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Markus Jodl

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Glasfaser für den Gipfel: Ein Brocken Arbeit

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Flugverkehr rund um den Brocken – da denkt man spontan an die Walpurgisnacht, in der die Hexen der Legende nach auf ihren Besen um den Gipfel des Kult-Berges im Harz jagen. Beim neuesten Projekt der Deutschen Telekom am Brocken geht es zwar auch ums Fliegen, allerdings spielen Besen oder Mini-Hexe Bibi Blocksberg dabei keine Rolle. Statt Hexentanz steht die Deutsche Flugsicherung (DFS) im Mittelpunkt, die auf dem Gipfel des 1.142 Meter hohen Brocken eine Radarstation zur Überwachung und Steuerung des Luftraums betreibt. Diese Station wird künftig per Glasfaser angebunden. Und um die Leitung hoch auf den Gipfel zu bringen, helfen keine Zauberkräfte – sondern nur viel Arbeit und einige technische Kniffe.

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Die Radarstation auf dem Brocken wird künftig per Glasfaser angebunden.

Wie funktioniert die Anbindung per Glasfaser?

Die Glasfaserleitung nimmt ihren Anfang in einem unauffälligen grauen Netzverteiler-Kasten in Ilsenburg am Fuß des Brockens. Von hier aus windet sie sich über die Nordseite künftig elf Kilometer lang bis zum Gipfel. Matthias Jacobza, Leiter des Flugsicherungs-Projekts „Skylink“ bei der Deutschen Telekom, verrät den angedachten Zeitplan: „Wir hoffen, dass wir im Juli 2022 mit den Bohrungen beginnen können und dann spätestens Ende November, mit Einbruch des Winters, fertig sind.“ Das ist bitter nötig. Denn selbst im Jahresmittel herrschen auf dem Gipfel des Brocken laut Deutschem Wetterdienst im Schnitt nur 3,5 Grad. Und im Winter ist es noch deutlich unwirtlicher auf dem „Blocksberg“, der gut 300 Tage im Jahr von Nebel eingehüllt wird. Das Glasfaserkabel wird aus Gründen der Sicherheit und des Naturschutzes über die gesamte Strecke unterirdisch per Horizontalbohrung verlegt – in einer Tiefe von zwei bis vier Metern.

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Matthias Jacobza, Leiter des Flugsicherungs-Projekts „Skylink“, Deutsche Telekom.

Welche Hindernisse liegen auf dem Weg?

Dass der Brocken nicht mit sich spaßen lässt, ist altbekannt. Und so macht er es auch den Technikern der Telekom beim Glasfaser-Verlegen nicht leicht. Auf dem Weg nach oben gibt es allein acht Flussdurchquerungen. Weil der Eigentümer der vorhandenen Brücken der Telekom keine Genehmigung dafür erteilt hat, die Leitung über die Brücken zu verlegen, so Projektleiter Jacobza, „müssen wir einen anderen Weg nehmen. Und in dem Fall geht der Weg unten durch“. Deshalb muss der Bohrer am Ufer erst tief nach unten, dann unter dem Wasser durch, und auf der anderen Seite wieder nach oben. Kurz vor dem Gipfel müssen auch noch die Gleise der Harzer Schmalspurbahn mit ihren Dampfloks unterquert werden – wegen der Sicherheit des Bahnverkehrs ein sehr sensibler Bereich. Matthias Jacobza erklärt die erforderlichen Maßnahmen: „Wir müssen besonders vorsichtig arbeiten und spezielle Maschinen verwenden. Während des gesamten Bauvorganges wird die Oberfläche mit Messgeräten überwacht.“

Wie schnell kommt der Bohrer voran?

Beim Tempo auf dem Weg nach oben kommt es immer auf die Bodenbeschaffenheit an, auf die der Bohrer stößt. Experte Jacobza verrät den ungefähren Plan: „Im unteren Bereich, wo das Gestein etwas lockerer ist, gehen wir davon aus, dass wir 300 Meter am Tag schaffen können.“ Oben, im harten Granit, geht es dann langsamer voran: „Das wird vermutlich damit enden, dass wir einen hohen Verschleiß an Bohrköpfen haben. Ob es noch weitere Überraschungen gibt, wird sich zeigen. Es ist mit Sicherheit kein dünnes Brett, sondern ein dicker Brocken, der hier zu bohren ist“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei kann die Horizontalbohrmaschine maximal 150 Meter am Stück bohren – mühsam nährt sich auch im Harz das Eichhörnchen. Doch die Telekom zeigt am Brocken, dass sie zwar nicht hexen, aber ziemlich gut Glasfaser verlegen kann.

Warum wird die komplette Trasse unterirdisch verlegt?

Elf Kilometer hoch auf den Brocken-Gipfel – da liegt die Idee nahe, zumindest einen Teil der Glasfasertrasse oberirdisch und zeitsparend zu verlegen, oder statt aufwändiger Bohrungen mit anderen Verlegemethoden schneller und günstiger voranzukommen. Telekom-Projektleiter Matthias Jacobza weiß aber, dass das (leider) in diesem Fall nicht funktioniert: „Das wäre sicherlich der erste Gedanke, dass man fräst oder baggert. Aber mit so massivem Fels ist das (Baggern) problematisch. Sprengen und Fräsen kommt auch nicht in Frage. Denn der Naturschutz ist neben dem Personenschutz eines der höchsten Güter hier oben.“ Durch die unterirdische Verlegung, wie sie die Telekom nun durchführt, wird der Einfluss auf die Umwelt so umfassend wie nur möglich minimiert.

Wie wird die Sicherheit der Arbeiter*innen gewährleistet?

Bei einer so umfassenden Baumaßnahme ist ein Sicherheitskonzept zwingend vorgeschrieben. „Teil des Konzeptes“, so Matthias Jacobza, „ist die Fähigkeit, im schlimmsten Fall Notrufe über Mobilfunk absetzen zu können. Dazu muss sichergestellt sein, dass die Mobilfunkausleuchtung über die gesamte Strecke vorhanden ist“. Weil auf der Trasse zum Gipfel nicht durchgängig Handyempfang besteht, hat die Telekom im Vorfeld Messfahrten durchgeführt, die für jeden Streckenmeter die Empfangssituation exakt geprüft haben. Sie hat also quasi den Brocken neu vermessen – mit Messfahrzeugen, in denen neun Smartphones in einer Dachbox den Empfang für Sprache und Datenverkehr exakt analysiert und protokolliert haben. Dort, wo es kein Mobilfunknetz gibt, erfahren die Mitarbeiter*innen durch eine Beschilderung, in welche Richtung sie oder helfende Kollegen und Kolleginnen sich bewegen müssen, um wieder Empfang zu haben. Zum Notfallkonzept gehört auch ein Hubschrauber-Landeplatz auf halber Wegstrecke, der am Brocken ohnehin für Rettungsmaßnahmen vorhanden ist.

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Auf den Messfahrten wird die Netz-Qualität überprüft.

Und was hat das mit der Flugsicherung zu tun?

Der Brocken ist der dominanteste Berg Deutschlands. Das heißt, dass er am höchsten aus seiner Umgebung herausragt. Für die Radarstation der Deutschen Flugsicherung sind das ideale Bedingungen, um Signale ungestört zu senden und zu empfangen. Das Radar-Auge reicht dabei über 250 Kilometer weit vom Ruhrgebiet bis zur polnischen Grenze. Der enorme Aufwand für die Verlegung der Glasfaser bis auf den Gipfel lohnt sich also. Denn die Flugsicherheit im Norden, Westen und Osten Deutschlands wäre ohne die Station auf dem Brocken gar nicht denkbar – in der Walpurgisnacht am 30. April und an jedem anderen Tag des Jahres.

Mehr zum Thema gibt's in diesem Video:

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20220531_Glasfaserschule Telekom Teil 3_1

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Hubertus Kischkewitz

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