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Markus Jodl

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Dieser Mobilfunk-Standort läuft mit Brennstoffzelle

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Wenn Mobilfunk an abgelegener Stelle gebaut wird, braucht es oft Stromgeneratoren. Bisher liefen die mit Diesel, doch jetzt gibt es eine Alternative: Wasserstoff.

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Mobilfunk-Standort mit Brennstoffzelle

In Dettelbach im unterfränkischen Weinbaugebiet war schon immer Platz für den Fortschritt. Das zeigen drei Beispiele. Im Jahr 1500: Ein spätgotischer Baumeister plant das Rathaus so geschickt, dass es drei Bürger, die sich nicht leiden können, gleichzeitig betreten können, ohne sich zu begegnen - durch drei Eingänge.
Das Jahr 1850: Der modebewusste Zuckerbäcker Urban Degen erfindet Honigplätzchen in Form einer eleganten Krawattenschleife. Die Dettelbacher Muskazine sind als Spezialität bis heute bei Einheimischen und bei Wallfahrern beliebt.

Und die neueste Dettelbacher Innovation stammt von der Deutschen Telekom. 2019: Im Ortsteil Euerfeld geht der wohl weltweit erste Mobilfunkmast in Betrieb, den eine Brennstoffzelle mit Strom versorgt. Dieser klimaneutrale Standort schließt ein Funkloch - und das wirtschaftlich, geräuschlos, servicearm und umweltverträglich.
Wir verraten, wie Mobilfunk ohne lokale CO2-Emissionen funktioniert.

Bio-Methanol statt Diesel

Es kommt häufiger vor, dass die Telekom "mobile Mobilfunkstandorte" errichtet - also Masten und Sendeanlagen, die nicht für den dauerhaften Betrieb bestimmt sind. Gründe sind zum Beispiel Katastrophenfälle, Großveranstaltungen wie Musikfestivals oder auch Funklöcher, die geschlossen werden müssen, bevor der endgültige Mast steht. Wenn dann "auf der grünen Wiese" kein Stromanschluss verfügbar ist, behilft sich die Telekom im Normalfall mit einem Dieselgenerator, der die Elektrizität erzeugt.

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Niklas Schmitz, Spezialist Technologie-Management PASM

Niklas Schmitz von der Telekom-Tochterfirma PASM (Power and Air Condition Solution Management), die sich um die Energieversorgung der Telekommunikationsanlagen kümmert, weiß aber, dass der Diesel-Strom nicht immer die ideale Lösung ist: "Der Dieselgenerator müsste im Dauerbetrieb alle zwei Wochen gewartet werden. Oft kommt man auch gar nicht zum Standort, weil zum Beispiel die Wiese vermatscht ist.

Die Brennstoffzelle kann dagegen als elektrochemisches System wesentlich gesicherter die Energie erzeugen und ist wartungsärmer." Sie wird in Dettelbach mit Bio-Methanol gespeist, das aus Biomasse erzeugt wird - also zum Beispiel aus pflanzlichen Abfällen, Holz oder Stroh. "Damit betreiben wir die Anlage hier CO2-neutral", erklärt Experte Niklas Schmitz.

So funktioniert eine Brennstoffzelle für den Mobilfunk

Bei Autos gilt der Brennstoffzellenantrieb schon seit Jahren als hochinteressante Alternative zum Verbrennungsmotor oder auch zu konventionellen Elektroautos à la Tesla mit ihren extrem schweren Akkus. So schafft der Toyota Mirai mit einer Tankfüllung Wasserstoff bis zu 500 Kilometer und lässt sich in drei Minuten volltanken. Aus dem Auspuff kommt nichts - außer Wasserdampf.

Und diese umweltfreundliche Zukunftstechnologie funktioniert auch ohne Auto, zum Beispiel bei der neuen Telekom-Mobilfunkanlage in Unterfranken. Hersteller der Brennstoffzelle, die dort zum Einsatz kommt, sind die Wasserstoff-Spezialisten der Firma HYREF, die auf einem ehemaligen Zechengelände in Herten im Kreis Recklinghausen zuhause sind.

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Klemens Höbing, Geschäftsführer HYREF GmbH

Geschäftsführer Klemens Höbing erklärt, wie das Verfahren funktioniert, das im Wesentlichen zwei Schritte erfordert. Zunächst wird in eine Art großes Gefäß namens "Reformer" das Bio-Methanol eingebracht. "Dort verdampft es. Das Gas, das dabei entsteht, reagiert an einem Katalysator. Und diese Reaktion sorgt dafür, dass der Wasserstoff, der am Methanol anhängt, aufgespalten wird."

So wird also der Wasserstoff erzeugt, der im zweiten Schritt in der eigentlichen Brennstoffzelle mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft reagiert. Das funktioniert ähnlich wie in einer Batterie. Dabei entstehen Wärme, Wasser - und vor allem der Strom, den ein Elektroauto oder eben auch die Mobilfunkanlage in Dettelbach für ihren Betrieb brauchen.
Ein Perpetuum mobile ist die Brennstoffzelle allerdings nicht, denn für den Weg vom Methanol zur Elektrizität wird Energie benötigt. Deshalb ist diese elektrochemische Reaktion, die auch "kalte Verbrennung" genannt wird, vor allem dann besonders umweltfreundlich, wenn die erforderliche Energie aus regenerativen Quellen stammt.

So clever ist der "Wasserstoff-Mobilfunk"

3.000 Liter Bio-Methanol fasst der Tank, der die Anlage in Dettelbach versorgt. "Damit können wir fast ein Dreivierteljahr Dauerbetrieb realisieren", verrät Wasserstoff-Experte Klemens Höbing. Das System liefert dabei eine Dauerleistung von 5 kW und bei Bedarf eine Spitzenleistung von 7 kW. Und das praktisch wartungsfrei - während ein Dieselgenerator regelmäßig mit Treibstoff befüllt oder mit Schmieröl versorgt werden muss.

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So funktioniert der Mobilfunk-Standort mit Brennstoffzelle.

Auch bewegliche Teile wie Kolben oder Getriebe, die kaputtgehen können und Lärm oder Vibrationen verursachen, gibt es bei der Brennstoffzelle nicht. Um zu sehen, ob alles in Ordnung ist, müssen die Telekom-Techniker zudem nicht mehr durch eine matschige Wiese stapfen, denn sie können die Anlage per Fernwartung überwachen.

Der "mobile Mobilfunkmast" läuft also ohne großen Aufwand monatelang - bis als finale Lösung an einem Sportplatz der neue Mobilfunkstandort der Telekom entsteht. Er schließt das Funkloch im Dettelbacher Ortsteil Euerfeld, der relativ ungünstig in einer Senke liegt, dann endgültig.

So geht es weiter

Bis zum Jahr 2030 plant die Deutsche Telekom, ihre CO2-Emissionen um 90 Prozent zu senken. Und bereits ab 2021 will der Konzern zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien setzen. Die Mobilfunkmasten mit der Wasserstoff-Technologie können ein wichtiger Baustein sein, damit Magenta und Grün künftig farblich perfekt zusammenpassen. Denn sie lösen eines der größten Probleme, die es beim Ausbau der Mobilfunknetze momentan gibt, nämlich die umweltfreundliche Stromversorgung bei Standorten in abgelegenen Gebieten.

Wenn aus Pflanzen und Pflanzenresten Mobilfunk wird - diese Idee ist so clever und elegant, dass Zuckerbäcker Urban Degen den Technikern zur Belohnung garantiert viele Bleche leckerer Dettelbacher Muskazine spendiert hätte.

Noch mehr Einblicke in die Brennstoffzelle gibt das Video

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