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Lisa Machnig

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Mehr Resilienz: Wie Unternehmen in die eigene Widerstandsfähigkeit investieren

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Resilienz ist mehr als nur ein Modewort. Die Pandemie hat gezeigt wie wichtig es ist, dass Unternehmen wirklich frühzeitig in die eigene Widerstandskraft investieren. Das von der Telekom in Zusammenarbeit mit Mind Digital, dem  Beraternetzwerk für Digitale Zukunftsmärkte herausgegebene Trendbook Business Resilience diskutiert wichtige Fragen. „Die Zeiten bleiben unsicher und sprunghaft“, sagt Bernhard Steimel, Leiter Mind digital. Er gibt Tipps, wo Unternehmen ansetzen können.  

Resilienz

In der Psychologie ist Resilienz bekannt als Fähigkeit, die Menschen hilft, besser durch Krisen zu kommen und auch persönlich daran zu wachsen. Wie grenzt sich Resilienz im Geschäftsleben dagegen ab? 

Resilienz bedeutet Widerstandskraft. Bei Unternehmen geht es also darum, Erschütterung besser zu ertragen und widerstandsfähiger zu werden. Resiliente Unternehmen ertragen zyklische und strukturelle Veränderungen von Angebot und Nachfrage auch in Krisenzeiten gut. Sie sind in der Lage, in Krisen trotzdem noch Gewinn zu erwirtschaften. 

Ist Resilienz nur ein Thema für große Unternehmen?

Nein, jedes Unternehmen – ob klein oder groß – muss sich um mehr Widerstandskraft bemühen.  

Bernhard Steimel, Leiter des Berater-Netzwerks Mind digital und Herausgeber des Trendbooks Business Resilience

Bernhard Steimel, Leiter des Berater-Netzwerks Mind digital und Herausgeber des Trendbooks Business Resilience.

Was macht resiliente Unternehmen aus und was unterscheidet sie von anderen Unternehmen?

Bei unseren Untersuchungen haben wir fünf Merkmale für resiliente Unternehmen festmachen können. 

  1. Diese Unternehmen treffen frühzeitig harte Entscheidungen! Sie akzeptieren, dass sie etwas Grundlegendes verändern müssen. Sie schneiden alte Zöpfe ab. In der Coronakrise haben wir das oft beobachten können. Große Messe- oder Eventveranstalter, die sich schnell für virtuelle Messekonzepte eingesetzt haben. Bekleidungshäuser, die schnell einen Online-Shop gestartet haben, um ihre Kunden nicht zu verlieren. 
  2. Schnelligkeit ist wichtig. Manche Prozesse kann man nicht aussitzen, man muss schnell etwas tun. Einen neuen Weg beschreiten, ein zusätzliches Angebot etablieren. 
  3. Stärke entwickeln und gerade in der Krise nicht vor wichtigen Investitionen zurückschrecken. Beispiel: die Not der Spargelbauern, als die Erntehelfer aus Osteuropa wegen Corona nicht mehr einreisen durften. Es war eine schnell realisierte Online-Plattform, die die Spargelbauern mit der Zielgruppe derer, die hier bei uns Arbeit suchten, zusammengebracht hat. Und damit die Spargelernte gerettet hat.
  4. Smarter werden. Unternehmen, die mehr Digitalisierung wagen, sind widerstandsfähiger. Die digitalen Vorreiter sind einfach besser durch die Krise gekommen. Warum?  Es hat viele Unternehmen gerettet, dass sie schnell in digitale Arbeitsplatzkonzepte und IT-Infrastruktur für ihre Belegschaft investiert haben. So konnten sie die Mitarbeitenden ins Home-Office schicken und damit Produktivität sichern.  
  5. Empathischer werden: Unternehmen sollten verstärkt einen Stakeholder orientierten Blick auf die Wirtschaft realisieren, Kundenzentrierung wird viel beschworen, doch in der Coronakrise zeigte sich Nachholbedarf. Die Unternehmen mussten digitalisieren, um den Kontakt zu ihren Kunden aufrecht zu erhalten. Unternehmen wie zum Beispiel Adidas bauen ihre Customer-Experience-Programme aus und führen Daten über alle Kunden-Interaktionspunkte hinweg zusammen, um konsistente Kundenerlebnisse zu ermöglichen. 

Was sind die Top-Handlungsfelder für mehr Widerstandskraft?

Aus meiner Sicht ist das erste Handlungsfeld Customer Experience, also das Kundenerlebnis. Warum ist das so wichtig? In unsicheren Zeiten wollen Unternehmen schnell verstehen, wie sie mit begrenztem Aufwand neue Kundenerlebnisse schaffen können. Und den Nutzen ihres Produktes für den Kunden erhöhen können. Auch digitales Qualitätsmanagement wird wichtig. Aber: Kundenorientierung first! Denn Effektivität geht vor Effizienz. 

Das zweite Handlungsfeld betrifft die unternehmerischen Prozesse. Diese sind so wichtig, weil es darum geht, als Unternehmen schneller zu werden. Geschwindigkeit ist eine der wichtigsten Fähigkeiten von Unternehmen in unsicheren Zeiten. Für Lieferketten ist das besonders relevant. Denken wir nur an den erst kürzlich passierten Schiffsstau im Suezkanal zurück. Dies führte zu verspäteten Lieferungen von drei bis vier Wochen. Der Stau verteuerte Lieferungen aufgrund fehlender Container zusätzlich bis zum fünffachen des normalen Preises.  Mit Digital Supply Chain können Risiken in der Lieferkette mit Software entdeckt werden. So kann man für mehr Liefertransparenz sorgen.  Letztlich auch sehr wichtig ist Robotic Process Automation (RPA).  Hier eröffnet sich bei der Prozessoptimierung eines der wichtigsten Handlungsfelder, um Prozesse auch menschgerecht zu automatisieren. Denn bei RPA gibt es nur Gewinner: Schnellere Leistung zum einen. Und Mitarbeiter werden von stupider Tätigkeit befreit und haben mehr Spaß am Job, denn der Roboter übernimmt einfache, wiederkehrende Aufgaben.

Das dritte und schwierigste Handlungsfeld ist die Technologie. Hier geht es um alles, was das digitale Fundament betrifft. Es betrifft den Maschinenraum eines Unternehmens: Cloud, Security, Infrastruktur und Entwicklung und Betrieb von Software, Basis-Informationen. Widerstandsfähige Unternehmen brauchen Sicherheit für ihre kritische Infrastruktur. Digitalisierung wird zum Überlebensfaktor in Krisen: es geht darum, trotz Störungen weiterhin betriebsfähig und flexibel zu sein. Beispiel: Wenn die Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, ist eine gute Datenleitung und die Zuverlässigkeit der Infrastruktur elementar fürs Geschäft. Deshalb gilt: Unternehmen müssen frühzeitig IT-Investitionen konsolidieren, sie müssen ein Zielbild entwickeln – wie sie in Zukunft arbeiten wollen.

Es gibt eine Menge zu tun.  Wie können Unternehmen konkret anfangen, in die eigene Resilienz zu investieren? 

Mein Rat an jedes Unternehmen ist, sich auf diese drei Punkte zu fokussieren:

  • Sinnstiftender Zweck als Kompass in unsicheren Zeiten
    Wenn Sinn im Zentrum der Arbeit steht, kommen Mitarbeiter besser mit Unsicherheiten klar und sind engagierter. Die Unternehmensstrategie gehört auf den Prüfstand, um ein Zielbild für die neue Realität zu entwerfen.
  • Schnelle Entscheidungen für digitale Wachstumsinitiativen
    Schnelle Entscheidungen sind oft besser und zukunftsfähiger. Dahinter steckt meist eine bessere Organisationsstruktur. Die oberen Ebenen der Führung treffen strategische Entscheidungen. Die Umsetzung der Projekte wird vor Ort von den Teams entschieden.
  • Unternehmermut und Vertrauen in die eigene Lernfähigkeit
    Resiliente Unternehmen sind auch unter Belastung handlungsfähig. Dazu benötigen sie Mut, um notwendige Entscheidungen zu treffen. „Wir schaffen das!“-Mentalität ist in der Krisenbewälti¬gung gefordert. Wer sich den Wandel nicht zutraut, hat schon am Start verloren. Wichtig: Die digitalen Vorreiter haben es leichter, neue Talente zu gewinnen. Deshalb müssen Unternehmen eine Kultur schaffen, die anziehend für Talente ist und die Basis erfolgreiche Resilienz im Unternehmen bildet. 
Die Prioritäten ändern sich. Vieles, was früher Kür war, ist heute Pflicht.

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Die globale Wirtschaftskrise beschleunigt die vorhandenen Trends. 

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