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Video-Interview mit Isaac Ben Israel, eh. General, Gründer israelisches National Cyber Bureaus, Leiter „Science Technology & Security“ (Universität Tel Aviv)

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Kann eine digitale Welt jemals sicher sein?

Isaac Ben Israel: Sicherheit hat aus meiner Sicht nichts mit Digitalisierung zu tun. Die Welt ist nun mal nicht sicher, ob mit oder ohne Digitalisierung. Sie ist nicht sicher, weil es immer schlechte Menschen geben wird, sei es in feindlichen Ländern, seien es Terroristen oder Kriminelle. Es wird immer schlechte Menschen geben, und sie werden stets die neueste Technologie, einschließlich der Computertechnik, zu ihrem eigenen Vorteil nutzen und nicht für das Wohl der Gesellschaft.

Für mich sind Cyber-Bedrohungen einfach die dunkle Seite der Computertechnik. Wenn man die Computertechnik zum Wohle der Gesellschaft einsetzt, dann ist das die Sonnenseite. Wenn man die Technik aber nur für eigene Zwecke nutzt und der Gesellschaft damit schadet, dann zeigt sich die dunkle Seite. Bei dem Bemühen um Cybersicherheit geht es darum, die dunklen Zwecke zu vereiteln. Es gibt keine Möglichkeit, hundertprozentige Sicherheit zu erzielen. Wir sollten mit Cyberangriffen so umgehen wie mit jeder anderen Bedrohung in der Welt auch - z.B. der Kriminalität. Das heißt, wir müssen Verbrechen bekämpfen, wir müssen alles tun, um die Kriminalitätsrate zu senken, aber wir dürfen nicht erwarten, dass sie jemals bei Null liegen wird.

Hochkulturen können kollabieren. Droht uns so ein Schicksal?

Isaac Ben Israel: Es gibt einige spezielle Risiken bei der sogenannten Cybertechnik, um die wir uns kümmern müssen, weil sie sonst auf die eine oder andere Weise den Kollaps unseres Weltgefüges bewirken könnte.

Wie gesagt, bei der Cybersicherheit geht es um die dunkle Seite der Computertechnik. Und die Computertechnik birgt einige Risiken. Das größte Risiko ist der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz, das ausgeprägte Lernen von Maschinen, lernfähige Algorithmen, die sich so entsprechend selbst verändern können. Und indem wir Maschinen derartige Fähigkeiten geben, könnten wir die Kontrolle über sie verlieren. Es gibt Kinofilme zu diesem Thema „The Age of Machines“ und „Terminator“ z.B. und noch viele andere bekannte Filme. Es handelt sich um ein reales Problem. Wenn wir uns selber keine Grenzen auferlegen bei der Verwendung und Nutzung solcher Algorithmen, die ihre Arbeit dann unkontrolliert erledigen, schaffen wir möglicherweise am Ende einen sogenannten Golem, ein Monster, das sich gegen uns wendet.

Was müssen wir tun, damit wir auf einem positiven Weg bleiben? 

Isaac Ben Israel: In einigen Bereichen, am besten zeigt sich das vielleicht in den Biowissenschaften, setzen wir der Forschung Grenzen. Wir haben ja die sogenannten Helsinki-Komitees. Bevor wir mit Forschungsarbeiten im Bereich der Biowissenschaften beginnen, stellen wir uns die Frage nach den möglichen Risiken. Ich meine, wir wollen doch nicht, dass jemand an der Uni im Labor einen Virus entwickelt, der dann irgendwie entwischt und am Ende die ganze Menschheit auslöscht. Daher müssen wir uns, bevor wir den ersten Schritt machen, erst einmal fragen, welche Risiken es gibt und was wir tun können, um so etwas zu vermeiden. Ich denke, wir sollten einige dieser Maßnahmen auch auf die Computertechnik übertragen.

Im ersten Moment denkt man in diesem Bereich nicht so daran ‑ ich meine, dass von einem biologischen Virus eine gewisse Gefahr für die Menschheit ausgeht, kann sich jeder vorstellen. Aber wenn wir an Computer denken, sehen wir nur, dass sie unser Leben schöner und einfacher machen usw. Aber jetzt, wo es Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen gibt, müssen wir uns genauso um die virtuellen, nichtbiologischen Viren kümmern wie anderswo um die biologischen. Das bewegt sich mehr oder weniger auf derselben Ebene.

Was wäre Ihr Rat an andere Staaten? 

Isaac Ben Israel: Na ja, ich könnte Ihnen einiges dazu sagen, wie Israel mit diesem Problem umgegangen ist, aber das heißt noch lange nicht, dass diese Lösung auch für alle anderen Länder passt. Ich leite an der Universität von Tel Aviv das Cyberzentrum für interdisziplinäre Forschung. Wir nennen es interdisziplinär, weil wir der Ansicht sind, dass Cyberprobleme niemals nur technischer Natur sind, obwohl es in der Regel technische Lösungen dafür gibt. Man muss auch rechtliche Probleme berücksichtigen, die Psychologie des Einzelnen, wirtschaftliche Aspekte, politische Gesichtspunkte usw. Wenn man diese weicheren Dimensionen des Problems nicht versteht, versteht man das ganze Problem nicht und weiß daher nicht, welche Technik entsprechend eingesetzt werden muss.

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