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Holger Steltzner, Mit-Herausgeber der F.A.Z., im Video-Interview mit Tim Höttges

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Ein Interview mit Holger Steltzner, Mit-Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

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Herr Dr. Steltzner, ein paar Fragen zur digitalen Zukunft und der digitalen Verantwortung. Wir suchen Antworten auf die Frage: Was passiert in der Zukunft? Ihr Beruf im Hintergrund - würden Sie Ihren Kindern heute empfehlen, Journalist zu werden in einer digitalen Welt?

Holger Steltzner: Ja, das würde ich. Ich glaube zwar nicht, dass sie es machen werden, weil sie eine andere Richtung gerade einschlagen, aber falls sie diesen Umweg nachher noch machen wollten und zurückkehren zum Journalismus, würde ich ihnen von Herzen dazu raten, weil es einfach ein wunderschöner Beruf ist. Aber er verändert sich. Trotzdem, der Kern des Journalismus bleibt gleich. Ich würde ihnen dazu raten, auch wenn es bestimmt nicht einfach ist oder noch schwieriger wird, weil dieser Beruf unglaublich viel zurückgeben kann.

Was ist in fünf bis zehn Jahren anders im Beruf des Journalisten zum heutigen?

Holger Steltzner: Vieles wird sicherlich automatisiert über den Algorithmus geschehen. Viele Routineberichte werden nicht mehr Menschen schreiben. Das ist heute in Teilen der Hashtag-Berichterstattung oder auch der Sportberichterstattung schon der Fall. Die meisten Texte, die wir über Produkte im Internet lesen, sind von Maschinen geschrieben; das wird noch viel stärker werden. Aber die Zusammenhänge zu erkennen, die Hintergründe einzuordnen, zu kommentieren und in einem kreativen Prozess des Schreibens zu überraschen - das wird immer nur der Mensch können. Und deswegen brauchen wir weiter Journalisten.

Also, der Algorithmus ist nicht neutraler als der Journalist, aber der Journalist ordnet die Meinung noch mal besser ein und er schafft sozusagen die besondere Note der Information?

Holger Steltzner: Die Menschen wollen doch nicht nur neutrale Information, sondern sie wollen auch Haltung, sie wollen sich mit einer Meinung, einer Haltung eines Journalisten auseinandersetzen, sie wollen sich auch einmal reiben an einem Kommentar, sie wollen Widerspruch oder manchmal auch Zustimmung erfahren. Das Individuelle macht doch den Journalismus auch aus.

Es gibt heute Online-Plattformen, die selektieren, wie hoch die Klickraten von bestimmten News und von Informationen sind, und setzen die dann entsprechend einfach nur recycelt oder neu gestaltet auf ihrer entsprechenden Plattform als News ab. Wie wichtig sind Klickraten für den Journalismus und die Qualität Ihrer Arbeit?

Holger Steltzner: Für den reinen Online-Journalismus sind sie wichtig, weil natürlich die Klickraten Werbung anziehen können und damit Geschäft ermöglichen. Aber sie dürfen nicht alleiniger Maßstab werden. Weil natürlich das Internet auch ein Stück weit klick- und triebgesteuert ist, heißt das für uns als Qualitätsjournalisten, dass wir nicht nur auf die höchste Klickrate schielen dürfen, sondern auf das, was wirklich relevant ist. Und das kann zum Beispiel - ich nenne mal ein # aus einer weiteren Umgebung - ein Angriff auf eine Koranschule im Land XY sein. Die wird sicherlich keine Klickraten auf sich ziehen, aber sie ist vielleicht relevanter für den Weltfrieden oder für eine kriegerische Auseinandersetzung als etwa die zehn Bilder vom schönsten deutschen Fußballer.

Anderes Thema: Wer wird in Zukunft den Journalismus finanzieren?

Das ist die große Frage, die Millionen-Dollar-Frage, die wir uns alle stellen: Wie können wir unsere Geschäftsmodelle in die digitale Welt übertragen? Wie können wir sicherstellen, dass für Qualitätsjournalismus auch in der digitalen Welt bezahlt wird? Wir alle experimentieren darin. Wir sind noch nicht fündig geworden, mit einem Schlüssel alles aufzuschließen. Das sind wohl viele kleine Modelle, die wir nebeneinanderstellen, und hoffen, dass wir insgesamt damit auch Qualitätsjournalismus weiter finanzieren können.

Wenn Sie die Digitalisierung mit all ihren Auswirkungen nach vorne sehen - sehen Sie eher Risiken für unser gesellschaftspolitisches Modell, in dem wir leben, oder sehen Sie eher, dass die Chancen aus der Digitalisierung überwiegen bei den Möglichkeiten?

Holger Steltzner: Ich glaube, die Chancen sind größer als die Risiken.

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