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Sandra Rohrbach

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Dufte Idee! Internet aus dem Abwasserkanal

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Die Telekom hat schon immer ein Näschen für überraschende Ideen, mit denen schnelles Internet zu den Kund:innen kommt. Doch beim neuesten Projekt hilft es, sich diese Nase gut zuzuhalten. Denn die Telekom verlegt ihre Glasfaserleitungen jetzt auch in Abwasserkanälen. Das klingt anrüchig. Aber wir verraten, warum diese Verlegemethode trotzdem eine dufte Idee ist.

Telekom Pressesprecherin in Schutzanzug

Darum geht es beim „Abwasser-Internet“

Im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt mit seinen knapp 200.000 Einwohnern baut die Telekom derzeit das Glasfasernetz großflächig aus. Und in Staßfurt ist sie dabei auf ein Problem gestoßen. Denn um hier mit der Leitung von einem Ortsteil in den anderen zu kommen, muss eine vielbefahrene Regionalbahnstrecke unterquert werden. Jens Gronau von der Telekom-Technik erklärt die Herausforderung: „Wir haben dafür keine Genehmigung bekommen, um hier relativ kurzfristig tätig zu werden. Von daher haben wir andere, innovative Baumethoden gesucht und sind auf das Verfahren FAST OPTICOM gekommen.“

Mit dieser Technik der gleichnamigen Firma aus dem schwäbischen Göppingen lassen sich erstmals Glasfaserkabel und Lichtwellenleiter in Abwasserkanälen verlegen. Das macht Tiefbauarbeiten, Behinderungen im Straßenverkehr und Beeinträchtigungen der Umwelt weitgehend überflüssig. Denn die Schächte und Kanäle sind ja bereits gebaut. Und so hat die Telekom in Staßfurt ein vorhandenes Abwasserrohr genutzt, um die Bahntrasse zu unterqueren. Das klappte dank diesem „schmutzigen Trick“ deutlich schneller, als selbst zu graben.

Roboter

Klein und wendig: ein Roboter übernimmt die Arbeit im Abwasserkanal

So funktioniert’s

Das FAST-Verfahren ist laut Anbieter die einzige zugelassene Methode, mit der sich Breitbandkabel schnell und zuverlässig in bestehenden Abwasserschächten verlegen lassen. Dafür fährt ein kleiner Roboter in das Rohr, wie Torsten Ringvet erklärt, der Bauleiter von FAST OPTICOM. Dem Roboter ist es egal, wenn es stinkt – wobei es speziell im Fall von Staßfurt nicht ganz so eklig ist: Dieser Kanal ist stillgelegt. Die Methode funktioniert aber auch in Abwasserkanälen, die in Gebrauch sind. Und es kommen trotzdem nicht mehr „schmutzige Nachrichten“ bei den Internetnutzern an als bei anderen Verlegemethoden.

Torsten Ringvet schildert das Verfahren: „Wir werden als erstes den Roboter in den Abwasserkanal einlassen. Danach werden wir den Kanal protokollieren, wie wir in der Fachsprache sagen. Und dann werden die einzelnen Briden, also flexible Stellen, im Abwasserkanal installiert.“ Der Roboter fixiert Halteklammern, die sogenannten Briden, an der Wand des Kanals. In diese Klammern wird dann ein 15,5 Millimeter dickes und gewelltes Leerrohr aus Edelstahl geklemmt, das die darin verlaufende Glasfaserleitung dauerhaft und zuverlässig vor Feuchtigkeit, Tierverbiss und anderen Beschädigungen schützt. Über 250 Projekte mit dieser Technik wurden bereits durchgeführt.

Das sind die Vorteile

Das Verlegen von Glasfaserleitungen in Abwasserkanälen kann, wenn die Umstände stimmen, Breitband-Internet deutlich schneller zu den Kund:innen der Deutschen Telekom bringen. Und der geruchsunempfindliche Roboter ist flott unterwegs, wie FAST OPTICOM auf seiner Website schildert: „Mit einer Verlegeleistung zwischen 100 und 250 Metern am Tag ist eine schnelle Realisierung der Arbeiten garantiert.“

Bauarbeiter bei Glasfaserverlegung in einem Abwasserkanal

Mit dieser speziellen Verlegemethode wird beim Glasfaserausbau viel Zeit eingespart.

So wichtig ist der Ausbau für die Region

Roland Voigt, Regionalmanager der Deutschen Telekom für Sachsen-Anhalt, erklärt den Hintergrund des öffentlich geförderten Breitbandausbaus im Salzlandkreis, der seinen Namen übrigens von der jahrhundertelangen Salzgewinnung in der Region hat: „Etwa seit 2019 ist die Baumaßnahme im gesamten Landkreis im Gang. Wir bauen circa 40.000 Haushalte und Gewerbetreibende mit Breitband aus.“ Sein Versprechen an die Bürger:innen und Telekom-Kund:innen: „Innerhalb des ersten Halbjahres 2021 werden wir mit allen Baumaßnahmen im Salzlandkreis fertig sein.“

Landrat Markus Bauer ist zufrieden mit dem bisherigen Verkauf der Arbeiten – und mit den Chancen, die das schnelle Internet für seinen Landkreis bedeutet: „Ich glaube, der Breitbandausbau ist für die Region im ländlichen Raum exemplarisch wichtig, wie in ganz Deutschland. Für uns stehen die drei W an vorderster Stelle: Wirtschaft, Wissenschaft und Wohnen. Und ich glaube, da haben wir alle Bevölkerungsgruppen, alle Unternehmen und alle Bildungsfaktoren miteinander in Verbindung gebracht.“

Offenbar haben Telekom und die Verantwortlichen vor Ort im Salzlandkreis tatsächlich ein gutes Näschen bewiesen – und gezeigt, dass sie mit allen (Ab)wassern gewaschen sind.

Alle "schmutzigen Tricks" gibt's im Video:

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Bauarbeiter bei der Ausübung des Keyhole Verfahrens

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Hubertus Kischkewitz

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Wenn Glasfaser durchs Schlüsselloch passt

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