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Pascal Kiel

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Diamantenfieber beim Glasfaserausbau

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Dass schnelles Glasfaser-Internet für seine Nutzer*innen absolut brillant ist, hat sich längst herumgesprochen. Aber was haben Diamanten damit zu tun? Ganz einfach: Die Telekom ist ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, den Glasfaserausbau in Deutschland noch schneller zu machen. Und dabei ist sie neuerdings im Diamantenfieber – fast wie Sean Connery 1971 im gleichnamigen James-Bond-Film. Wir erklären, warum Diamanten jetzt die besten Freunde der Glasfasernutzer*innen sind.

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Wirkt wie ein Thermomix für den Glasfaserausbau.

Das ist Diamant-Mikrotrenching

Das „Trenching“, auf Deutsch in etwa „Pflügen“ oder „Furchen“, ist bei der Telekom schon seit einiger Zeit eine innovative Methode, um das Verlegen von Glasfaserleitungen schneller, günstiger und angenehmer für die Bürger zu machen. Statt wie beim klassischen Tiefbau Baugruben auszuheben, wird dabei nur noch ein schmaler Schlitz in die Oberfläche am Straßenrand oder auf dem Gehweg gesägt. In diesen Schlitz kommen dann die Leerrohre für die Glasfaser, die Öffnung wird wieder verschlossen – und statt Verkehrsstaus und Umwegen für die Menschen vor Ort ist der „Spuk“ oft nach einem Tag bereits vorbei. Experten sprechen von „minimalinvasiv“ – wie beim Bänderriss, nur ohne Orthopäden. Beim neuartigen Diamant-Mikrotrenching (Englisch: „Diamond-Microtrenching“) kommen nicht mehr Sägen aus Hartmetall mit Zähnen zum Einsatz – sondern Diamantschneider mit mehr als 1.000 Umdrehungen pro Minute, deren Schnitte noch wesentlich exakter sind.

Das bringt die neue Methode

Zuletzt hat die Telekom das Diamant-Mikrotrenching in Lübbecke in Ostwestfalen pilotiert und getestet. Steffen Martens ist bei der Telekom-Technik Breitbandbeauftragter fürs Festnetz. Während im Lübbecker Gewerbegebiet ein mächtiger Traktor mit Kabelrollen am Heck, der sogenannten Verlegeeinheit, am Straßenrand entlangfährt, erklärt er die Vorteile der neuen Methode: „Wir verproben hier mit der schwedischen Firma Netel einen Piloten zum Thema Mikrotrenching. Im Vergleich zum herkömmlichen Tiefbau mit einer Tagesleistung von 50 Metern liegen wir hier täglich bei circa 400 Metern – was natürlich den Glasfaserausbau enorm beschleunigt.“ Netel gilt als Pionier für diese Technik. Die Firma ist mittlerweile in ganz Skandinavien unterwegs – und seit Kurzem auch in Deutschland. Die absolut exakten Schnitte ihrer Diamanten, die auch das härteste Gestein durchdringen, schonen die Oberflächen und sorgen für exakte und gerade Ränder der Schnittflächen. Das erleichtert eine perfekte Wiederherstellung von Straßen und Wegen.

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Statt wie beim klassischen Tiefbau Baugruben auszuheben, wird hier nur noch ein schmaler Schlitz in die Oberfläche gesägt.

So funktioniert das Verlegen der Glasfaser

Netel-Geschäftsführer Anders Mikkola schildert, welche Vorarbeiten zunächst notwendig sind: „Bevor die Oberfläche geöffnet wird, untersuchen wir den Straßenrand oder den Bürgersteig – um zu sehen, ob schon Leitungen für Gas, Strom oder Telekommunikation verlegt sind. Dafür nutzen wir vorhandene Karten, aber auch unser Bodenradar.“ Die Mitarbeiter*innen gehen dabei die geplante Glasfaserstrecke mit einer Art Rasenmäher ab, der per Radar in den Untergrund schauen kann, um Beschädigungen vorhandener Leitungen auszuschließen. Dann beginnt das schnelle und effiziente Sägen, so Mikkola: „Wir versuchen, alles mit so wenigen Arbeitsschritten wie möglich zu erledigen.“ Das Besondere daran: Vom Trecker aus landen die Glasfaser-Leerrohre, der Sand zum Verfüllen und die gelben Warnbänder für eventuelle spätere Bauarbeiten, die mit vergraben werden, in einem einzigen Schritt im „getrenchten“ Schlitz. Die Leitungen liegen dabei exakt in einer konstanten Tiefe von 45 Zentimetern. Auch hier funktioniert das Diamant-Mikrotrenching wesentlich genauer als klassischer „Pi mal Daumen“-Tiefbau.

Schnelles Verlegen nicht nur in Lübbecke

Und wie schnell läuft jetzt das Verlegen in der Praxis, im Sturm und Regen von Lübbecke? Experte Anders Mikkola hat beeindruckende Zahlen parat: „Gestern am ersten Tag haben wir 320 Meter geschafft. Und heute bis elf Uhr vormittags waren es schon wieder mehr als 200 Meter. Das läuft sehr gut.“ Im Vergleich zum üblichen Tiefbau, der täglich gute 50 Meter vorankommt, ist das ein Quantensprung beim Glasfaserausbau. Mikkola verrät, dass es in Schweden zunächst Vorbehalte gegen diese Ausbauvariante gab – die dann aber durch praktische Erfolge schnell ausgeräumt waren. Heute zählt das Diamant-Mikrotrenching in Skandinavien längst zu den Standard-Methoden beim Verlegen von Glasfaser. In Deutschland sträuben sich Kommunen und Behörden häufig noch gegen das Trenchen – weil sie seit Jahren und Jahrzehnten an den Tiefbau mit seinen Baugruben gewöhnt sind. Ohne diese Skepsis, die sachlich nicht mehr gerechtfertigt ist, könnte der Glasfaserausbau in Deutschland noch wesentlich schneller vorankommen.

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Anders Mikkola ist Geschäftsführer der Netel GmbH.

So geht es weiter mit dem Diamant-Mikrotrenching

Nachdem die Glasfaser-Leerrohre beim Piloten in Lübbecke in der Erde waren, erklärt der Telekom-Breitbandbeauftragte Steffen Martens die nächsten Schritte: „Wir müssen jetzt natürlich die Oberfläche des Bodens wiederherstellen. Die Glasfaser muss noch eingeblasen werden, und dann wäre dieses Projekt hier erstmal abgeschlossen.“ Die Pflastersteine werden also wieder so eingesetzt, als wäre nie etwas gewesen. Und danach? „Es geht dann so weiter, dass wir den Piloten auswerten, um zu sehen, um wie viel schneller wir geworden sind, und ob wir dadurch günstiger und schneller bauen können. Dann schauen wir, wie es weitergeht.“ Das wird nicht immer und überall funktionieren, weil sich die Technik aus Lübbecke mit ihrem großen Trecker vor allem für lange, gerade Strecken eignet. Noch kann die Telekom also nicht bei jedem Ausbau auf den altgewohnten Bagger verzichten. Doch die Prognose von Steffen Martens klingt optimistisch: „Bisher sehen wir das Pilotprojekt sehr positiv und sind guter Dinge, dass es zum Regelausbau in Deutschland werden könnte.“ Und dann könnte das Diamant-Mikrotrenching bald in ganz Deutschland zu einem echten Juwel für den Ausbau des schnellen Internet werden.

Mehr zum Thema gibt's in diesem Video:

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