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Thorben Stange

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IP Umstellung: Der Daniel Düsentrieb der Telekom

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Bei großen Projekten helfen manchmal kleine Erfindungen. Eine von der Telekom wurde sogar ausgezeichnet. Der Erfinder erzählt, wie es dazu kam.

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Stolze Preisträger bei der Verleihung

"Dem Ingeniör ist nichts zu schwör." Unter diesem Motto erfindet Disney-Genie Daniel Düsentrieb seit 1952 bahnbrechende Neuheiten wie das butterlose Butterbrot, das tragbare Loch oder die schweigende Schallplatte für Musikmuffel.

Mit Telekommunikation hatte das schlaueste Huhn von Entenhausen bisher aber nur am Rande zu tun, auch wenn das Telefon mit eingebautem Bügeleisen durchaus für Furore sorgte. Dass sich Daniel Düsentrieb um die Umstellung von Telefon und Internet auf die moderne IP-Technik verdient gemacht hat, ist aber nicht überliefert. Macht auch nichts. Denn das erledigt bei der Deutschen Telekom in Bonn sein Bruder im Geiste für ihn.

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Zu Besuch bei Michael Kasprzyk

Dank zwei wegweisender Erfindungen von Techniker und Tüftler Michael Kasprzyk wurde die IP-Umstellung in Deutschland deutlich einfacher, schneller und kostengünstiger. Wir verraten, was der Telekom-Düsentrieb ausgeheckt hat.

Die beste Idee des Jahres

Mit der Umstellung auf das Internet-Protokoll (IP), die mittlerweile so gut wie abgeschlossen ist, hat die Telekom ihr Netz in den letzten Jahren modernisiert und zukunftssicher gemacht. Telefon und Internet laufen nun nicht mehr über getrennte Systeme. Stattdessen gibt es nur noch ein gemeinsames internetbasiertes Netz für Telefon, Fernsehen und Daten.

Die Kunden profitieren davon unter anderem mit schnelleren Internetleitungen, mehr Komfort und höherer Ausfallsicherheit. Das Modernisierungsprojekt war extrem zeit- und kostenaufwändig. Dafür, dass Michael Kasprzyk diese Migration spürbar erleichtert hat, erhielt er den Deutschen Ideenmanagement Preis 2019 in der Kategorie "Produktion und Technik".

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Urkunde für den Deutschen Ideen Management Preis

Das Telekom-Superhirn hatte also die beste technische Idee des Jahres in ganz Deutschland.

Viele Schritte zu IP

Um bestehende Anschlüsse mit ISDN oder analogen Telefonen auf die IP-Plattform umzustellen, sind zahlreiche Einzelschritte notwendig. Am Anfang steht dabei der Kunde, den die Telekom vom Nutzen und von den Vorteilen der neuen Lösung überzeugen muss. Fachleute wie Michael Kasprzyk sprechen von der "Marktmigration": "Dabei werden die Kunden von einem Altprodukt mit ISDN oder analoger Telefonie auf ein Produkt umberaten, das komplett IP-fähig ist."

Nächste Schritte sind die "BNG-Readyness" und die Migration auf den BNG. Das Kürzel steht für den "Broadband Network Gateway", also für das neue System, das die Zahl der Netzknoten deutlich reduziert und mit dem die Daten einfacher, schneller und stabiler fließen. Die Anschlüsse der Kunden müssen also zunächst für die neue Plattform vorbereitet und schließlich umgestellt werden.

Abschließender Schritt ist dann die Aktivierung von VDSL-Vectoring - eine Technik, die Störungen in den Leitungen minimiert und damit Downloads mit bis zu 250 Megabit pro Sekunde ermöglicht. Am Ende dieses Prozesses steht dann, so Michael Kasprzyk, eine "All IP Welt", die komplett internetbasiert ist.

Die erste Idee des Telekom-Düsentrieb

In der Theorie klingen die einzelnen Schritte, die für die IP-Umstellung erforderlich sind, logisch und schlüssig. Doch in der Praxis gibt es viele Hürden. Tüftler Kasprzyk erklärt eine davon: "Für die Marktmigration brauchen wir Ersatzprodukte in der neuen IP-Welt, die es zuvor in der Altwelt gab." Sprich: Alles, was bei den Telekom-Kunden mit der alten Technik funktioniert hat, muss auch mit IP klappen.

Und hier war vor allem der Übergang schwierig, zum Beispiel bei Telefonanlagen mit Nebenstellen, wie sie meist Geschäftskunden verwenden. Um sie auch während der Migration am Laufen zu halten, hätte die Telekom eigentlich nur für die Übergangszeit aufwändige neue Netzknotenpunkte und Verteilerkästen aufbauen müssen. Nach Abschluss der Umstellung wären sie dann wieder abgebaut worden. "Das ist teuer und verbraucht eine Menge Energie, was in Sachen Nachhaltigkeit nicht so schön ist", weiß Michael Kasprzyk.

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Kleines Bauteil mit großer Wirkung

Er erfand eine bessere Lösung - einen kleinen Koppler, einen Verbindungsstift, der mittlerweile europaweit patentiert ist. Er stellt in der Übergangszeit die erforderlichen Verbindungen zwischen der "alten" und der "neuen" Welt her. Deutschlandweit hat die Telekom dank diesem Puzzlestück, das Kasprzyk "einen kleinen Kunstgriff" nennt, über 13.000 Neubauten von Verteileranlagen vermieden.

Die zweite Idee des Telekom-Düsentrieb

Linecards sind wichtige Netzwerk-Elemente in den Multifunktionsgehäusen der Telekom, in den großen grauen Kästen am Straßenrand. Auf diesen Linecards werden die Ports für die Leitungen, die zu den Kunden führen, zusammengefasst. Bis zu 96 Ports liegen auf einer einzigen Linecard. Das klingt zwar nach viel. Aber wenn alte Technik noch funktionieren soll, und parallel neue Technik installiert wird, werden für den Übergang oft deutlich mehr Ports benötigt. Das hätte eigentlich an über 3.500 Standorten dazu geführt, dass die Telekom mit großem Zeit- und Geldaufwand weitere Verteilerkästen als Zwischenlösung aufbauen muss.

Auch hier hat Michael Kasprzyk gegrübelt - und eine Lösung gefunden, für die er nun mit dem Deutschen Ideenmanagement Preis ausgezeichnet wurde. Sein so genannter "heißer Linecard-Tausch" ermöglicht die Umstellung im laufenden Betrieb, bei der die bisherigen Ports weiterverwendet werden. Die Kunden sind dabei nur rund zwei Minuten offline, und die Techniker benötigen keine zusätzlichen Ports.

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Michael Kasprzyk (rechts), Deutsche Telekom Technik GmbH

Der Kern der cleveren Idee, die den Aufbau neuer Infrastruktur als Zwischenlösung überflüssig macht: Das System stört sich nicht mehr daran, dass sich der Typ der Linecard geändert hat. Und es stellt die von den Kunden gebuchten Produkte automatisch wieder her. "Das war bisher so nicht vorgesehen", erklärt der findige Michael Kasprzyk stolz.

Und wie kommt man auf solche Ideen?

"Zuerst ist da ein Mangel, den man erkennt. Ich versuche tatsächlich immer, über den Tellerrand hinauszuschauen", erklärt der Telekom-Tüftler. "Auch wenn es mich eigentlich gar nicht betrifft, wenn es nicht mein Themengebiet ist, oder ich keinen Auftrag dafür habe, versuche ich mir trotzdem zu überlegen, wie ich helfen könnte."

Und mit seinen Ideen lag er bisher immer goldrichtig. Schwere Rückschläge oder Tiefpunkte, an denen er mit seinen Konzepten in eine Sackgasse gerät? Kennt er nicht. "Tatsächlich gab es diesen Fall bisher noch nicht", lacht Michael Kasprzyk. Hier unterscheidet er sich dann doch vom Erfinder-Kollegen Daniel Düsentrieb. Der landete schon zahlreiche Flops wie die Milchflasche auf einer Stelze, um beim Hüpfen Sahne zu schlagen. Auch die Dunkelbirne, die in taghellen Räumen nächtliche Finsternis verbreitet, setzte sich nicht durch.

Die ganze Geschichte im Video

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Lena Raschke

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