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Das Internet der Dinge in der Logistik: "Die Chancen sind unglaublich groß"

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Rami Avidan, verantwortlich für das Internet der Dinge Geschäft (IoT) bei der Deutschen Telekom, spricht über das Potenzial von IoT in der Logistikbranche.

Rami Avidan, verantwortlich für das Internet der Dinge Geschäft bei der Deutschen Telekom.

„Die Margen in Logistik und Lieferkette sind eher gering. Mit der neuen Technologie IoT können Unternehmen entscheidende Optimierungen erzielen.”

Wie weit ist die Nutzung des Internets der Dinge im Bereich der Logistik und der Lieferkette?

Rami Avidan: Schauen wir uns alle vertikalen Märkte der ganzen Welt an, nutzen die meisten von ihnen zu etwa zehn bis 20 Prozent Lösungen aus dem Internet der Dinge, manchmal darunter. Die Logistik ist wahrscheinlich die Industrie mit der stärksten Durchdringung von IoT. Doch ist der Einsatz von IoT in Lkws nach wie vor nicht sehr hoch. Das liegt am Altbestand. Sind Flotten seit 20 Jahren im Einsatz, ist die Umrüstung auf diese Technologien teuer. Aber die Chancen für die Logistik sind unglaublich groß.

Warum sind die Chancen so vielversprechend?

Rami Avidan: Die Margen in der Logistik und Lieferkette sind eher gering. Mit der neuen Technologie IoT können Unternehmen entscheidende Optimierungen erzielen. Fällt ein Lkw beispielsweise unvorhergesehen aus, verursacht das enorme Kosten. Sind die Fahrzeuge über Telematik-Dienste vernetzt, weiß das Unternehmen, wo sie sind und wie sie sich verhalten. Mit diesen Informationen können sie die Unternehmensprozesse optimal gestalten: Wird etwas kaputt gehen, muss das Fahrzeug in die Werkstatt, sollte bereits das Ersatzteil bestellt werden, … So ist die Ausfallzeit des Fahrzeugs möglichst gering. 

Stichwort vernetzte Container: Kunden berichten uns immer wieder, dass sie große Lkw-Ladungen verlieren. Sogar komplette Lkw beladen mit Autos werden gestohlen. Es ist möglich, Lkws per Tracking-Funktion ab Beladen der Fahrzeuge zu beobachten. Der Kunde ortet sie über Geo-Fencing und legt fest, welchen Bereich sie nicht verlassen dürfen. Weichen die Lkws von ihrer Route ab, können die Unternehmen sofort Alarm auslösen. Vielleicht sogar die Polizei benachrichtigen.

Gerade im Einzelhandel spielt die Lieferkette eine große Rolle. Wo hilft die Digitalisierung? 

Rami Avidan: Die Margen im Einzelhandel sind eher niedrig, insbesondere im stationären Einzelhandel. Wir bieten dem Einzelhandel alles: von der tatsächlichen Vernetzung des Ladens mit Konnektivität, also Festnetz bis zur WLAN-Infrastruktur, bis hin zur Vernetzung der angeschlossenen Ressourcen innerhalb des Ladens. Dazu die smarte Kasse mit Anschluss an das Warenwirtschaftssystem oder Regale, die in Echtzeit mit dem Lager kommunizieren, wie viele Produkte im Ladengeschäft sind und ob nachbestellt werden muss. Oder die dynamisch sich ändernden Preise. Digitalisierung hier ist ein System von Systemen, verschiedene Technologien, die zusammenarbeiten. Einige der größten Kostentreiber für die Märkte sind die Preisänderungen in den Regalen. Wenn die Händler diesen Prozess digitalisieren, kann in der Zentrale jemand auf den Knopf drücken, um den Preis zu ändern. 

Ließen sich Waren mitten in der Nacht ins Lager bringen, könnten die Logistiker viel schneller anliefern. Mit einer T-Systems Lösung kann ein Fahrer auch Zutritt zu einem unbesetzten Lager bekommen. Mit digitalen Schlüsseln kann er das Lager öffnen und die Ware anliefern, die Lieferung bestätigen, abschließen und abfahren. Sicherheit und Datenschutz sind dabei großgeschrieben. Das Lager muss nachts kein Personal stellen, was sehr kostspielig ist.

Wir arbeiten an einer Zusammenführung der Logistikabläufe. Hat ein Händler etwas bestellt, braucht es aber nicht mehr, lässt sich der Lkw dynamisch zu einem anderen Geschäft umleiten, das diese Waren braucht.

Äußere Einflüsse beeinträchtigen den Transport in der Containerschiff-Fahrt. Welche Lösungen gibt es?

Rami Avidan: Telematik-Einheiten mit GPS-Modulen zeigen genau, wo sich die Container befinden. Auf hoher See gibt es jedoch in der Regel keine Mobilfunkmasten. Wetter, lange Umschlagszeiten in Häfen oder Staus in Kanälen können die Ankunft um bis zu 30 Prozent verzögern. Die Lebensmittel kommen verdorben an. Für die Planung des Folge-Transports per Bahn oder Lkw benötigen die Unternehmen zusätzliche Informationsquellen. Solche Informationen sind auf Datenmarktplätzen wie dem Data Intelligence Hub (DIH) verfügbar. 

Der DIH ist im Grunde genommen ein Datenpool, der den Umgang mit Daten in einer Cloud oder Datenbank-Infrastruktur intelligent steuern kann. Dazu bietet er eine Werkbank für Analytik: er ermöglicht Analysen, die Verknüpfung der Daten zu Erkenntnissen und schließlich die Interaktion mit Plattformen für die Planung des betrieblichen Wertschöpfungsprozesses. Darauf basierend können Unternehmen Entscheidungen treffen. Der DIH ist auch ein Datenmarktplatz. Ich denke an die 95 Prozent aller Daten, die wir nicht verwenden, vielleicht sogar einschließlich der 5 Prozent, die wir verwenden. Warum sollten die Unternehmen diese Werte nicht kontrolliert monetarisieren können?

Welche Rolle spielt Konnektivität dabei?

Rami Avidan: Wir dürfen nicht vergessen, dass Konnektivität das Rückgrat des Internets der Dinge ist. In der Welt von IoT ist Konnektivität das hässliche Entlein. Wenn Sie mich fragen: Nehmen Sie Konnektivität aus der IoT-Lösung raus, ist die IoT-Lösung tot. Konnektivität ist grundlegende Voraussetzung. Ist ihr Gerät nicht vernetzt – auch wenn es für sich funktionsfähig ist –, dann haben Sie nichts. 

Rami Avidan über IoT im Podcast der Bundesvereinigung Logistik
Rami Avidan spricht über das Internet der Dinge im BVL-Podcast: Vision and Perspektiven mit IoT für die Logistikbranche, Beispiele und Anwendungsfälle, das Thema Sicherheit und die Bedeutung eines IoT Ökosystems mit vertrauenswürdigen Partnern. 
Im Podcast von BVL.digital lädt die Bundesvereinigung Logistik (BVL) Meinungsführer, Entscheider und Akteure der Logistikbranche ein zu Themen wie digitale Transformation, Nachhaltigkeit, Technologie und Innovation, Start-ups, weltweitem Handel und Logistik zu reden.

Die komplette Folge ist hier abrufbar: BVL.digital, Apple Podcasts, SpotifiyGoogle Podcasts 

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