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Dirk Wössner

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5G in Deutschland: Große Chancen – wenn wir jetzt gemeinsam starten

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Ein Beitrag von Dirk Wössner, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH.​​​​​

Dirk Wössner, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH.

Dirk Wössner, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH.

Unsere heutige Welt ist nicht mehr zu trennen in analog und digital. Der nahezu durchgängige Status von vielen ist „online“. Ob privat oder geschäftlich: Ohne Netz geht nicht viel. Grundlage unseres Alltags sind Breitband- und Mobilfunknetze. Besonders der Standard 5G wird künftig eine dominante Rolle spielen.  

Ohne Zweifel hat die 5G-Versteigerung einen Schatten geworfen. Die Milliardenbeträge, die in die Lizenzen geflossen sind, fehlen für Investitionen ins Mobilfunknetz. Mit dem Auktionserlös hätte man rund 50.000 neue Mobilfunkstandorte bauen und viele weiße Flecken schließen können.

Es wurden Chancen durch das gewählte Auktionsdesign vergeben. Das ist abgehakt. Wir schauen nach vorne. Und sind mit den Frequenzen, die wir ersteigert haben, überaus zufrieden. Die Telekom ersteigerte Frequenzen im Wert von 2,17 Milliarden Euro: Vier Frequenzblöcke im 2 Gigahertz Band sowie neun Frequenzblöcke im Bereich 3,6 Gigahertz. Mit diesen Frequenzen wird die Telekom ein erstklassiges 5G-Netz für Deutschland bauen. Bereits Ende des Jahres sollen im Netz der Telekom rund 300 5G-Antennen funken. 

Was wir uns von 5G versprechen

Im Vergleich zu 4G bietet 5G nicht nur eine deutlich größere Netzkapazität. Es ist um ein Vielfaches schneller und ermöglicht Kommunikation nahezu in Echtzeit: Denn die Verzögerung – die sogenannte Latenz – ist bis zu zehn Mal geringer als beim bisherigen Mobilfunk. Damit ermöglicht 5G die zunehmende Vernetzung von Maschinen im Internet der Dinge. Es ist die Basis, um Industrie 4.0 mit Leben zu füllen. 

Faktoren wie Edge Computing und Network Slicing machen 5G noch leistungsfähiger und den Einsatz in der Produktionswirtschaft noch zuverlässiger. Und sicherer. 

Ein wichtiger Bereich neben Logistik und Mobilität ist Digitalisierung der Fertigungsindustrie. Bei den sogenannten „Campusnetzen“ kommen privater und öffentlicher Mobilfunk zusammen. Ein 5G-basiertes Campusnetz ist künftig die Grundlage, um tausende von Sensoren innerhalb einer Fabrik miteinander zu vernetzen. So entsteht die „smarte Fabrik“, in der alle Maschinen und Planungsprozesse miteinander verbunden sind. 

Egal ob in der Fabrik oder in der digitalen Stadt von morgen: Künftig werden tausende Geräte auf wenigen hundert Quadratmetern in Echtzeit miteinander kommunizieren. Nur 5G bietet die Kapazitäten, um die Daten zu verarbeiten und weiterzuleiten.

Mit Nutzungsmöglichkeiten von 5G befassen

Ich höre oft: Es dauere noch, bis 5G an „jeder Milchkanne“ verfügbar ist. Bis dahin bräuchte man sich nicht mit 5G befassen. Das Gegenteil ist der Fall.

Ich kann Unternehmen ebenso wie Kommunen nur ermutigen, sich schon heute mit den Nutzungsmöglichkeiten von 5G zu beschäftigen.  

Denn wenn wir über die digitale Welt von morgen sprechen, geht es um weit mehr als um die reine Verbindung. Wir sprechen hier über komplett neue Arbeitsweisen. Über Prozesse, die neu gedacht werden müssen. Nicht nur die gesamte Wertschöpfungskette muss digital sein: Von der Innovation über die Produktion und die Logistik bis hin zu Vertrieb und Marketing. Wer im kommenden Jahrzehnt erfolgreich sein will, muss digital denken und handeln. Muss zentral verfügbare Daten managen. Eine klare IT-Infrastruktur vorhalten. Funktionierende inhouse-Netzwerke betreiben. Und Menschen beschäftigen, die in diesem digitalen Ökosystem arbeiten können. Sonst bleibt 5G ein sehr schnelles Netz – aber eben „nur“ ein Netz. 

Dasselbe gilt für Städte und Gemeinden. Ob Steuerung des Verkehrs, Entsorgung, Nachhaltigkeit oder Sicherheit: Jedes dieser Themen wird künftig digital gesteuert. Und alles, was gesteuert wird, braucht weitaus mehr als Konnektivität. Nämlich: umfassende Konzepte. 

Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Wir schließen jedes Jahr zig Schulen direkt an unser Glasfasernetz an. Gute Gedanken brauchen Highspeed. Damit ist es aber nicht getan. Ein Gigabitanschluss ist nur dann wertvoll, wenn die Lerninhalte digital aufbereitet sind. Wenn Schüler passende Endgeräte nutzen können. Wenn Daten sicher übermittelt werden. Wenn Lehrer selbst Digitalkompetenz haben. Ich plädiere für den umfassenden Blick. Sonst blieben gute Ansätze ebendies: Ansätze. Und wertvolle Ideen Stückwerk.  

Im Privatkundenmarkt wird 5G die Unterhaltungsbranche mit der virtuellen Realität in ein neues Zeitalter führen. Standen die bisherigen Standards 3G für Musik und 4G für Video, führt 5G die physische und die digitale Welt zusammen. Virtuelle Realität und Augmented Reality schaffen bislang undenkbare Möglichkeiten in der Unterhaltungsbranche. Ich war in diesem Jahr in Südkorea. Dort sieht man an jeder Ecke: 5G macht Spaß. Schafft Distanzen ab. Und steht vor unserer Tür.

Mobilfunk: Deutlich mehr Standorte für größeren Bedarf 

Das Datenvolumen im Mobilfunk hat sich von 2014 auf 2019 mehr als verzehnfachti  und wird auch in den kommenden Jahren mit Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich weiter ansteigen. 

Da 5G auf den jetzt versteigerten Frequenzen kurzwelliger als LTE funkt, brauchen wir in Deutschland für einen möglichst breiten Ausbau deutlich mehr Mobilfunkmasten als bislang. Allein die Deutsche Telekom wird künftig pro Jahr bis zu 2.000 weitere Mobilfunkstandorte errichten. 

Zur Einordnung: In den rund 30 Jahren unseres Netzausbaus haben wir 30.000 Standorte errichtet. Sie sehen: Wir werden deutlich mehr und deutlich schneller ausbauen müssen, um den Datenhunger Deutschlands zu stillen.  

Der Netzausbau bleibt eine gewaltige Kraftanstrengung. Industrie und Politik tragen gemeinsam die Verantwortung. Die Mobilfunkbetreiber in Deutschland planen, vielerorts das Netz gemeinsam auszubauen – insbesondere im ländlichen Raum. Entscheidende Voraussetzung sind allerdings klare Rahmenbedingungen und Pragmatismus auf Seiten der Behörden. Da gibt es noch einiges zu tun. 

Alle wollen schnellen Mobilfunk, aber keiner will eine Antenne in der Nähe. Das eine ist ohne das andere aber nicht zu haben. Momentan suchen wir an einigen hundert Standorten nach einem geeigneten Platz für einen Antennenstandort. Mal sind es Bauvorschriften, mal sind es Umwelt-auflagen, mal langwierige Bürgerbeteiligungen, die das Aufrichten der Masten erschweren oder gar verhindern. Mal weigern sich Kommunen, öffentliche Liegenschaften für Mobilfunkinfrastruktur zur Verfügung zu stellen.

Im Schnitt dauert es in Deutschland zwei Jahre, bis ein Mobilfunkstandort funkt. Die Politik weiß, dass die Netz¬betreiber Unterstützung im Mobilfunkausbau benötigen – die Mobilfunkstrategie der Bundes-regierung geht in die richtige Richtung. Die Mobilfunkbetreiber in Deutschland brauchen dringend eine Entschlackung der Genehmigungsverfahren, eine Modernisierung im Baurecht und erleichterten Zugang zu neuen Standorten. Wir wollen bauen und anschließen. Und keine Zeit im Wartezimmer der Bürokratie verlieren.

Die Telekom hat eine klare Haltung: Wir wollen, dass unsere Kunden in Deutschland „#dabei“ sind bei den Möglichkeiten, die ihnen die Digitalisierung bietet. Sowohl die Privatkunden als auch die Geschäftskunden. Niemand soll abgehängt werden. Wir tun so viel für die digitale Infrastruktur wie sonst niemand. Wir sind der Digitalisierungsmotor. Alleine wird es aber auch die Telekom nicht schaffen. Daher sind wir überzeugt, dass Deutschland den richtigen Rahmen und mehr Vertrauen in die Marktkräfte braucht. Das erfordert den Mut, alte Paradigmen über Bord zu werfen. Ein gelegentlicher Wechsel der Perspektive und der Blick ins Ausland helfen dabei. 

Es ist die richtige Zeit für Pragmatismus und Optimismus. Ich freue mich darauf. 

i Dialog Consult / VATM, 21. TK-Marktanalyse Deutschland 2019, S. 25.

Dr. Dirk Wössner, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH.

Dirk Wössner

Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland GmbH

5G

Was ist 5G?

Das unterscheidet den neuen Kommunikationsstandard von vorherigen Mobilfunkgenerationen.

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