bekommt, was für Ratschläge er gibt und was er als Kind werden wollte:

Mit NumberFour setzen Sie schon Ihre vierte Geschäftsidee um. Wann kommen Ihnen die besten Ideen?

Nahaufnahme vonMarco Börries

Marco Börries

Marco Börries: Das ist so nicht unbedingt planbar. Eine gute Idee kann einem zu jeder Tages- oder Nachtzeit kommen. In jedem Fall funktioniert es nicht, wenn man unter starkem Druck oder Stress steht. Man braucht einen gewissen Freiraum. Diesen Raum muss man sich im Zweifel schaffen. Und Abwechslung. Das fördert die Kreativität.

Was sind Ihre Parameter für eine erfolgreiche Umsetzung einer Geschäftsidee? Gehört auch Glück dazu? Oder Geld?

Marco Börries: Die Parameter sind vielfältig. Glück gehört sicher auch dazu. Zunächst mal muss man die richtige Idee haben. Das alleine reicht aber nicht. Die Idee muss gut sein, aber es muss auch der richtige Zeitpunkt sein und der richtige Ort, also das richtige Land. Obwohl letzteres mittlerweile etwas weniger wichtig wird. Eine gute Idee ist auch außerhalb des Silicon Valley umsetzbar. Auch hier in Deutschland. Der richtige Zeitpunkt ist allerdings sehr entscheidend. Mit VerdiSoft (Anm. d. Red.: Firma für Software, die einen für Handydisplays optimierten Zugriff auf Mail, Fotos, Nachrichten und Webinhalte ermöglicht) war ich sehr früh am Markt. Andere, wie beispielsweise Apple, kamen damit erst später. Timing ist also wichtig. Aber es sind auch nicht alle Parameter kontrollierbar.

Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben und welchen Rat geben Sie anderen jungen Unternehmern weiter?

Marco Börries: Von smarten Leuten habe ich nicht nur gute Ratschläge bekommen, sondern einfach auch viel gelernt, indem sie ihre Erfahrungen geteilt haben. Ratschläge sind immer etwas schwierig, da man sie nicht pauschalisieren kann. Was beim einen sehr gut funktioniert hat, muss nicht beim anderen funktionieren. Das ist sehr individuell. Ich suche mir Leute aus, von denen ich noch was lernen kann. Und so versuche ich auch anderen zu helfen. Ich gebe keine Ratschläge, sondern spreche über meine Erfahrungen. Wie auch heute bei meiner Keynote hier auf den T-Venture Open. Jeder kann sich dann mitnehmen, was für ihn passt.

Was sollten Sie als Kind werden?

Marco Börries: Pilot. Auch da muss man einen klaren Kopf behalten, Entscheidungen bedacht treffen und bestimmten Prozessen folgen.

In Punkto richtiger Zeitpunkt und Ort stimmt Börries mit Tim Höttges überein. Höttges betonte in seiner Keynote, dass sich erfolgreiche StartUps keine lange Marktreife erlauben können. Zu schnell überholten sich die Geschäftsideen. Und auch der Ort war früher maßgeblich. Europa war bisher nicht in der Lage, auch nur annähernd an die Qualität und Quantität von Venture Capital ran zu kommen, so wie es das Silicon Valley schafft. Aber genau wie Börries, sieht auch Höttges hier eine Entwicklung. Für ihn ist das Valley nur eine Metapher dafür, wie Leute angeheuert werden, wie Fähigkeiten entwickelt werden, wie Venture Capital erbracht wird und wie gearbeitet wird. Aber auch er sagt, es muss nicht das Silicon Valley sein. Das Valley kann überall sein. In Tel Aviv, Bukarest oder natürlich Berlin.

Ob gute Geschäftsideen nur im Silicon Valley erfolgreich gedeihen können und was es braucht, für ein erfolgreiches StartUp, darüber hatten wir übrigens auch schon in unserer telegraphen_lounge zum Thema: Internet-Start-ups – Gründen ja, Wachsen nein? gesprochen…

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