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Hubertus Kischkewitz

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Mobilfunk auf dem Strommast – eine elektrisierende Idee und ihre Tücken

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Warum nutzt man bestehende Strommasten eigentlich nicht häufiger für Mobilfunkantennen? Wir verraten die vier Gründe, warum Strom und Mobilfunk meist nicht auf einer Wellenlänge liegen.

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Die Idee einen Strommast als Standort für eine Mobilfunkantenne zu nutzen klingt plausibel – doch in der Realität ist die Umsetzung ganz anders.

Die Idee klingt im wahrsten Sinne des Wortes elektrisierend. Denn überall in Deutschland stehen Starkstrommasten und Freileitungsmasten, die 70 Meter und mehr in die Höhe ragen. Da liegt es nahe, auf diese Riesen auch noch Mobilfunkantennen zu setzen – und sich so die Errichtung des einen oder anderen Mobilfunkmasts zu ersparen. Warum doppelt bauen, wenn doch auf den Stahlgitter-Strommasten genug Platz für Antennen ist?

Diese Frage wird häufig gestellt. Doch bei der an sich verlockenden Idee liegt der Teufel im Detail – beziehungsweise sogar in mehreren Details. Denn aus wirtschaftlichen und funktechnischen Gründen sind die wenigsten Strommasten tatsächlich für Mobilfunk geeignet.

1. Die Sache mit dem Standort

Wer an einen typischen großen Strommast denkt, denkt meist an die Hochspannungsleitungen auf einem Feld oder am Waldrand. Und damit beginnen bereits die Tücken. Denn die wenigsten dieser Masten stehen tatsächlich dort, wo viele Menschen wohnen und eine Mobilfunkversorgung brauchen.

Thomas Rieder kennt das Problem nur zu gut. Er arbeitet in München als Betriebsmanager für die Deutsche Funkturm – also für die Telekom-Tochter, die sich bundesweit um die Mobilfunkmasten kümmert. Er weiß: „Für eine Stadtversorgung steht der Strommast falsch. Er steht auf freier Flur. Und wo brauche ich die Versorgung? In der Stadt. Von daher widerspricht sich das oft.“

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Thomas Rieder, Betriebsmanager der Deutschen Funkturm.

2. Die Sache mit dem Zufahrtsweg

Die Mobilfunkanlagen der Telekom müssen nicht nur errichtet und in Betrieb genommen werden. Sie werden auch regelmäßig gewartet und technisch auf den neuesten Stand gebracht – zum Beispiel beim aktuellen 5G-Ausbau in ganz Deutschland. Das funktioniert aber nur, wenn ein Standort bei Bedarf auch für den Schwerlastverkehr erreichbar ist. Und das ist bei den wenigsten Hochspannungsmasten der Fall, so Experte Thomas Rieder: „Der Strommast steht im Feld. Und wie kommt man hin zu dem Feld? Da gibt es keinen Weg. Sprich, man müsste einen Weg bauen. Und das ist natürlich mit Kosten verbunden.“

3. Die Sache mit der Statik

Die Starkstrommasten sehen zwar beinahe aus wie robuste kleine Eiffeltürme. Aber ihre Statik ist sehr genau berechnet, damit sie die Last der Stromleitungen tragen können, und damit sie Wind und Wetter trotzen. Gerade im Winter sorgen Eis und Schnee hier oft für ein enormes Mehrgewicht.

Eine weitere statische Belastung durch Mobilfunktechnik war bei der Konstruktion überhaupt nicht eingerechnet, schildert Funkturm-Manager Rieder: „Der Strommast ist nicht dafür gedacht, dass er Mobilfunkantennen aufnimmt. Das heißt, wir tragen zusätzliches Gewicht auf den Mast auf.“

Neben den Antennen ist dabei auch noch der schwere Trenntrafo erforderlich, der den Starkstrom der Leitungen auf die Spannung reduziert, die die Mobilfunktechnik braucht. Dafür müsste der Mast in den meisten Fällen verstärkt werden – was für weiteren Mehraufwand und Kosten sorgt.

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Dieser Antennenstrommast versorgt die Autofahrer auf der A96 München - Lindau mit schnellem Mobilfunk.

4. Die Sache mit der Anbindung

Jede Mobilfunkanlage muss ihre Daten ins Highspeed-Netz der Telekom einspeisen – entweder per Glasfaser oder per Richtfunk. „Meistens können wir die Strommasten nicht mit Glasfaser anbinden, weil die Entfernungen zu groß sind“, verrät Thomas Rieder. Denn auf freier Flur oder am Waldrand sind Glasfaserleitungen in aller Regel weit entfernt. Dann bleibt als Alternative der Richtfunk, der heutzutage enorm hohe Geschwindigkeiten und Bandbreiten ermöglicht. Hier gilt allerdings: Je weiter die Empfangsstelle entfernt ist, desto höher muss die Richtfunkantenne angebracht sein, die zudem freien Sichtkontakt zum Empfänger benötigt.

Folge, so Experte Rieder: „Dann muss ich auf dem Strommast über die Hochspannungsleitung hinaus gehen.“ Wenn die Antenne aber über der Leitung liegt, und nicht darunter, muss für Wartungsarbeiten oder technische Updates der Strom aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden. Und das, so Thomas Rieder, „muss man natürlich mit dem Netzbetreiber absprechen. Ich kann nicht einfach einen Schalter umlegen, und den Strom abschalten“. Die Begeisterung der Elektrizitätsversorger für solche Abschaltungen hält sich aber in engen Grenzen.

Und manchmal klappt es doch

Grundsätzlich begrüßt die Telekom die Idee durchaus, Strommasten zusätzlich für den Mobilfunk zu nutzen. Aus elektrotechnischer Sicht spricht auch nichts dagegen. Denn der in den Leitungen fließende Starkstrom beeinflusst den Mobilfunk nicht. Die Telekom muss mit ihren Antennen aus Sicherheitsgründen auf dem Mast lediglich zehn Meter von den Leitungen entfernt bleiben.

Und so klappt es in einigen Fällen, wenn Standort und Anbindung passen, dann auch mit einer gemeinsamen Versorgung. Ein Beispiel ist in der Nähe von Starnberg zu finden. Hier stehen nicht ein Strommast und ein separater Mobilfunkmast in der oberbayerischen Landschaft. Stattdessen versorgt ein „Antennenstrommast“ die Autofahrer auf der A96 München - Lindau mit schnellem Mobilfunk. Hier wird aus einer elektrisierenden Idee dann tatsächlich Wirklichkeit.

Das gesamte Video gibt's hier:

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