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Stephanie Tönjes

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5G, Frequenzen und National Roaming: „Ich verstehe nur noch Bahnhof!“

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Die hier genannten Begrifflichkeiten hören wir derzeit nahezu täglich. Egal ob Politiker, Netzbetreiber oder Bürger – jeder klinkt sich in die Debatte ein und vertritt seine ganz eigene Meinung. Über allem steht die Überschrift: Wir wollen Deutschland zum digitalen Champion machen. Oder anders ausgedrückt: Wir wollen überall Handyempfang haben und superschnell surfen.

Milchkanne

Nicht jede Milchkanne braucht 5G - oder doch?

Ist es verwerflich, wenn Menschen immer häufiger zugeben, dass sie einfach nur noch Bahnhof verstehen? Dieses Statement lese ich in den sozialen Medien jedenfalls immer wieder.

Was hindert uns denn bitteschön daran, jetzt mal tüchtig in die Hände zu spucken und ordentlich reinzuhauen, damit schon morgen alles besser wird? Ich selbst arbeite bei der Deutschen Telekom und sollte den totalen Durchblick haben. Sicherlich verstehe ich die Materie gut. Fakt ist aber auch, dass es einer enorm großen Menge an Hintergrundwissen bedarf, um das große Ganze mit all seinen Zusammenhängen und Komplexitäten zu verinnerlichen. Auch ein gewisses Verständnis von Physik und Technik sollte vorhanden sein.

Welche Forderungen sind utopisch? Welche sind berechtigt? Und was haben eigentlich Milchkannen mit einer Gigabit-Gesellschaft zu tun? Darf man sich darüber empören, wenn Ministerin Anja Karliczek behauptet, nicht jede Milchkanne müsse mit 5G ausgestattet sein? Oder ist es absolut berechtigt, wutentbrannt aufzustampfen und Highspeed-Netz bis in die hinterste Furche zu fordern? In Zeiten der Digitalisierung sollte überall alles in bestmöglicher Qualität vorhanden sein - das ist doch nicht zu viel verlangt, oder? Immerhin scheinen wir in Deutschland den Anschluss zu verlieren! „5G für alle“ muss ja wohl das Mindeste sein! Oder ist das Ganze vielleicht doch etwas differenzierter zu betrachten?

Im Zug ist man häufig von der Außenwelt abgeschnitten

Im Community Management der Deutschen Telekom erleben wir es Tag für Tag. Die Frustration darüber, dass der Handyempfang im Zug mal wieder zusammengebrochen ist. Dass man auf der Strecke von A nach B ständig in dieses eine bestimmte Funkloch gerät... Und das ist wirklich ärgerlich, die Wut darüber ist nachvollziehbar. Zugstrecken führen in Deutschland häufig durch dünn besiedelte Gebiete. Das sind in der Regel auch genau die Orte, an denen die Versorgung oft zu wünschen übriglässt. Gleichwohl haben wir als Telekom mit unserem Netz in Deutschland mittlerweile eine LTE-Abdeckung von annähernd 98 Prozent der Bevölkerung erreicht. Es geht voran. Daran arbeitet die Telekom Tag für Tag.

Beim Zugverkehr kommen jedoch weitere Komponenten hinzu, auf die wir als Telekom zum Teil gar keinen Einfluss haben. Einige verbaute Glasscheiben lassen sich beispielsweise von Funkfrequenzen nur schwerlich durchdringen. Zudem ist es Aufgabe der Deutschen Bahn, die Züge mit einer ausreichenden Anzahl von Repeatern auszustatten, damit Signale vernünftig übertragen werden können.

Zudem führen aber auch die hohen Geschwindigkeiten der Züge dazu, die Übergabe zwischen den einzelnen Funkzellen zu erschweren. Hier sind dann wieder die Netzbetreiber gefragt. Wir müssen in wesentlich mehr Funkzellen investieren. Und auch das tun wir!

Mysterium „Internet auf dem Land“

Wie kann es heutzutage noch möglich sein, dass man an einem Wohnort zuhause auf dem Land mit gerade mal höchstens 16 Mbit/s surfen kann. Wisst ihr was? Mich frustriert das genauso wie euch! Es kann doch nicht sein, dass Deutschland in Sachen Internet scheinbar so dermaßen hinterherhinkt. „Guckt euch beispielsweise Estland an“, lese ich auf Twitter immer wieder. Dort gibt’s an jedem noch so abgelegenen Grashalm Internet vom Feinsten.

Je mehr ich mich mit der Materie befasst habe, desto stärker habe ich aber auch festgestellt, dass solche Aussagen zu kurz springen. Fakt ist: In Deutschland stehen wir gar nicht so schlecht da! Jetzt kann ich euch ganz laut aufschreien hören. „Die Steffi spinnt ja wohl“, werdet ihr vermutlich wutentbrannt rufen.

„Hört auf zu jammern und baut doch endlich mal aus!“

Wusstet ihr, dass unser Glasfasernetz mittlerweile mehr als 500.000 Kilometer lang ist? 2019 wollen wir weitere rund 60.000 Kilometer Glasfaser verlegen Warum wir so viel ausbauen? Weil wir Deutschland zum Leitmarkt für 5G machen wollen. Und ohne Glasfaser ist kein 5G möglich! Über fünf Milliarden Euro haben wir in 2018 in Deutschland investiert. In Glasfaser beispielsweise, in Mobilfunk-Technik oder auch in unser Rechenzentrum in Biere. Wir wollen Deutschland digitaler machen und den Menschen die digitale Teilhabe ermöglichen.

„Warum investiert ihr nur so wenig?“, werden wir in den sozialen Medien trotzdem sehr oft gefragt. Dabei haben wir unsere Investitionen in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert. Und diese hohe Schlagzahl wollen wir aufrechterhalten. Fakt ist: Wir investieren so viel wie kein anderer Netzbetreiber in Deutschland. Zum Ziel gesetzt haben wir uns, 99 Prozent der Bevölkerung im Jahre 2020 mit 50 MBit/s allein im Mobilfunk zu versorgen. Bis Ende 2022 wollen wir die Bandbreite dann auf 100 Mbit/s verdoppeln.

Klar ist aber auch: Wir sind zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit beim Netzausbau bereit – gerade auch bei 5G. Was wir bieten, haben wir in unserem 8-Punkte-Plan „5G für unser Land“ festgehalten. Mit o2 haben wir eine Zusammenarbeit vereinbart. Zudem bieten wir unseren Mitbewerbern, die auch in eigene Netze investieren, unsere Mobilfunkmasten im ländlichen Raum und entlang der Verkehrswege zur Mitnutzung an. Solche Kooperationen beschleunigen den Netzausbau.

Das Ding mit der Milchkanne

Während die einen in Deutschland nun also den flächendeckenden Ausbau von 5G fordern, schließen sich andere zu Bürgerinitiativen zusammen, um sich vehement gegen den Bau von dafür notwendigen Antennen zu wehren! Telekom Vorstandsmitglied Claudia Nemat beschrieb es letztens so: „In einem Land, in dem knapp 29.000 Windräder bereits als „Verspargelung der Landschaft“ gelten, wird das eine heiße Diskussion.“ Für ein flächendeckendes 5G-Netz mit den jetzt zu vergebenden neuen Frequenzen, wären tatsächlich mehrere Hunderttausend Sendemasten nötig. Im eigenen Garten sollen die aber bitte nicht stehen! Dazu noch ein Funfact: Die Genehmigung einer einzigen Antenne kann manchmal bis zu zwei Jahre dauern! Das ist heftig – und daran können wir ausnahmsweise auch nichts ändern! ;-)

Wir können uns aber die Frage stellen, ob nicht ein flächendeckender Ausbau von LTE gepaart mit gezieltem Ausbau von 5G viel sinnvoller ist. Eben genau dort, wo 5G auch wirklich benötigt wird. Denn 5G wird zunächst vor allem für Anwendungen aus der Industrie 4.0 benötigt, also um beispielsweise Geräte mit dem Internet der Dinge zu verbinden!

Natürlich wollen wir Bürger instinktiv immer das Bestmögliche haben, doch wenn wir ehrlich sind, reicht LTE für unsere Mobilfunknutzung meistens völlig aus. Nämlich dann, wenn man beispielsweise Musik oder Videos über das Mobilfunknetz streamen möchte.

Was der 5G-Ausbau mit der Versteigerung von Frequenzen und Lizenzen zu tun hat, das hat übrigens Frank Thelen in seinem jüngsten Artikel sehr gut erklärt. Er findet die richtigen Worte, um den Sachverhalt sehr verständlich darzustellen.

Und was ist jetzt dieses ominöse National Roaming?

…und vor allem: Warum wehren wir uns so sehr dagegen?

Jede Art von verpflichtendem Roaming, ob lokal, regional oder national, wird dazu führen, dass niemand mehr investiert und sich der ganze Netzausbau massiv verzögert. Bei einem solchen müssten Netzbetreiber nämlich überall dort, wo ein Konkurrent kein Netz hat, sein Netz zur Verfügung stellen, damit der Wettbewerber seine Kunden versorgen kann. Damit entfällt aber gleichzeitig für den Konkurrenten der Anreiz, selbst in den Ausbau zu investieren.

Es wäre vielleicht ungefähr so, als würde der FC Bayern all seine teuer eingekauften Spieler plötzlich an Hannover 96 und Co ausleihen müssen, damit die Bundesliga wieder attraktiver wird. Zugegeben – der Vergleich hinkt sicherlich an mehr als nur einer Stelle. Bildlich gesprochen kann es dennoch helfen, die Ungerechtigkeit zu veranschaulichen! :-) #keinFußballprofi

Eine Mammutaufgabe, die da vor uns liegt

Ihr seht – manchmal ist es vielleicht doch leichter zu schimpfen, als hinter all die Fakten und Zusammenhänge zu steigen. Die Digitalisierung unseres Landes und unserer Infrastruktur ist ein Kraftakt. Eine Mammutaufgabe, die ein einzelner Netzbetreiber alleine nicht stemmen kann.

Wirtschaft, Politik und Netzbetreiber müssen hier an einem Strang ziehen, um mit vernünftigen Regularien und Kooperationen Deutschland wirklich zum digitalen Champion zu machen.

5G

Was ist 5G?

Das unterscheidet den neuen Kommunikationsstandard von vorherigen Mobilfunkgenerationen.

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