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Markus Jodl

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Was die Suche nach einem Mast-Standort in Dettelbach schwer macht

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Wir jagen Funklöcher. Doch manchmal sind die schwer zu erlegen - etwa in Dettelbach, wo wir auf besondere Probleme stoßen. Gibt es noch eine Lösung?

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Funkloch-Safari - hier wird ein Standort gesucht, der das Funkloch in Dettelbach schließt.

Bauwerke, die hoch hinauswollen - sie haben in Dettelbach im unterfränkischen Weinbaugebiet durchaus Tradition. Schon das Stadtwappen aus dem 15. Jahrhundert zeigt eine beeindruckende rote Burg mit zwei hohen Zinnentürmen, der ein Bischof seinen Segen erteilt. Mehr als fünfhundert Jahre später strebt Dettelbach, 20 Kilometer östlich von Würzburg, erneut nach oben - diesmal mit dem Segen des Gemeinderats.

Denn im Rahmen der Aktion "Wir jagen Funklöcher" der Deutschen Telekom engagiert sich die örtliche Politik dafür, mit einer neuen Mobilfunkanlage das Funkloch in drei Dettelbacher Stadtteilen zu stopfen. Und weil sich der Gemeinderat auch in Sachen Standortsuche sehr aktiv einbringt, kommt das Projekt - trotz einiger Hürden - gut voran. Das Beispiel

Dettelbach zeigt, wie das Schließen von Funklöchern konkret vor Ort funktioniert.

Raus aus dem Funkloch

Um endlich alle Bürger mit zeitgemäßem mobilem Internet versorgen zu können, sind die Dettelbacher Kommunalpolitiker für neue, findige Ideen überaus aufgeschlossen. 2019 hat die Telekom hier bereits den weltweit wohl ersten Mobilfunkmast in Betrieb genommen, den eine Brennstoffzelle mit Strom versorgt. Die Anlage, die damit ohne lokale CO2-Emissionen funktioniert, liefert Mobilfunk für den Ortsteil Euerfeld.

Im Zuge dieser Zusammenarbeit verriet Dettelbachs zweiter Bürgermeister Herbert Holzapfel der Telekom, dass es weiteren Bedarf gibt: "Wir haben drei Ortsteile mit insgesamt gut 550 Einwohnern, die bisher noch gar nicht mit Mobilfunk versorgt werden." Und Dettelbach war dann auch eine der ersten Gemeinden, die sich für die Aktion "Wir jagen Funklöcher" beworben hat.

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Das Problem: Alle unterversorgetn Ortsteile liegen in einer Linie und teilweise hinter Hügeln.

Mit diesem Projekt will die Telekom 50 Kommunen ans Mobilfunknetz bringen, bei denen die wirtschaftlichen Voraussetzungen eigentlich nicht erfüllt sind. Doch bei der Funklochjagd sollen Engagement und Eigeninitiative der Gemeinden belohnt werden - wie beim Paradebeispiel Dettelbach.

Kein Mobilfunk auf dem Garagendach

Grundvoraussetzung bei "Wir jagen Funklöcher" ist, dass die Gemeinde bereit ist, der Telekom einen geeigneten Standort für eine Mobilfunkanlage vorzuschlagen und zu vermieten. Einen Standort haben die Unterfranken der Telekom denn auch angeboten - nur mit dem "geeignet" hat es zunächst gehapert. Denn ein Garagendach als erster Vorschlag hat sich als viel zu niedrig erwiesen. Außerdem ist eine Garage statisch gar nicht dafür geeignet, um einen Mobilfunkstandort aufzunehmen.

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Der vorgeschlagene Standort ist schon statisch kaum geeignet für eine Antenne.

Trotzdem blieben die Kommune und auch die Telekom daran interessiert, das Funkloch in den Ortsteilen Neusetz, Schnepfenbach und Brück zu schließen - falls sich ein anderer passender Standort findet. Nachdem die ungeeignete Idee mit der Garage verworfen wurde, hat die Gemeinde weitere potenzielle Standorte vorgeschlagen - das Dach einer bereits 1969 geschlossenen Schule, oder ein freies Feld als Platz für einen Mast-Standort.

Die Planung in Dettelbach

Bei einem Treffen vor Ort nehmen Vertreter von Kommune und Telekom die Vorschläge genauer unter die Lupe. Die drei Ortsteile liegen in einer relativ geraden Linie an der Staatsstraße 2270, nur gut 2,5 Kilometer voneinander getrennt. Jörg Muck, Produktionsleiter Süd der Deutsche Funkturm GmbH, schaut sich die Lage auf einer Karte genau an. Sein Unternehmen ist die Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, die Antennenträger plant, realisiert und vermarktet.

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Herbert Holzapfel (links), 2. Bürgermeister Dettelbach, und Jörg Muck (rechts), Produktionsleiter Süd Deutsche Funkturm, diskutieren mögliche Standorte.

Sein Eindruck: "Auf den ersten Blick würde ich sagen, die Versorgung könnten wir am besten über den mittleren Ortsteil gewährleisten." Also mit einer Mobilfunkstation in Schnepfenbach, die dann auch Neusetz und Brück abdeckt.

Mobilfunk, der (keine) Schule macht

Bei einer technischen Baubegehung nimmt die Telekom die beiden Standortvorschläge in Augenschein. Das klare Ziel der Funknetzplaner: Drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen - also alle drei Ortsteile und ihre 550 Einwohner von einem gemeinsamen Standort aus zu versorgen. Das wäre wirtschaftlich die weitaus tragfähigste Lösung. Doch das ist inmitten der hügeligen Weinbaulandschaft schwierig zu realisieren.

Für die ehemalige Schule als Standort haben die Telekom-Experten dann auch nur die Note "Mangelhaft" parat. Denn nicht weit entfernt steigt die Landschaft schon wieder an. Und auf den benachbarten Hügeln stehen die Häuser höher als die Schule. Ein Antennenmast müsste die maximal erlaubten zehn Meter Höhe also voll ausschöpfen. Das würde aber statische Fragen aufwerfen, und wäre trotzdem keine geeignete Lösung, wie Pascal Heim, Bauleiter der Deutschen Funkturm, weiß: "Wir können die ehemalige Schule ausschließen, die tatsächlich nur einen Ortsteil versorgen könnte."

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Pascal Heim, Bauleiter Deutsche Funkturm

Drohnenflüge in Schnepfenbach

Nachdem die Schule als potenzieller Standort durchgefallen ist, nehmen die Experten der Telekom das kommunale Grundstück für einen Mobilfunkmast in den Weinbergen unter die Lupe. Dabei kommt eine Drohne zum Einsatz. Ihre Luftbilder zeigen, ob in der Standardhöhe eines solchen Mastes von 40 Metern tatsächlich alle drei Ortsteile zu sehen sind. Denn: Nur wo freie Sicht besteht, können sich auch Mobilfunksignale ungehindert ausbreiten. So wie es aussieht, ist ein Standort in den Weinbergen quasi ein "Mast-have", anders lassen sich Neusetz, Schnepfenbach und Brück nicht über eine gemeinsame Station versorgen.

Doch der Drohnenflug bringt ein ernüchterndes Ergebnis. Denn erst auf 52 Metern wird auch Neusetz sichtbar - und so hoch kann der Mast nicht gebaut werden. Zudem ist fraglich, wie sich eine Station hier mit Strom versorgen lässt, und wie die Daten per Richtfunk abfließen können. Beim nächsten Versuch, noch höher in den Weinbergen, sind Schnepfenbach und Neusetz beim Drohnenflug aus 40 Metern Höhe zwar gut zu sehen. Aber um auch freie Sicht auf Brück zu haben, muss der Copter bis auf 72 Meter steigen.

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Erst auf 72 Metern Höhe wird der Ortsteil Brück hinter dem Hügel sichtbar. Keine Chance für einen Mast hier.

Die Standortsuche im hügelig-idyllischen Dettelbach steht im wahrsten Sinne des Wortes vor größeren Hindernissen.

Happy End in 30 Metern Höhe

Aller guten Dinge sind "Fly" - denn der dritte Drohnenflug an einem weiteren Standort im Weinberg lässt die Verantwortlichen von Gemeinde und Telekom endlich aufatmen. Hier sind Neusetz, Schnepfenbach und Brück bereits aus einer Höhe von 30 Metern alle einwandfrei zu sehen - und damit hätten auch Mobilfunksignale "freie Fahrt".

Ebenfalls wichtig: Ganz in der Nähe gibt es einen Strom-Übergabepunkt. Und der nächste befestigte Weg ist nicht weit entfernt. Das ist wichtig, um den Standort hier überhaupt errichten und warten zu können. Damit den Funklochjägern von Dettelbach nicht langweilig wird, gibt es an diesem Wunschstandort aber ein ganz anderes Problem. Denn das optimale Grundstück gehört nicht der Gemeinde, sondern befindet sich in Privatbesitz. Nun muss die Kommune klären, ob der Besitzer bereit ist, den Grund an die Telekom zu vermieten - oder ob es oben auf dem Weinberg doch noch vergleichbare Grundstücke der Gemeinde gibt.

Die spannende Jagd in Unterfranken geht weiter.

Die Suche nach einem Standort in Dettelbach als Video:

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Markus Jodl

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Dieser Mobilfunk-Standort läuft mit Brennstoffzelle

Wenn Mobilfunk an abgelegener Stelle gebaut wird, braucht es oft Stromgeneratoren. Bisher liefen die mit Diesel, doch jetzt gibt es eine Alternative: Wasserstoff.

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