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Klaus vom Hofe

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25 Jahre D1: Spurensuche im Archiv

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Vor einem Vierteljahrhundert startete die damalige Deutsche Bundespost Telekom ihr digitales Mobilfunknetz. Sein Name: D1. Ein guter Anlass, dazu im Unternehmensarchiv zu stöbern.

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Dia vom 1. Juli 1992: Der damalige Telekom-Chef Helmut Ricke am Rande der Pressekonferenz zum Start des D1-Netzes.

Wolkig mit etwas Regen, so zeigt sich Bonn am 1. Juli 1992 – glaubt man der Wetter-Chronik im Internet. Um 11 Uhr setzt die Telekom im Hotel Maritim den Startschuss für das neue D1-Netz. Mit dabei: Der damalige Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling sowie Vertreter von Diensteanbietern und der Presse. Das Netz „beruht auf einer europäischen Norm … und ermöglicht Internationalität und hohe Teilnehmer-Kapazität“, heißt es in der Telekom-Pressemitteilung. „Zum D1 Start stehen den Telekom-Kunden 10.000 Geräte von zwei Herstellern zur Verfügung“. Das neudeutsche Wort „Handy“ fällt an dem Tag noch nicht.

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Zum Start für 2.198 Mark erhältlich: Das Portable D1 314.

Gedächtnis der Telekom

Verpackt in stabilem Karton mit der Inventarnummer 12734, liegt ein Exemplar dieser Pressemitteilung von damals im Keller der Telekom-Zentrale in Bonn, genauer im Unternehmensarchiv. „Unser Archiv ist das Gedächtnis der Telekom“, sagt Wolfgang Richter. Er verantwortet das „Gedächtnis“ seit der Gründung im Jahr 2005 als Unternehmensarchivar, hat alles eingerichtet. Zuvor studierte er Geschichte in Hamburg, arbeitete dann als Archivar bei Firmen und genauso auch in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Bei der Dresdner Bank baute er das Archiv von Null an mit auf. Wie gut es ist, Papier in Spezialkartons zu lagern, erlebte Richter, nachdem das Kölner Stadtarchiv im März 2009 eingestürzt war. Dort sicherte er als Freiwilliger Archivalien: „Viele Kartoninhalte waren unbeschadet – von allem, was lose lagerte, blieben jedoch nur Schnipsel.“     

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Hat das Unternehmensarchiv der Telekom aufgebaut: Wolfgang Richter.

Das Unternehmensarchiv nimmt auf, was die Geschichte und Geschäftstätigkeit der Telekom nachweist. Auf rund 1.400 Regalmetern lagern Kataloge, Prospekte, Mitarbeiter- und Kundenzeitungen, Zeitschriften, Plakate sowie 7.500 Filme und vieles mehr. Hinzu kommen 500.000 Fotos – Abzüge, Dias und Negative - von 1990 bis zur Umstellung auf Digitalfotografie im Jahr 2003. Das älteste Objekt ist die Zeitschrift des Deutsch-Österreichischen Telegraphenvereins von 1856.

Für unsere spontane Quellensuche zum D1-Start öffnet Wolfgang Richter weitere Schränke und Kartons. Darin: Preislisten und Reden, Zeitschriften und Kataloge aus 1992. Markige  Überschriften springen ins Auge, wie „Die Zukunft hat begonnen“,  oder „Die neue Sprache mobiler Telefone“. Fotos von Menschen unterwegs mit riesigen Telefonen. Und genauso die europäische Idee, die mit Blick auf europaweit einheitliche Übertragungstechnik und damit nachher mögliche grenzenlose mobile Kommunikation.

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Preisliste aus der Pressemappe zum D1-Start.

Ebenso interessant: Viel frühere Quellen wie der Geschäftsbericht der Bundespost für das Jahr 1987. Der beschreibt die „stürmische Nachfrage“, die der D1-Vorgänger C-Netz auslöste (Anschlüsse zum Jahresende: 52.000) und fährt dann fort:

„Für die längerfristige große Nachfrage nach Funktelefonen wird in europäischer Zusammenarbeit eine volldigitale Systemtechnik für einen europäischen Funktelefondienst entwickelt, die als D-Netz im 900-MHz-Bereich betrieben werden soll." (Geschäftsbericht der Deutschen Bundespost für 1987)

Und, klar, die Telefone. Wolfgang Richter hält eine kleine Auswahl aus drei Jahrhunderten Telekommunikationsgeschichte vor, zum D1-Start etwa das „Portable 314“. „Geräte sind jedoch eher das Metier der Museen für Kommunikationsgeschichte“, erklärt er. Mehr dazu gibt es unter www.museumsstiftung.de 

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Handheld oder Handy?

Es fällt auf, dass das Wort Handy oft mit dem Attribut „sogenannt“ fällt. Lange scheint auch noch nicht ganz so klar, welcher Name nun gilt, auch „Handheld“ war im Rennen, wie aus der Telekom-Messezeitschrift „Fairline“ im März 1994 hervorgeht. 

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Titelseite des Funkschau-Beilegers "Alles über das digitale D1-Netz" (1992).

Natürlich gab es auch viel Presse zum neuen D-Netz, wie einen mehrseitigen Beileger der Telekom in der Funkschau 23/92. Und: Stolz auf die Aufbauarbeit. Zum Beispiel an der Zugspitze, dem höchsten Arbeitsplatz der Telekom-Techniker (Fairline, März 1994).

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Telekom-Techniker auf der Zugspitze. Laut der Messezeitschrift "Fairline" wurde die "modernste Mobilfunktechnik" 1993 auf dem höchsten Berg Deutschlands montiert. 

Diese Anfrage zum Start des D1-Netzes ist nur eine von vielen, die Wolfgang Richter zur Geschichte der Telekom erhält. Der Recherche-Service des Unternehmensarchivs richtet sich in erster Linie an Telekom-Kollegen. Mal geht es um Werbung für die Mondscheintarife aus den 80ern, mal um Daten zum Netzausbau oder Fotos von den ersten Telekom-Läden. Nicht immer wird Richter fündig. Doch wo es geht, hilft der Archivar weiter, auch mit Tipps zu anderen Sammlungen oder Museen. Und wenn möglich, recherchiert er mindestens zwei unterschiedliche Quellen. Damit alles hieb- und stichfest ist. Da ist er durch und durch Historiker. 

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Telefone aus drei Jahrhunderten. Mehr Geräte gibt es in den Museen für Kommunikationsgeschichte: www.museumsstiftung.de 

 

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